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NS-Zeit und Hitler wieder salonfähig? Berlin 1936 Olympia T-Shirt in der Kritik

Umstrittenes T-Shirt der Olympischen Spiele 1936
Umstrittenes T-Shirt der Olympischen Spiele 1936 Copyright  Olympic-Shop Internetseite
Copyright Olympic-Shop Internetseite
Von Kirsten Ripper & Euronews mit Tagesspiegel, Die Zeit
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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In Deutschland sind Symbole aus der Hitlerzeit verboten. Und es gibt einen Aufschrei gegen das "Berlin 1936 Olympia T-Shirt", das vom IOC angeboten wird und vor allem unter Rechtsextremen beliebt sein dürfte.

Im Olympia-Shop im Internet ist das "Men's Natural 1936 Berlin Games Olympic Heritage T-Shirt" ausverkauft. Es wurde dort zum Preis von 39 Euro oder 42 US-Dollar angeboten.

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Doch es hagelt Kritik, denn die Olympischen Spiele 1936 in Berlin sind vor allem als "Nazi Games" bekannt. Und wie der Tagesspiegel in seiner Kritik an dem T-Shirt unterstreicht, "ist davon auszugehen, dass die große Mehrheit der Trägerinnen und Träger mit dem Shirt nicht kritisch auf die Propaganda-Show der Nazis aufmerksam machen will." Das T-Shirt dürfte also unter Neonazis und Rechtsextremen sehr beliebt sein.

Das umstrittene T-Shirt zu Olympia 1936 in Berlin
Das umstrittene T-Shirt zu Olympia 1936 in Berlin Internetseite des Olympic Shop

Die Grünen-Politikerin Klara Schedlich hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu aufgefordert, das T-Shirt nicht mehr zu verkaufen. "IOC, euer Ernst?!" und "Propaganda als Olympia-Merch?", fragt die 26-Jährige.

"Das zeigt, das IOC hat überhaupt kein Geschichtsverständnis", sagt Klara Schedlich, die sich auch sich gegen eine erneute Olympia-Kandidatur von Berlin ausspricht.

Laut der Deutschen Welle zeigt das T-Shirt einen Ausschnitt aus dem Original-Plakat, das Franz Würbel 1936 für Adolf Hitler entwarf.

Werden Nazi-Symbole salonfähig?

In den USA hat Elon Musk den Hitlergruß gezeigt und wiederholt die rechtspopulistische AfD unterstützt. Zudem hat er gefordert, Deutschland müsse die Vergangenheit hinter sich lassen. Auch wegen der Leugnung des Holocaust auf seiner Plattform X ist der Milliardär im April von der französischen Justiz vorgeladen.

Der inzwischen von US-Präsident Donald Trump aus Minnesota wieder abgezogene hochrangige US-Grenzschutz-Beamte Greg Bovino trägt einen Mantel, der viele an die SS-Uniformen der Nazizeit erinnert.

In Deutschland sind NS-Symbole verboten

Thüringens AfD-Parteichef Björn Höcke ist bereits zwei Mal wegen des Gebrauchs einer Nazi-Parole verurteilt worden, doch die Gerichtsentscheidungen gegen den Geschichtslehrer sind noch nicht rechtskräftig. Deshalb darf Höcke auch weiterhin öffentlich auftreten.

In Deutschland sind - auch versteckte - Verweise, die die Nazizeit bewerben, verboten. So darf beispielsweise in Autokennzeichen die Buchstabenfolge SS nicht vorkommen. SS stand im Nationalsozialismus für "Schutzstaffel" und war zunächst Hitlers Leibgarde. Später war sie für die Verfolgung und Ermordung von Juden und Andersdenkenden, die Organisation der Todeslager und für die Verbrechen des Zweiten Weltkriegs verantwortlich.

Das IOC will das umstrittene T-Shirt nicht aus dem Verkehr ziehen: die historische Problematik der NS-Propaganda im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen 1936 in Berlin werde im Olympischen Museum in Lausanne aufgearbeitet. "Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass in Berlin 4.483 Athleten aus 49 Ländern in 149 Wettbewerben um Medaillen kämpften", zitiert die Zeit aus einer IOC-Mitteilung.

Die Olympischen Spiele 1936

Adolf Hitler wollte bei den Olympischen Spielen 1936 nur den deutschen Medaillengewinnern die Hand schütteln. Dagegen verwehrte sich das IOC.

Jesse Owens aus den USA gewann 1936 in Berlin die meisten Medaillen
Jesse Owens aus den USA gewann 1936 in Berlin die meisten Medaillen AP Photo

Die meisten Medaillen gewann 1936 in Berlin der US-Leichtathlet Jesse Owens, der in den Disziplinen 100 Meter, 200 Meter, mit der 4 x 100 Meter Staffel und im Weitsprung Gold holte. Damit widerlegte der damals 22-jährige US-Sportler für alle sichtbar die Rassen-Ideologie der Nazis.

Es ist wichtig, den Holocaust und die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht zu vergessen. Angesichts von immer weniger Zeitzeugen, die vom Horror der NS-Zeit berichten können, wird dies aber schwieriger. Deshalb braucht es die historische Einordnung - auch die der Olympischen Spiele von 1936.

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