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Solar und Wind überholen Kohle: Energiekrise durch Iran-Krieg belebt Fossilenergie nicht

Nebel liegt über dem Dorf Stetten in Deutschland am Dienstag, 19. März 2024; im Hintergrund ragt eine Windenergieanlage auf.
Nebel liegt über dem Dorf Stetten in Deutschland, aufgenommen am Dienstag, 19. März 2024; im Hintergrund ragt eine Windkraftanlage auf. Copyright  AP Photo/Michael Probst
Copyright AP Photo/Michael Probst
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am
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Energiekrise durch Iran-Krieg: Daten widerlegen Sorge vor Comeback der Kohle in Europa.

Die befürchtete „Renaissance der Kohle“ infolge der Energiekrise durch den Iran-Krieg ist ausgeblieben, wie ein Bericht (Quelle auf Englisch) des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) zeigt.

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CREA hat Länder ausgewertet, die Stromdaten nahezu in Echtzeit veröffentlichen. Demnach blieb die weltweite Stromerzeugung aus Kohle im März insgesamt stabil. Außerhalb Chinas sank sie um drei Komma fünf Prozent. In China legte sie wegen Brennstoffwechseln von Gas zu Kohle leicht um zwei Prozent zu.

Die per Schiff transportierten Kohlemengen gingen zugleich weltweit um drei Prozent zurück. Sie lagen damit so niedrig wie seit 2021, dem Höhepunkt der Covid-Pandemie, nicht mehr.

Die gesamte Stromproduktion aus fossilen Brennstoffen lag um ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Gaskraftwerke verzeichneten sogar ein Minus von vier Prozent.

Die Analyse umfasst die größten Strommärkte der Welt – darunter China, die USA, die EU und Indien. Diese Märkte stehen zusammen für rund 87 Prozent der weltweiten Kohlestromerzeugung und für mehr als 60 Prozent des mit Gas erzeugten Stroms.

Erneuerbare federn Energiekrise ab

Das geschieht trotz einer schweren globalen Energiekrise infolge der Blockade der Straße von Hormus.

Die Blockade der zentralen Schifffahrtsroute für Öl und Gas stört die Brennstoffversorgung und lässt die Preise in die Höhe schießen. Erneuerbare Energien mildern die Folgen deutlich – allein die Solarenergie ersparte Europa im März Importkosten von drei Milliarden Euro.

Die Stromerzeugung aus Photovoltaik stieg im vergangenen Monat um rund vierzehn Prozent. Die Windkraft legte in den untersuchten Ländern um etwa acht Prozent zu.

Vor der Schließung lief fast ein Fünftel der weltweiten Transporte von Flüssigerdgas (LNG) durch die Straße von Hormus. Nach Berechnungen von CREA reicht diese Menge aus, um so viel Strom zu erzeugen wie Frankreichs jährlicher Stromverbrauch.

Doch die allein im Jahr 2025 weltweit neu installierte Solar- und Windkraftleistung gleicht diesen Ausfall laut CREA gleich doppelt aus.

Warum bleibt die Kohle-Renaissance aus?

Ähnliche Vorhersagen eines „Comebacks der Kohle“ gab es bereits, als Russlands Gasexporte nach Europa nach dem Großangriff auf die Ukraine einbrachen.

Anfangs schien sich diese Prognose zu bewahrheiten. Langfristig beschleunigte die Krise jedoch den Ausbau sauberer Energien. Europas Kohleverbrauch und CO2-Emissionen erreichten 2023 laut CREA ein Rekordtief.

Nach der faktischen Schließung der Straße von Hormus ging die Stromerzeugung aus Kohle im März laut CREA besonders stark in den USA, in Indien, in der EU, in der Türkei und in Südafrika zurück. Ein Hauptgrund: Kohlekraftwerke waren schon vor der Krise im Betrieb günstiger als Gaskraftwerke. Die verbliebenen Anlagen liefen daher bereits auf hoher Auslastung, zusätzliche Reserven zum Hochfahren gab es kaum.

Einige Staaten haben zwar angekündigt, Kohlekraftwerke wieder hochzufahren, Stilllegungen zu verschieben oder die Nutzung zu erhöhen, um auf die Versorgungskrise zu reagieren. Doch der schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung in vielen Ländern erschwert es, die Produktion rasch auszuweiten. Tatsächlich nahmen im März laut CREA weltweit keine stillgelegten Kohlekraftwerke den Betrieb wieder auf, und kein einziges Werk erhielt Aufschub bei der Abschaltung.

Auch wirtschaftlich verliert die Kohle an Boden. Die Energiekrise treibt die Transportkosten nach oben, Kohlestrom wird damit teurer als das Erzeugen und Speichern von Energie aus erneuerbaren Quellen, argumentiert CREA.

Europa reagiert bereits. Frankreich und das Vereinigte Königreich gehören zu den Ländern, die Elektrifizierung, Wärmepumpen und Solarenergie forcieren, um die Abhängigkeit von importierten Brennstoffen zu verringern. Ähnliche Schritte weltweit zeigen: Energiesicherheit hängt immer stärker an erneuerbaren Quellen und immer weniger an fossilen.

Vor diesem Hintergrund treffen sich Regierungsvertreter vom 24. bis zum 29. April in Santa Marta in Kolumbien. Auf der ersten Internationalen Konferenz für einen gerechten Ausstieg aus fossilen Brennstoffen beraten sie darüber, wie der Abschied von Öl, Gas und Kohle gelingen kann.

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