Wirtschaftsministerin Katherina Reiche steht wie kaum ein anderes Mitglied im Kabinett von Kanzler Friedrich Merz im Kreuzfeuer der Kritik. Grünen-Politiker Timon Dzienus schlägt jetzt im Video mit einem Hammer auf Reiches Pläne ein. Ist das noch OK oder geht der 29-Jährige zu weit?
Auf Instagram hat der Grünen-Politiker Timon Dzenius zwar nur 7.514 Follower, doch einige seiner Videos erreichen Hunderttausende Klicks. Den Clip mit dem Titel "POV: Katherina Reiche. Schlechteste Wirtschaftsministerin aller Zeiten." haben sich mehr als 146.000 User und Userinnen angeschaut. Darin tritt der 29-jährige Abgeordnete mit einem Hammer auf und brüllt hysterisch: "Ah, Wind, ich hasse Wind. Ich will Erdgas. E-Autos, ich hasse E-Autos. Sonne, Solar, überall Solar, ich hasse Solar."
An seinem Video scheiden sich die Geister. In den Kommentaren schreibt ein Internet-Nutzer: "Alter, du bist Abgeordneter. Kannst dich nicht auch so benehmen?" Und ein anderer lacht: "Da hat der Bub zum ersten Mal Werkzeug in der Hand 😅"
Doch ein weiterer User schreibt mit Verweis auf die Politik von Katherina Reiche: "Wenn man nicht lachen kann, obwohl es verdammt lustig ist, aber leider zu nah an der Realität ist."
Journalist Marc Felix Serrao nennt Dzienus im TV-Sender WELT "Verlierer des Tages" und beschreibt ihn als "infantilen Schreihals". Der ehemalige Chef der grünen Jugend habe, so Serrao, abermals die Chance verschenkt, "sich von seinem alten Ruf zu lösen und ein würdiger Vertreter des Volkes im Bundestag zu werden".
Katherina Reiche war selbst Lobbyistin
Tatsächlich hat die Wirtschaftsministerin mit ihren Vorschlägen und wegen mangelnder Reformen in Richtung erneuerbare Energien aber nicht nur die Grünen gegen sich aufgebracht. Zuletzt gab es vermehrt Vorwürfe gegen Reiche, sie vertrete vor allem die Interessen der Gaslobby. Die Ministerin, die bis 2025 beim Gasnetzwerkbetreiber Westenergie beschäftigt war, will die Gaskraftwerke in Deutschland ausbauen - und erntet dafür Kritik und Protest.
Kritik gegen Katherina Reiche aus den eigenen Reihen
In den vergangenen Wochen ist die Wirtschaftsministerin mehrmals mit Finanzminister Lars Klingbeil von der SPD aneinandergeraten. Während eines Treffens mit Wirtschaftsvertretern, zu dem Klingbeil auch Reiche eingeladen hatte, kritisierte die CDU-Ministerin in einem eigenen Statement den Koalitionspartner. Sie bezeichnete die SPD-Vorschläge in der Energiekrise als "teuer, wirkungsschwach und verfassungsrechtlich fragwürdig". Eine Übergewinnsteuer, wie sie Klingbeil anstrebt, lehnt die Wirtschaftsministerin kategorisch ab.
Der CDU-Sozialflügel warf Reiche vor, sie habe den Kontakt zur Lebenswirklichkeit der Menschen verloren. Einige bezichtigen die 52-Jährige, sie strebe eine Annäherung der CDU an die AfD an.
Erst vor kurzem hatte Reiner Haseloff sehr angefasst in der Talkshow von Markus Lanz deutlich gemacht, wie enttäuscht er war, dass Merz nicht ihn zum Wirtschaftsminister ernannt hatte. Nach fast 15 Jahren als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt hatte der 72-jährige Haseloff Ende Januar sein Amt für seinen Nachfolger Sven Schulze außer planmäßig frei gemacht - vor allem um Schulze gegen die in den Umfragen führende AfD bei den Landtagswahlen im September einen Amtsbonus zu verschaffen.