Laut einem Medienbericht soll ein Offizier der Bundeswehr geheime Rüstungsinformationen weitergegeben haben. Der Mann wurde demnach inzwischen suspendiert.
Ein Offizier soll mehr als 150 geplante Rüstungskäufe an eine Lobbyistin weitergegeben haben. Das berichtet das Magazin Spiegel. Der Fregattenkapitän soll demnach vom Dienst suspendiert worden sein, er war direkt im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) tätig.
Bei der mutmaßlich weitergeleiteten Liste handelte es sich um geplante Käufe von Waffen und Ausrüstung. Diese sollen in die Hände einer Rüstungslobbyistin gefallen sein, das Dokument wurde im September 2025 durch einen Bericht von Politico öffentlich. Die Liste mit 150 Einträgen soll eigentlich als Verschlussache eingestuft gewesen sein.
Als die Liste bekannt geworden war, soll das Verteidigungsministerium "sofort Ermittlungen eingeleitet und einen BMVg-Angehörigen als Verdächtigen identifiziert" haben, wie eine Sprecherin gegenüber der Zeit gesagt hat. Demnach laufen derzeit strafrechtliche und disziplinarische Ermittlungen. Weitere Details über den Vorfall sind bisher nicht bekannt.
Bei dem Tatverdacht spricht man von Geheimnisverrat. Laut Spiegel ist er in diesem mutmaßlichen Fall als so schwerwiegend eingestuft, dass neben dem Ministerium auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet worden war. Durch einen Beschluss soll dadurch Zugriff auf das private Handy und den Computer des Offiziers erlangt worden sein. Informationen über mögliche Beweise auf diesen Geräten liegen derzeit nicht vor.
Tatverdacht Geheimnisverrat: Staatsanwaltschaft eingeschaltet
Geheimnisverrat wird je nach Art des Geheimnisses unterschiedlich bestraft. Es kann privater, dienstlicher oder betrieblicher Natur sein.
In einem Fall, bei dem interne Informationen durch einen Polizisten an die Öffentlichkeit gelangt sind, musste ein Beamter eine Geldstrafe verbußen. In besonders schwerwiegenden Fällen ist auch eine Suspendierung, Kündigung und Freiheitsstrafe von mehreren Jahren möglich.
Waffenkäufe und Ausrüstung: Liste offenbart Pläne
Im Herbst 2025 veröffentlichte das Medium Politico einen Artikel über "Deutschlands 337 Milliarden Euro teure Militärwunschliste". Der eigentlich geheime Beschaffungsplan diente demnach der Modernisierung der Verteidigung.
Das Nachrichtenportal spricht von einem Dokument mit 39 Seiten. Darin sollen Rüstungsbeschaffungen im Wert von 337 Milliarden Euro aufgelistet werden, verteilt auf die Bereiche Land, Luft, See, Weltraum und Cyberraum.
Besonders brisant ist in über hundert Fällen die Nennung von möglichen Auftragnehmern. Laut Politico sind rund 182 Milliarden Euro an inländische deutsche Unternehmen vergeben worden, als klarer Gewinner wurde Rheinmetall genannt.