Russlands Auslandsgeheimdienst SVR erhebt erneut schwere Vorwürfe: Die EU plane heimlich den Aufbau eigener Atomwaffen – und deutsche Spezialisten könnten binnen Wochen waffenfähiges Plutonium herstellen.
Russlands Auslandsgeheimdienst SVR hat am 8. April 2026 eine offizielle Erklärung veröffentlicht, in der er der Europäischen Union und mehreren ihrer Mitgliedstaaten vorwirft, im Verborgenen die Grundlagen für eine eigene Atomwaffenproduktion zu legen. Die SVR bezeichnet das Vorgehen als "gefährlichen Weg, der unweigerlich zur Untergrabung der globalen Sicherheitsarchitektur und des internationalen Systems zur Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen führt" – angeblich um eine "mythische russische Bedrohung" abzuschrecken.
In der Erklärung heißt es übersetzt: Die Führung der EU und einiger ihrer führenden Länder habe "den Boden ihrer eigenen Wahnvorstellungen und politischen Verantwortungslosigkeit erneut durchbrochen, ausgelöst durch pathologische Russophobie." EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und ihre "Komplizen" seien nicht mehr damit zufrieden, "Brandstifter des Ukraine-Konflikts" zu spielen – sie träumten, so die SVR, von der "unheilvollen Berühmtheit der Anführer Hitlerdeutschlands, die den Zweiten Weltkrieg entfesselt haben."
Deutschland im Visier: Plutonium in einem Monat?
Besonders konkret werden die Anschuldigungen gegen Deutschland. Laut SVR seien deutsche Fachleute in der Lage, "innerhalb von etwa einem Monat verdeckt eine für ein nukleares Sprenggerät ausreichende Menge waffenfähigen Plutoniums" in den Forschungslaboren in Karlsruhe, Dresden, Erlangen und Jülich zu gewinnen. Innerhalb einer Woche sei zudem die Herstellung waffenfähigen Urans in der Anreicherungsanlage im westfälischen Gronau möglich, so der russische Geheimdienst weiter.
Neben Deutschland nennt die SVR-Erklärung auch Italien, Tschechien, Belgien, die Niederlande, Schweden und Spanien als Länder, die bereits über "bedeutende Kompetenzen bei der Herstellung einzelner Atomwaffenkomponenten" verfügten. Auf deren Territorien lagere zudem große Mengen abgebrannten Kernbrennstoffs aus stillgelegten Reaktorblöcken – dieses Material könne, so der SVR, "unbefugt aus den Lagerstätten entnommen werden, um Plutonium für eine Atombombe zu gewinnen."
Der angebliche Masterplan Brüssels
In einer ersten Phase soll die EU nach den Vorstellungen Russlands ihre atomaren Vorbereitungen "im maximal geschlossenen Modus" betreiben und nach außen hin demonstrativ am "nuklearen Schirm der USA" festhalten – um Zeit zu gewinnen und die eigene Bevölkerung auf die politische Entscheidung zur Atomrüstung vorzubereiten. In einer zweiten Phase sollen Großbritannien und Frankreich ihre Nukleardoktrinen enger koordinieren, bevor eine "gesamteuropäische Nuklearabschreckungsdoktrin" offiziell verankert wird – gestützt auf die militärisch-technischen Kapazitäten Londons und Paris sowie die "finanziellen und infrastrukturellen Beiträge der nicht-nuklearen EU-Staaten."
Die SVR-Erklärung endet mit einem ungewöhnlichen Appell direkt an die US-Regierung und "alle anderen Länder der Welt", alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die EU von der Entwicklung eigener Atomwaffen abzuhalten.
Russische Staatsmedien verstärken die Botschaft
Wenig überraschend griff die staatliche russische Nachrichtenagentur TASS die Vorwürfe einen Tag später umgehend auf. Militäranalyst Alexander Stepanov vom Institut für Recht und nationale Sicherheit der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst beim Präsidenten der Russischen Föderation (RANEPA) erklärte gegenüber TASS, europäische NATO-Mitglieder strebten zunehmend nach nuklearen Fähigkeiten unabhängig von den USA. Er verwies auf die "Dezentralisierung der nuklearen Waffenoperateure" innerhalb der EU als Kernproblem und bezeichnete die Situation als Hinweis auf "einen breiteren gesamteuropäischen verdeckten Versuch, eine autonome militärische Nuklearkapazität aufzubauen."
Stepanov spekulierte zudem, die USA könnten im Zuge dieser Entwicklung einige ihrer Atomwaffen auch an Verbündete in der Asien-Pazifik-Region – darunter Südkorea und Japan – weitergeben.
Ein Muster mit Methode
Unbelegte Atomanschuldigungen gegen westliche Staaten gehören zu Moskaus bewährter Strategie. Bereits im Februar 2026 hatte der SVR behauptet, Frankreich und Großbritannien planten, die Ukraine mit Atomwaffen auszurüsten – Vorwürfe, die Paris und London umgehend zurückwiesen und für die es keinerlei Beweise gab. Kremlnahe Accounts in sozialen Netzwerken sorgten seinerzeit für die rasche Verbreitung der Behauptungen; Experten wie der Analyst Denis Cenusa beobachteten, dass Moskau solche Desinformationskampagnen gezielt rund um symbolisch aufgeladene Daten lanciert, um Aufmerksamkeit umzulenken und die Realität zu verzerren.
Hinter diesem Muster steckt nach Einschätzung von Fachleuten eine doppelte Logik: Einerseits soll der Westen destabilisiert werden, indem Misstrauen gesät und öffentliche Debatten vergiftet werden. Andererseits dienen die Anschuldigungen dazu, Russlands eigenes nukleares Drohpotenzial zu legitimieren und die eigene Bevölkerung in einem Bild einzumauern, das Russland von "Feinden umzingelt" zeigt.
Laut einer Umfrage des unabhängigen Lewada-Zentrums für die Deutsche Sacharow-Gesellschaft sehen mittlerweile mehr als 60 Prozent der Russen Deutschland als feindliches Land – ein Wert, der seit Kriegsbeginn 2022 stark angestiegen ist und den Erfolg dieser Propaganda widerspiegelt. Besonders hoch ist die Feindseligkeit gegenüber Deutschland unter Befragten, die dem staatlichen Fernsehen als Informationsquelle vertrauen (69 Prozent).
Nuklearer Alarmismus in einem gefährlicheren Umfeld
Die russischen Propagandanarrative fallen in eine Zeit, in der die reale nukleare Bedrohung weltweit tatsächlich wächst – unabhängig von Moskaus Narrativ. Laut dem im März 2026 veröffentlichten "Nuclear Weapons Ban Monitor" der Federation of American Scientists (FAS) und Norwegian People's Aid (NPA) haben nahezu alle neun Atommächte damit begonnen, ihre Arsenale aufzustocken. Die Zahl der schnell einsatzbereiten Sprengköpfe ist demnach auf 9.745 gestiegen – 141 mehr als noch 2024. "Die Ära der nuklearen Reduzierung ist vorbei", warnte FAS-Direktor Hans Kristensen.
Gleichzeitig ist mit dem Auslaufen des New-START-Vertrags – des letzten verbliebenen nuklearen Rüstungskontrollabkommens zwischen Russland und den USA – die wichtigste institutionelle Bremse weggefallen. Die beiden Großmächte besitzen zusammen etwa 90 Prozent aller Atomwaffen weltweit.