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Die Akte von Adolf Hitler ist online – und mit ihr Millionen NS-Dokumente

Das US-Nationalarchiv hat Millionen Dokumente über frühere NSDAP-Parteimitglieder online gestellt.
Das US-Nationalarchiv hat Millionen Dokumente über frühere NSDAP-Parteimitglieder online gestellt. Copyright  Copyright 2006 AP. All rights reserved.
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Von Franziska Müller
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Wer wenig über seine Vorfahren weiß, kann nun vielleicht im US-Nationalarchiv mehr Informationen zu seinen Großeltern finden. Das Archiv hat Millionen Mitgliedskarten der NSDAP öffentlich zugänglich gemacht.

In einer Umfrage der Universität Bielefeld gab die Hälfte der Befragten an, dass sie davon ausgehen, dass ihre Familienmitglieder nicht zu den "Mitläufern" des NS-Systems gehörten. Doch die dazugehörige MEMO-Studie zeigt auch, dass insbesondere über Täter in der eigenen Familie kaum Informationen weitergegeben wurden.

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Ein Archiv könnte jetzt Details aufdecken. Das US-Nationalarchiv hat Millionen Mitgliedsanträge für die NSDAP oder ihr nahestehende Vereinen online gestellt. Sich durch das Archiv klicken ist kostenlos und kann unter den Karteikarten nach den eigenen Vorfahren suchen.

Laut der MEMO-Studie zeigt die Enkelgeneration vermehrt Interesse daran, die Rolle der Großeltern zu erforschen, da sie mehr emotionalen Abstand hat. Wer seine Familiengeschichte aufarbeiten will, findet in dem US-Archiv Namen, Geburtsdaten, Mitgliedsnummern, Eintrittsdaten und teilweise Portraitfotos von NSDAP-Mitgliedern.

Das Archiv der Mitglieder ist zwar nicht vollständig, die Millionen Einträge bieten allerdings eine weitreichende Liste der Deutschen, die bis 1945 zumindest auf dem Papier hinter den Nationalsozialisten standen.

Warum die Daten von einem US-Archiv veröffentlicht wurden

Das Archiv umfasse etwa 6,6 Millionen Mitgliedskarten für einzelne NSDAP-Mitglieder, heißt es in der Beschreibung der Kartei auf der Website des US-Nationalarchivs. Die Website ist nach Angaben des Instituts derzeit des öfteren wegen vielen Anfragen nicht immer gut erreichbar. 8,5 Millionen Mitglieder hatte die NSDAP bis 1945 insgesamt. Rund ein Fünftel der Daten ist also nicht zugänglich.

Dass der Rest noch bis heute existiert, ist dem Direktor einer Papiermühle in München zu verdanken: Hanns Huber. Kurz vor Kriegsende setzte er sich über den Auftrag der Partei hinweg und versteckte die vielen Tonnen Karteikarten im Altpapier statt sie zu vernichten.

Nach dem Krieg wurden sie von der US-Armee konfisziert und in das Berlin Document Center gebracht. Dieses eigens dafür eröffnete Archiv diente unter anderem der Entnazifizierung durch die Alliierten. Seit den Neunzigerjahren gehören die Dokumente wieder der deutschen Regierung und liegen im Bundesarchiv, Kopien auf Mikrofilm sind allerdings auch bei den Amerikanern verblieben.

Im Bundesarchiv ist eine Auskunft bisher nur nach Anfrage möglich. Denn es gelten noch persönliche Schutzfristen. Diese erlöschen beim Bundesarchiv erst zehn Jahre nach dem Tod einer Person oder 100 Jahre nach ihrer Geburt.

"Ziel des Bundesarchivs ist es, die Kartei insgesamt online zu stellen, wenn die Fristen in den kommenden Jahren ablaufen", heißt es allerdings in einer Pressemitteilung des Archivs zur Mitgliederkartei.

Die jüngsten Parteimitglieder der NSDAP wurden 1928 geboren, um bis 1945 im volljährigen Alter beigetreten zu sein - diese Frist könnte also 2028 erreicht sein. Die Offenlegung vieler der Akten durch das US-Archiv gilt als historisch, insbesondere zu einem Zeitpunkt, an dem Zeitzeugen immer weniger werden.

Akte von Adolf Hitler jetzt online zugänglich

Die Aufzeichnungen dokumentieren größtenteils drei grundlegende Kategorien von Informationen, wie das US-Nationalarchiv beschreibt. Darunter fallen etwa die Mitgliedschaft in der NSDAP, die Mitgliedschaft in bestimmten Berufsverbänden, die von der NSDAP gefördert wurden oder mit ihr verbunden waren, sowie die Aktivitäten des nationalsozialistischen Justizsystems.

Auch Akten zu prominenten Vertretern der Nationalsozialisten, allen voran Adolf Hitler, aber auch Heinrich Himmler und Rudolf Hess sind nun öffentlich zugänglich. Die Daten des Parteibeitritts auf den Karten variieren zwischen 1929 und 1943, doch die meisten scheinen aus dem Zeitraum 1931–1937 zu stammen.

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