Neue Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeigen einen klaren Anstieg von Übergriffen auf Lehrer. Politik und Verbände fordern Konsequenzen von besseren Schutzkonzepten bis hin zu mehr Prävention.
Die Gewalt gegen Lehrkräfte hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugenommen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) hervor, die der Deutschen Presseagentur (dpa) vorliegt. Die Daten sind Teil einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion zur Sicherheit im öffentlichen Dienst.
Demnach wurden im Jahr 2024 insgesamt 1.283 Fälle registriert, in denen Lehrkräfte Opfer vorsätzlicher einfacher Körperverletzung wurden. In den Jahren 2015 bis 2023 lag die Zahl jährlich zwischen 717 und 1.017 Fällen.
Auch schwerere Delikte haben zugenommen. Während die Polizei 2015 bundesweit 268 Fälle von Gewaltkriminalität gegen Lehrkräfte erfasste, waren es 2023 bereits 477 Fälle und 2024 schließlich 557.
Zur Kategorie Gewaltkriminalität zählen unter anderem Raub, schwere und gefährliche Körperverletzung sowie schwere Formen sexualisierter Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten.
Erfasst werden dabei ausschließlich Straftaten, bei denen ein direkter Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit der Lehrkräfte besteht.
Lehrerverband: "Müssen handeln"
Angesichts dieser steigender Gewaltzahlen fordern Politik und Verbände entschlossenere Maßnahmen.
Der Grünen-Innenpolitiker Marcel Emmerich warnt vor weiterem Zögern und verlangt konkrete Schutzkonzepte, die sich an den jeweiligen Berufsgruppen orientieren. Zudem brauche es klare, einheitliche Abläufe im Umgang mit Übergriffen und bessere technische Ausstattung, etwa durch Alarmsysteme.
Für Stefan Düll vom Deutschen Lehrerverband ist die Lage ein Beleg dafür, dass Prävention und Schutz bislang zu kurz gegriffen haben. Bloße Betroffenheitsbekundungen seien nun nicht mehr ausreichend.
"Wir brauchen Prävention, Intervention und Nachsorge", so der Verbandsvorsitzende in einer Pressemitteilung.
Düll verweist darüber hinaus auch auf tieferliegende Ursachen. Die Gewalt an Schulen sei Teil einer breiteren gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr Aggressivität. Um gegenzusteuern, müsse auch die Rolle von Eltern, Politik und Öffentlichkeit stärker in den Fokus rücken.
"Gerade Eltern, Influencer, Politikerinnen und Politiker sowie andere öffentliche Persönlichkeiten tragen eine besondere Verantwortung. Unser Maßstab muss sein: Würden wir ein solches Verhalten akzeptieren, wenn es alle zeigen würden?", so Düll.