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Extreme Hitze erreicht Europas nördlichste Städte: Bürgermeister suchen Lösungen

Touristen flüchten vor der Sonne und suchen vor dem Eingang zur Akropolis in Athen Schatten; Hitzewelle am neunten Juli 2025.
Touristen suchen vor dem Eingang zur Akropolis in Athen Schatten; eine Hitzewelle trifft die Stadt am Mittwoch, dem neunten Juli 2025. Copyright  AP Photo/Petros Giannakouris
Copyright AP Photo/Petros Giannakouris
Von Angela Symons
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Von Athen bis Oulu schließen sich Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Europa einem Bündnis von 50 Städten an, um Bürger besser vor extremer Hitze zu schützen.

Im vergangenen Juli stellte Antalya an der Türkischen Riviera einen Rekord auf: Die Temperaturen kletterten über glühende 46°C. Die Mittelmeerstadt mit mehr als 2,6 Millionen Menschen und weiteren Millionen Touristinnen und Touristen im Sommer war Hitze seit Langem gewohnt.

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Doch etwas hatte sich verändert.

„In den vergangenen Jahren hat sich die Hitze verändert: Hitzewellen, die länger dauern, intensiver sind und häufiger auftreten. Sie bringen unsere Bewohnerinnen und Bewohner, die Menschen, die im Freien arbeiten, unsere Gesundheitsdienste und die Millionen Besucherinnen und Besucher, die wir jedes Jahr empfangen, an ihre Grenzen“, sagt Melike Kireçcibaşı, Leiterin der Abteilung für Klimawandel und Null-Abfall in Antalya.

Antalya steht damit nicht allein. Extreme Hitze ist inzwischen die tödlichste Klimagefahr der Welt und fordert jedes Jahr fast 500.000 Menschenleben.

Europas Hitzewelle im Mai – in Frankreich lagen die Temperaturen 10 bis 15 Grad über dem üblichen Wert, brachen sämtliche Frühlingsrekorde und führten europaweit zu Todesfällen – wurde vom UN-Klimachef Simon Stiell als „brutale Erinnerung an die sich zuspitzenden Folgen der Klimakrise“ beschrieben.

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) warnt, dass sich derzeit ein möglicherweise starkes El Niño-Ereignis entwickelt. Es dürfte die ohnehin steigenden Temperaturen in diesem Sommer in Europa und darüber hinaus weiter anheizen. Der Druck auf die Städte zu handeln war noch nie so groß.

Zum heutigen Weltumwelttag am 5. Juni schließen sich mehr als 50 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister – von Athen über Oulu bis Yangzhou – zusammen. Das neue „50@50“-Programm des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) bringt Städte zusammen, um erprobte Lösungen zu teilen, ihre Systeme gegen künftige Hitzeszenarien zu testen und Maßnahmen zu beschleunigen, bevor die nächste Hitzewelle zuschlägt.

Extreme Hitze verändert schon heute den Alltag in Städten auf der ganzen Welt“, sagt Inger Andersen, Exekutivdirektorin des UNEP. „50@50 hilft lokalen Verantwortungsträgern, schneller zu handeln, indem praktische Lösungen geteilt werden, die Menschen schützen, Ungleichheit verringern und die Widerstandskraft der Städte stärken.“

Hitze kartieren, gezielt handeln

Angespornt durch die steigenden Temperaturen hat Antalya das EU-unterstützte Projekt CLIMAAX-MUHIR gestartet. Es bewertet das Hitzerisiko für die gesamte Provinz und modelliert aktuelle und künftige Gefahren.

„Die Ergebnisse waren ernüchternd“, sagt Kireçcibaşı im Gespräch mit Euronews Earth. „Unsere Klimaprojektionen zeigen, dass Hitzewellen unter einem Szenario mit hohen Emissionen stark zunehmen; in einigen Bezirken könnte sich die Hitzewellen-Häufigkeit bis zur Mitte und gegen Ende des Jahrhunderts vervielfachen.“

Das Projekt kartierte auch, wo besonders verletzliche Bevölkerungsgruppen und extreme Hitze zusammentreffen – mit deutlichen Ergebnissen. Dicht bebaute Gebiete machen nur 2,56 Prozent der Fläche Antalyas aus, dort leben aber rund 56 Prozent der Bevölkerung. Die Hitzebrennpunkte der Stadt decken sich fast vollständig mit den Wohngebieten. „Das zeigt uns, wo wir zuerst handeln müssen“, sagt Kireçcibaşı.

Auf Basis dieser Erkenntnisse hat Antalya einen Hitzeaktionsplan entwickelt. Er bündelt Investitionen in Kühlinfrastruktur, Schattenplätze, Grünflächen, Frühwarnsysteme und Gesundheitsangebote in den Stadtvierteln, die sie am dringendsten brauchen.

ARCHIV - Eine Touristin hält einen Regenschirm, um sich während einer Hitzewelle am 25. Juli 2025 in Athen vor der Sonne zu schützen.
ARCHIV - Eine Touristin hält einen Regenschirm, um sich während einer Hitzewelle am 25. Juli 2025 in Athen vor der Sonne zu schützen. AP Photo/Petros Giannakouris, File

Die verwundbarsten Viertel neu gestalten

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Athen, ebenfalls Teil von 50@50. Ein „Urban Heat Atlas“ zeigt dort, wo Hitzebelastung und soziale Verwundbarkeit zusammenfallen. Das Programm treibt die Neugestaltung von Elaionas voran, einem der thermisch am stärksten belasteten Stadtteile. Dort entsteht ein neuer Metropolpark mit 215.000 Quadratmetern Fläche.

Athen hat sich verpflichtet, jedes Jahr 5.000 Bäume zu pflanzen. Seit 2024 sind bereits mehr als 12.400 Bäume in die Erde gekommen. Über die digitale Plattform „Athens Trees“ lässt sich der Fortschritt in Echtzeit verfolgen – das soll Vertrauen schaffen und die Bevölkerung einbinden.

„Zusammen mit Schulgärten, Mikro-Wäldern, Nachbarschaftsparks und kühlenden Elementen im öffentlichen Raum helfen diese Maßnahmen, eine kühlere und gesündere Stadtlandschaft zu schaffen“, sagt Elissaios Sarmas, Geschäftsführer von Develop Athens.

Beide Städte hoffen, dass ihre Methoden zur Kartierung von Hitze-Hotspots zu den am leichtesten übertragbaren Beiträgen im 50@50-Netzwerk gehören.

Dieses Teilen von Wissen ist das Herzstück der Initiative. Aufbauend auf ihrer eigenen 50°C-Simulation – einem Stresstest, bei dem die Stadt ihre Systeme für Temperaturen prüfte, die sie noch nicht erlebt hat, von denen Forschende aber ausgehen – hilft Paris nun, dieses Modell auf das gesamte Netzwerk auszuweiten.

„Extreme Hitze entwickelt sich zu einer der zentralen Herausforderungen für Städte weltweit“, sagt Emmanuel Grégoire, Bürgermeister von Paris. „Städte müssen gemeinsam handeln, um sich auf extreme Hitze vorzubereiten und ihre Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen. Zusammenarbeit ist unser stärkstes Instrument.“

In den kommenden zwölf Monaten werden etwa ein Dutzend Städte eigene Stresstests zur extremen Hitze durchführen – mit Unterstützung von UNEP, dem Städtenetzwerk C40 und der Stadt Paris.

Rund 20 Prozent der Wege in Oulu werden dank umfangreicher Investitionen in die Radinfrastruktur mit dem Fahrrad zurückgelegt.
Rund 20 Prozent der Wege in Oulu werden dank umfangreicher Investitionen in die Radinfrastruktur mit dem Fahrrad zurückgelegt. Canva

Hitze trifft vom Mittelmeer bis zum Polarkreis

Vielleicht am deutlichsten zeigt eine Stadt nahe der Spitze der Welt, wie weit sich das Problem extremer Hitze bereits ausgebreitet hat. Oulu, die nördlichste Großstadt der EU in Finnland, liegt nahe dem Polarkreis – und ist dennoch Teil von 50@50 geworden.

Im vergangenen Jahr erlebte Finnland eine „wirklich beispiellose“ Hitzewelle: drei Wochen in Folge mit Temperaturen um 30°C. Eine Eisbahn im Norden des Landes öffnete für Menschen, die Schutz vor der Hitze suchten, während die örtlichen Krankenhäuser überlastet waren. Zugleich wuchsen die Sorgen um das Wohlergehen der Rentiere, die zu überhitzen drohten.

„Die Wärmeinseln der Städte beginnen sich zu bilden und machen urbane Räume unangenehm“, sagt Stadtarchitektin Sanna Pääkkönen. Die Herausforderung verschärft sich, weil die finnische Stadt ursprünglich für ein ganz anderes Klima gebaut wurde.

„Die meisten unserer Wohnungen, Schulen, Kitas und Arbeitsplätze sind für kalte Winter ausgelegt – und nun werden sie im Sommer zu heiß“, erklärt Pääkkönen.

Über die Hitze hinaus muss Oulus Klimafahrplan auch mit häufigeren Überschwemmungen und Stürmen umgehen sowie mit den Schäden, die veränderte Frost-Tau-Zyklen an Gebäuden und Infrastruktur verursachen, die auf dauerhaft gefrorenen Boden ausgelegt sind.

Stadtplanerinnen und Stadtplaner berücksichtigen bei neuen Projekten inzwischen Sonnenstand, Wärme und Verschattung. Gleichzeitig investieren sie in Rad- und Fußwegenetze, um Autoverkehr und damit jene Emissionen zu verringern, die die Temperaturen steigen lassen, an die sich die Stadt nun anpassen muss.

Der rote Faden, der Antalyas Hitzekarten, die neuen Parks in Athen und die überarbeiteten Planungsregeln in Oulu verbindet, ist derselbe: Städte können nicht länger für das Klima planen, das sie heute haben. Sie müssen für das Klima planen, das auf sie zukommt.

Dass eine Stadt nahe dem Polarkreis heute für Sommerhitze plant, für die sie nie gebaut wurde, zeigt, wie rasant sich das Problem verschiebt. Schritt zu halten, so die Organisatorinnen und Organisatoren von 50@50, gelingt Städten nur, wenn sie nicht länger isoliert nach Lösungen suchen.

Welche Städte machen bei 50@50 mit?

Die Städte, die an der 50@50-Initiative des UNEP teilnehmen, liegen auf allen Kontinenten außer der Antarktis. Hier die vollständige Liste:

Antalya, Athen, Balikesir, Barcarena, Barcelona, Barranquilla, Bauchi, Belo Horizonte, Blacktown, Bom Jesus do Itabapoana, Buenos Aires, Campinas, Kapstadt, Casablanca, Contagem, Kopenhagen, Corumbá, Delhi, Doha (Qatar Foundation), Florianópolis, Fortaleza, Gaziantep, Iloilo City, Jakarta, Jalgaon, Jiaxing, Karatschi, Kilifi, Kisumu, Lagos, Lahore, Maranguape, Melbourne, Mendoza, Montreal, Mumbai, Nagpur City, Nakuru, Oulu, Paris, Poá, Rio de Janeiro, Santiago, Santiago de Cali, Santo André, Sorocaba, São João de Meriti, São Lourenço do Sul, Taita Taveta County, Bundesstaat Tamil Nadu, Teresina, Tirana, Tokio, Turbat, Warschau und Yangzhou.

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