Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

UAE-Ministerin zu Euronews: Iran darf Weltwirtschaft nicht in Geiselhaft nehmen

Lana Nusseibeh im Euronews-Interview
Lana Nusseibeh im Euronews-Interview Copyright  Euronews
Copyright Euronews
Von Jane Witherspoon & Toby Gregory
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
Teilen Kommentare
Teilen Close Button
Den Link zum Einbetten des Videos kopieren Copy to clipboard Link kopiert!

Die Staatsministerin der VAE, Lana Nusseibeh, betonte im Euronews-Interview, regionale Stabilität sei eng mit Europas wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen verknüpft.

Die Staatsministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Lana Nusseibeh, hat die internationale Gemeinschaft aufgerufen, Druck auf Teheran auszuüben, damit der Iran seine Blockade der wichtigen Schifffahrtsroute Straße von Hormus beendet. Zugleich lobte sie die Unterstützung der Europäischen Union seit Beginn des Kriegs mit Iran.

WERBUNG
WERBUNG

In einem ausführlichen Gespräch mit Euronews in Abu Dhabi sagte Nusseibeh: „Iran darf die Weltwirtschaft mit seinem Verhalten als Schurkenstaat nicht in Geiselhaft nehmen.“

Im Interview warnte sie, die Folgen einer Störung der schmalen Wasserstraße zwischen Iran und Oman reichten weit über die Region hinaus. Weltweit verlaufen rund 20 Prozent der Energie­lieferungen durch diese Engstelle, betonte sie.

„Wenn dieser Verkehr gestört wird, hat das Auswirkungen nicht nur auf die globalen Energiepreise, sondern auch auf die weltweite Ernährungssicherheit und die Versorgung mit Lebensmitteln. Das wird sich an den Kassen im Supermarkt, an der Zapfsäule und beim Preis für Lebensmittel bemerkbar machen“, sagte die Ministerin in der Euronews-Sendung 12 Minutes With.

Nusseibeh fügte hinzu, die VAE setzten ihre intensiven Bemühungen fort, um auf die sich entwickelnde globale Energiekrise zu reagieren, und bekräftigten ihr Bekenntnis zu stabilen Energiemärkten.

„Was die Energieversorgung betrifft, sind wir ein verantwortungsbewusster und verlässlicher Lieferant für den globalen Energiemarkt, und wir werden weiterhin tun, was wir können“, sagte sie.

Die Golfstaaten sind für Europa seit Langem ein zentraler Partner bei Energie, Handel und globalen Schifffahrtsrouten. Angesichts wachsender Spannungen rund um die Straße von Hormus und iranischer Raketen- und Drohnenangriffe auf die Region betonen Verantwortliche in Abu Dhabi, dass die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern noch wichtiger geworden ist.

Die Ministerin sagte, europäische Regierungen gehörten zu den engagiertesten internationalen Partnern seit Beginn der Krise. „Wir stehen seit Beginn der Ereignisse mit Regierungen in aller Welt in engem Kontakt, aber ich würde sagen, die Europäer haben uns unglaublich unterstützt“, erklärte sie.

Nach ihren Worten spiegelt diese Unterstützung langjährige politische und wirtschaftliche Beziehungen zwischen den VAE und Europa wider. „Unser Handelsvolumen mit Europa von 65 Milliarden Euro im Jahr ist ein starkes Signal dafür, dass wir auch für Investitionen offen sind.“

Diese Beziehungen gehen jedoch über den Handel hinaus. Mehr als eine halbe Million Europäerinnen und Europäer leben und arbeiten in den VAE, die Krise betrifft sie daher unmittelbar. „Wir nehmen die Sicherheit der 500.000 hier lebenden europäischen Bewohnerinnen und Bewohner äußerst ernst“, sagte Nusseibeh.

Diplomatische Kontakte laufen auf mehreren Ebenen und spiegeln die Sorge in europäischen Hauptstädten über die möglichen Folgen von Instabilität am Golf wider. Die zentrale Rolle der Region für globale Energieflüsse und den Seehandel bedeutet, dass Störungen weitreichende Auswirkungen auf die europäischen Volkswirtschaften haben dürften.

Nusseibeh betonte, die VAE betrachteten ihre Partnerschaft mit Europa als Schlüssel für Stabilität. „Wir intensivieren unsere Zusammenarbeit mit Europa ganz bewusst.“

„Modell des Friedens“ verteidigen

Die Ministerin ordnete den Konflikt als weit mehr ein als eine bilaterale Auseinandersetzung. „Hier verteidigen Sie nicht nur die VAE. Sie verteidigen ein Modell des Zusammenlebens, der Toleranz und des Friedens für die gesamte Region.“

Wer diese Prinzipien ablehne, stehe „im Lager Irans und jener Schurkenakteure, die versuchen, Nihilismus in das gesamte internationale System zu exportieren“.

Zu Beginn der dritten Kriegswoche sprechen die Vereinigten Arabischen Emirate von einem heiklen Balanceakt: Sie wollen ihr Territorium schützen und zugleich verhindern, dass die Krise zu einem umfassenden regionalen Krieg eskaliert.

Nusseibeh hob die Bedeutung der nationalen Verteidigungssysteme hervor. „Sie wurden über Jahrzehnte hinweg geschärft – durch Investitionen und durch Einsätze in echten Gefechten weltweit im Rahmen von Koalitionen. Die Streitkräfte der VAE haben unsere Gemeinden sowie unsere Bewohnerinnen und Bewohner geschützt.“

Die roten Linien seien „die Sicherheit, der Wohlstand und das Wohlergehen unserer emiratischen Gemeinschaft und unserer hier lebenden Expatriates. Wir betrachten sie alle als Teil dieses Landes, und sie verdienen unseren Schutz“.

Für die Golfstaaten ist die strategische Abwägung komplex. Eine harte militärische Reaktion könnte die Konfrontation mit Iran ausweiten und weitere regionale und internationale Akteure in den Konflikt hineinziehen.

Bleibt die Antwort zu zurückhaltend, drohen dagegen kritische Infrastruktur und Zivilbevölkerung schutzlos zu bleiben. Ministerin Nusseibeh machte deutlich, wie groß die Herausforderung für ihr Land ist: Die VAE haben seit Beginn des Kriegs im gesamten Nahen Osten die meisten iranischen Raketen- und Drohnenangriffe aufgenommen und abgewehrt.

„Wir haben vierzehn extrem schwierige Tage hinter uns (...), aber das Leben in den VAE ist inzwischen nahezu wieder zur Normalität zurückgekehrt.“

Die Fähigkeit des Landes, Stabilität zu wahren, gehe auf jahrzehntelange Vorbereitung auf geopolitische Unsicherheit im Golf zurück, sagte die Ministerin. „Wir planen seit Jahrzehnten für unterschiedliche Szenarien in einer sehr turbulenten Region, diese Pläne sind also nicht neu.“

Diese Vorbereitungen reichen über die militärische Bereitschaft hinaus. Das Land hat massiv in wirtschaftliche Widerstandskraft, Logistiknetze und die Sicherheit von Lieferketten investiert.

Laut Nusseibeh, die bis vor Kurzem Botschafterin der VAE bei den Vereinten Nationen war, brach der Konflikt trotz intensiver diplomatischer Bemühungen zur Deeskalation aus. „Wir waren vor dieser Eskalation sehr aktiv um diplomatische Lösungen bemüht, um einen Konflikt in der Region zu verhindern.“

Mit Blick nach vorn erklärte die Ministerin, die langfristige Strategie der Regierung bleibe auf wirtschaftlichen Wandel und Zukunftsbranchen ausgerichtet. Das Entwicklungsmodell des Landes sei so angelegt, dass es geopolitische Erschütterungen verkraften könne.

Die Entwicklung der VAE in den vergangenen fünfzig Jahren habe die Wirtschaftsstruktur grundlegend verändert, sagte sie. „Seit unserer Gründung haben wir eine Reihe von Schocks erlebt.“

Schon bei der Bildung der Föderation habe es viele Stimmen gegeben, die ihr kein langes Leben prophezeit hätten. „Wir haben nicht nur überlebt. Wir sind von einer Perlenfischer-Wirtschaft zu einem globalen Exporteur geworden – nicht nur von Kohlenwasserstoffen, sondern auch von Rohstoffen, von Auslandsdirektinvestitionen, von sauberer Energie, von künstlicher Intelligenz.“

Statt sich allein auf Öleinnahmen zu verlassen, hat das Land über Jahrzehnte in Bereiche wie Finanzdienstleistungen, Logistik und Hochtechnologie diversifiziert.

Sie verwies auf große Technologieinvestitionen, mit denen die VAE sich als globaler Knotenpunkt für Infrastruktur im Bereich künstliche Intelligenz positionieren wollen: ein Investitionspaket von 1,5 Billionen US-Dollar mit den USA für KI-Rechenzentren und ähnliche Projekte in Europa, etwa in Italien und Frankreich, wo die VAE ebenfalls Rechenzentren für KI aufbauen.

Nusseibeh betonte, die VAE seien eine „Wirtschaft der Zukunft“. Der Fokus auf neue Branchen solle sicherstellen, dass das Land in einer sich rasant wandelnden Weltwirtschaft wettbewerbsfähig bleibt.

Zugleich räumte sie ein, dass keine Regierung ihr geopolitisches Umfeld vollständig steuern kann. „Wir versprechen nicht, dass sich das regionale Umfeld komplett kontrollieren lässt“, sagte sie. „Ich halte das für ein falsches Versprechen.“

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

UN-Nothilfekoordinator: Libanon könnte nächstes Gaza werden

Israels Oppositionsführer zu Euronews: Niemand kann Trump unter Druck setzen

Jede Basis kann Ziel sein: Irans UN-Botschafter schließt Angriffe auf Europa nicht aus