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Europas größter Truppenübungsplatz: NATO, Nazi-Erbe und Öko-Paradies

Eine Haubitze 2000 der Bundeswehr am 10. Mai 2022 in Munster
Eine Haubitze 2000 der Bundeswehr am 10. Mai 2022 in Munster Copyright  Philipp Schulze/dpa via AP
Copyright Philipp Schulze/dpa via AP
Von Johanna Urbancik
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NATO-Panzer, Nazi-Geschichte und seltene Arten: In Bergen-Hohne zwischen Bremen und Hannover treffen militärische Schlagkraft, dunkles Erbe und geschützte Natur aufeinander – dem größten Truppenübungsplatz Europas, so groß wie 35.000 Fußballfelder.

Die NATO übt ihre Verteidigung gegen einen ebenbürtigen Gegner – und einer der zentralen Schauplätze liegt in Niedersachsen. Auf Europas größten Truppenübungsplatz Bergen-Hohne zwischen Bremen und Hannover trainierte die schnelle Eingreiftruppe der Allianz, die Allied Reaction Force (ARF), im Februar dieses Jahres den Ernstfall. Mehr als 300 Soldaten aus vier Nationen waren beteiligt.

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Das Ganze war Teil der Großübung "Steadfast Dart 2026", bei der Tausende Soldaten die schnelle Verlegung quer durch Europa und den Gefechtseinsatz vor Ort geprobt. haben Die ARF gilt dabei als militärische "Speerspitze" der NATO und soll mit Kräften aus Land-, Luft-, See-, Cyber- und Weltraumoperationen innerhalb weniger Tage einsatzbereit sein.

Soldaten nehmen am 19. Februar 2026 an NATO-geführten Militärübungen auf einem Militärstützpunkt in der Nähe von Bergen teil
Soldaten nehmen am 19. Februar 2026 an NATO-geführten Militärübungen auf einem Militärstützpunkt in der Nähe von Bergen teil AP Photo/Virginia Mayo

Gefechtstraining und Besichtigungstouren

Auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne in Niedersachsen haben im Rahmen dieser Übung multinationale Einheiten unter realistischen Bedingungen den Kampf im Verbund trainiert. Ziel war es, die Zusammenarbeit der NATO-Streitkräfte im Ernstfall zu testen – von Bodentruppen bis zur Luftunterstützung.

Der Übungsplatz selbst gehört mit rund 24.900 Hektar zu den größten Europas und wird bis heute regelmäßig für internationale Manöver genutzt. 24.900 Hektar entspricht fast 35.000 Fußballfeldern.

Die Stadt Munster liegt direkt am Rand des Übungsplatzes und gilt als einer der wichtigsten Bundeswehrstandorte in Deutschland. Von hier aus werden auch Einblicke in das Gelände organisiert. Tatsächlich ist ein Teil des militärischen Sperrgebiets für die Öffentlichkeit zugänglich – allerdings nur kontrolliert: Besucher können für 35€ pro Person (Mindestalter 14 Jahre) geführte Touren über den Truppenübungsplatz buchen. Bei der dreistündigen Besichtigung, deren Termine bis August bereits ausgebucht sind, erlauben "sachkundige Führer 'einen Blick hinter den Zaun', in Bereiche, die einem sonst verwehrt bleiben", heißt es auf der städtischen Tourismuswebseite.

Gleichzeitig bleibt der Platz ein aktiver Gefechtsraum. Schieß- und Übungszeiten sind streng geregelt und werden im Voraus festgelegt – in diesen Zeitfenstern ist das Betreten des Geländes aus Sicherheitsgründen untersagt. Denn hier trainieren deutsche und multinationale Einheiten unter realistischen Bedingungen den Kampf im Verbund.

Ein Puma-Schützenpanzer während der Übung "National Guardian" auf dem Truppenübungsplatzes Münster, 18. April 2024
Ein Puma-Schützenpanzer während der Übung "National Guardian" auf dem Truppenübungsplatzes Münster, 18. April 2024 Philipp Schulze/dpa via AP

Heute Truppenübungsplatz, in der Nazi-Zeit Lager in dem Anne Frank ermordet wurde

Das Gelände hat eine Geschichte, die bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurückreicht. Bereits ab den 1930er-Jahren wurde die Region militärisch genutzt und stark ausgebaut. In unmittelbarer Nähe entstand zudem das Konzentrationslager Bergen-Belsen, das zunächst als Kriegsgefangenenlager diente und später zu einem der größten Konzentrationslager wurde. Das jüdische Mädchen Anne Frank wurde hier ermordet, ihr Tagebuch wurde zu einem Weltbestseller.

Der Gedenkstätte Bergen-Belsen zufolge sind von den 120.000 Menschen, die als Häftlinge im Konzentrationslager Bergen-Belsen waren, mindestens 52.000 getötet worden. Im April 1945 wurde das Lager dann von britischen Truppen befreit, die das Gelände dann nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen haben und 1946 den heutigen Truppenübungsplatz Bergen-Hohne einrichteten. Über Jahrzehnte blieb er ein zentraler Standort der britischen Rheinarmee, wie die britischen Besatzungstruppen in Deutschland offiziell genannten wurden, und wurde für Übungen im Rahmen der NATO genutzt.

Mit dem Ende des Kalten Krieges ging die Nutzung durch britische Truppen schrittweise zurück, der Platz blieb jedoch einer der wichtigsten Übungsräume für multinationale Verbände in Europa. Heute wird er vor allem von der Bundeswehr genutzt, steht aber weiterhin NATO-Partnern für Großübungen zur Verfügung.

Soldaten am 19. Februar 2026 bei einer NATO-Übung
Soldaten am 19. Februar 2026 bei einer NATO-Übung AP Photo/Virginia Mayo

Europas größter Truppenübungsplatz ist auch Naturrefugium

Doch der Übungsplatz ist nicht nur militärischer Trainingsraum, sondern zugleich ein ökologisch besonders wertvolles Gebiet. Im Norden dominieren Waldflächen, im Süden finden sich offene Heidegebiete. Dazwischen liegen Moore und Feuchtgebiete, die von kleinen Fließgewässern und Teichen durchzogen sind.

Im Zentrum des Truppenübungsplatzes befinden sich zudem die "Sieben Steinhäuser", eine Gruppe prähistorischer Großsteingräber, die das "wohl bedeutendste archäologische Denkmal der Lüneburger Heide" genannt werden.

Das Gebiet hat jedoch wegen ihrer Heideflächen, Moore und Wälder eine hohe ökologische Bedeutung, in dem Lebensräume für bedrohte Arten, wie zum Beispiel das Birkhuhn, geboten werden. Zusammen mit angrenzenden Flächen in der Lüneburger Heide lebt hier die größte zusammenhängende Birkhuhn-Population im mitteleuropäischen Tiefland. Aber auch für größere Wildtiere ist das Gebiet Rückzugsraum: Seit einigen Jahren leben wieder Wölfe auf dem Gelände – abgeschirmt vom Alltag, mitten auf dem wichtigsten und größten militärischen Übungsgeländes Europas.

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