Großes NATO-Aufgebot in Deutschland: Im Februar und März werden rund 10.000 Soldaten des Bündnisses in der Bundesrepublik unterwegs sein. Parallel wächst in der Bevölkerung die Sorge um den Zusammenhalt der NATO.
Im Februar und März werden bis zu 10.000 NATO-Soldaten auf deutschem Boden unterwegs sein.
Anlass ist die Übung Steadfast Dart 2026, die jährlich stattfindende NATO-Übung zur schnellen Verlegung und Versorgung der Allied Reaction Force (ARF).
Die ARF-Kräfte - ein kurzfristig einsetzbarer und schnell verlegbarer Einsatzverband - werden in ihren jeweiligen Heimatländern aktiviert und anschließend über See-, Land- und Luftwege nach Deutschland verlegt.
Beteiligt sind Land-, Luft- und Seestreitkräfte sowie Spezialkräfte aus Belgien, Bulgarien, Estland, Italien, Litauen, Spanien, Tschechien, der Türkei und Deutschland.
Insgesamt werden rund 1.500 Fahrzeuge erwartet – vom Lkw bis zur Panzerhaubitze. Luftfahrzeuge und Schiffe sind hier nicht mitgerechnet.
Die Rolle Deutschlands
Deutschland fungiert dabei als sogenannte Host Nation.
Kernauftrag der Bundesrepublik ist es, den reibungslosen Betrieb der sogenannten „Drehscheibe Deutschland“ sicherzustellen.
Denn: Aufgrund seiner zentralen Lage in Europa kommt Deutschland im Bündnis eine Schlüsselrolle bei Truppenverlegungen zu.
Nach NATO-Vorgaben muss Deutschland im Bündnisfall innerhalb von sechs Monaten bis zu 800.000 Soldaten sowie bis zu 200.000 Fahrzeuge während ihres Aufenthalts und Transits versorgen können.
Dazu zählen Unterbringung, Verpflegung, medizinische Versorgung, Betankung, Instandhaltung, sichere Abstellflächen, Konvoibegleitung sowie Bewachung und Absicherung.
Der geografische Schwerpunkt der Übung liegt im Norden Deutschlands, wobei die Häfen Emden und Kiel als Hauptankunftspunkte dienen. In Ostholstein ist eine amphibische Landungsübung geplant, im Raum Munster eine Gefechtsübung.
Die Truppenverlegungen betreffen demnach vor allem Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Hier könnte es mitunter auch zu Verkehrsbeeinträchtigungen kommen.
Sorge um die Stabilität der NATO
In den letzten Wochen wurde verstärkt über den Zustand und die Stabilität der NATO diskutiert. Auslöser sind unter anderem Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu Grönland und Drohungen aus den USA, die arktische Insel notfalls auch mit militärischer Gewalt zu annektieren.
In Deutschland überwiegt bei diesem Thema derzeit die Skepsis. So gehen laut einer Umfrage im Rahmen des ZDF-Politbarometers 78 Prozent der Befragten davon aus, dass Trumps Politik den Fortbestand der NATO gefährdet. Lediglich 18 Prozent teilen diese Einschätzung nicht. Zustimmung oder Ablehnung finden sich parteiübergreifend.
Deutlich weniger besorgt ist man derweil im Baltikum: Der lettische Verteidigungsminister Andris Sprūds wies Befürchtungen über eine Destabilisierung des Bündnisses jüngst zurück.
„Das ist ganz sicher nicht das Ende des Bündnisses“, so Sprūds am Freitag in der Euronews-Morgensendung Europe Today. Man solle die Lage nicht überdramatisieren. Die NATO habe in ihrer Geschichte immer wieder interne Konflikte bewältigt, ohne dass die gemeinsame Verteidigung infrage gestellt worden sei.
Sprūds verwies in diesem Zusammenhang auf laufende Gespräche, insbesondere zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark. Dialoge und Debatten gehörten zum Bündnis, sagte er. Als Beispiel nannte er frühere Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei.
Die Bedeutung der kollektiven Verteidigung sei allen zudem Mitgliedern bewusst, betonte Sprūds. Davon profitierten sowohl Europa als auch die Vereinigten Staaten.