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Drohnen-Gipfel in Berlin: Ukraine-Krieg, Defence-Hightech und Innovationen

Eine Helsing-Drohne beim New Age Defence Summit, 08.06.2026
Eine Helsing-Drohne beim New Age Defence Summit, 08.06.2026 Copyright  Franziska Müller/ Euronews
Copyright Franziska Müller/ Euronews
Von Johanna Urbancik & Franziska Müller
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Auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof treffen sich Soldaten, Start-ups und Politiker, um über Europas Sicherheit zu sprechen. Im Mittelpunkt steht eine Frage: Lernt Europa schnell genug aus den Erfahrungen der Ukraine?

Zwischen Drohnen, autonomen Fahrzeugen und militärischen Robotersystemen diskutierten auf dem New Age Defence Summit in Berlin Politiker, Soldaten, Unternehmer und Investoren über die Zukunft der Verteidigung Europas. Dabei ging es nicht nur um neue Technologien, sondern vor allem um die Lehren aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

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"Vor allem lernen wir hier auch viel von den ukrainischen Freundinnen und Freunden, was die für Erfahrungen haben, die sie leider bitterlich bezahlen", sagt der Präsident des Reservistenverbands und CDU-Abgeordnete, Bastian Ernst, im Gespräch mit Euronews. Die Unterstützung der Ukraine sei deshalb nicht nur eine politische Frage, sondern auch ein Lernprozess für europäische Streitkräfte.

Bastian Ernst beim New Age Defence Summit, 08.06.2026 in Berlin
Bastian Ernst beim New Age Defence Summit, 08.06.2026 in Berlin Franziska Müller / Euronews

Diese Erfahrungen prägen inzwischen auch die Entwicklung neuer Verteidigungstechnologien. Sie zeigen, wie stark sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat: während Innovationen früher vor allem von großen Rüstungskonzernen vorangetrieben wurden, spielen inzwischen junge Technologieunternehmen eine immer größere Rolle.

Viele der ausstellenden Firmen wurden von ehemaligen Soldaten gegründet und entwickeln Systeme, die unmittelbar auf die Erfahrungen moderner Konflikte reagieren. Kaum ein Panel kam ohne Verweise auf die Entwicklungen an der Front aus. Dort haben sich Drohnen innerhalb weniger Jahre von einem Nischenwerkzeug zu einem zentralen Bestandteil der Kriegsführung entwickelt. Sie werden zur Aufklärung, Zielerfassung, elektronischen Kampfführung und für Angriffe eingesetzt.

Die Erfahrungen der Ukraine gelten inzwischen für viele europäische Streitkräfte als wichtiger Maßstab für die eigene Modernisierung. "Die Bedrohung ist bereits da", betont Raimond Kaljulaid, estnischer Abgeordneter und Vorsitzender der parlamentarischen Arbeitsgruppe zur Unterstützung der Verteidigungsindustrie.

Russlands Schatten über dem Baltikum

Erst am Montag haben französische Kampfjets im Rahmen der NATO-Luftraumüberwachung eine Drohne über Ostlettland abgeschossen. Sie war aus russischer Richtung in den lettischen Luftraum eingedrungen. Das baltische Land machte russische elektronische Kriegsführung für den Vorfall verantwortlich. Der Drohnenvorfall reiht sich in eine Reihe von Vorfällen in den baltischen Staaten, auch Estland. Neben diesen Vorfällen werden auch potenzielle Jahresdaten genannt, an denen Russland möglicherweise ein NATO-Mitglied angreifen könnte.

So hat der Generalinspekteur der Bundeswehr Carsten Breuer mehrmals auf eine gemeinsame Bedrohungsanalyse der NATO verwiesen, in dem es heißt, Russland habe bis 2029 genügend Soldaten, um das Bündnis anzugreifen. Der britische Premierminister Keir Starmer hingegen warnte, dass "nach Einschätzung unserer Geheimdienste und der Dienste anderer NATO-Staaten könnte Russland bereits 2030 einen Angriff auf die NATO starten".

Die Debatte darüber, ob Russland 2029 oder 2030 zu einem Angriff auf NATO-Staaten fähig sein könnte, greife Kaljulaid zufolge jedoch zu kurz. Russland verfüge bereits heute über ein großes Militär, führe einen Krieg gegen die Ukraine und bedrohe Europa durch Sabotage und hybride Angriffe. Die entscheidende Frage sei nicht, wann Russland bereit sei, sondern "ob wir bereit sind", so Kaljulaid zu Euronews, der auf die zunehmenden Investitionen vieler osteuropäischer Staaten in ihre Verteidigungsfähigkeit verwies.

Raimond Kaljulaid beim New Age Defence Summit, 08.06.2026 in Berlin
Raimond Kaljulaid beim New Age Defence Summit, 08.06.2026 in Berlin Franziska Müller / Euronews

In Estland seien Verteidigungsausgaben gestiegen, neue militärische Fähigkeiten aufgebaut und eigene Technologieunternehmen entstanden. 2025 gab das Land bereits rund 3,4 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus und gehörte damit zu den größten Verteidigungsausgebern innerhalb der NATO. Ab 2026 soll der Anteil auf 5,4 Prozent steigen.

Der Verteidigungshaushalt wächst damit von rund 1,7 auf 2,4 Milliarden Euro. Europa müsse laut Kaljulaid schneller handeln und stärker in Abschreckung investieren, um Russland gar nicht erst auf die Idee eines Angriffs kommen zu lassen.

Was Europa von der Ukraine lernen kann

Kateryna Mykhalko, Geschäftsführerin des New Age Defence Summit, warb im Euronews-Interview dafür, die Erfahrungen ukrainischer Soldaten und Unternehmen stärker in europäische Verteidigungsstrategien einzubeziehen. Sie zeigte sich beeindruckt davon, dass sich Unternehmen aus verschiedenen europäischen Ländern trotz Konkurrenz gemeinsam für die Veranstaltung engagiert hätten.

Sie betonte, dass zahlreiche Unternehmen trotz des Wettbewerbs untereinander gemeinsam an der Veranstaltung teilnahmen. "Wir haben große Akteure wie Quantum Systems, Helsing, ARX, Stark und viele andere Unternehmen, die eigentlich Konkurrenten sind", sagt Mykhalko. Dennoch seien sie bereit gewesen, "unter einem Dach zusammenzukommen", um Regierungen und europäische Institutionen von der Notwendigkeit neuer Verteidigungstechnologien zu überzeugen "In der Ukraine haben wir die Erfahrung, in der Europäischen Union haben Sie die Ressourcen", so Mykhalko.

Kateryna Mykhalko beim New Age Defence Summit, 08.06.2026
Kateryna Mykhalko beim New Age Defence Summit, 08.06.2026 Franziska Müller / Euronews

Europa müsse stärker in Technologien investieren, die sich bereits unter Kriegsbedingungen bewährt hätten. Die Ukraine zahle einen hohen Preis dafür, neue Systeme auf dem Schlachtfeld zu testen. Dieses Wissen dürfe nicht ungenutzt bleiben.

Sie argumentierte zudem, dass eine stärkere Investition in moderne Verteidigungstechnologien letztlich der Abschreckung diene. Wer glaubwürdig zeigen könne, dass er sich verteidigen könne, senke das Risiko eines Angriffs. Besonders kritisch äußert sich Mykhalko zu den oft langwierigen Beschaffungs- und Entwicklungsprozessen in Europa.

"Es gibt keine Möglichkeit mehr, zehn oder zwanzig Jahre lang dieselben Lösungen zu produzieren", sagt sie. Moderne Konflikte entwickelten sich zu schnell. Streitkräfte müssten deshalb deutlich enger mit der Industrie zusammenarbeiten und neue Erkenntnisse schneller in Produktion und Ausbildung einfließen lassen.

"Von der Truppe für die Truppe"

Neben politischen Debatten standen zahlreiche technische Systeme im Fokus. Unternehmen präsentierten Drohnen, Sensoren, Softwarelösungen und autonome Fahrzeuge. Der deutsche Robotikhersteller ARX zeigte beim Summit sein unbemanntes Bodensystem "GEREON". Das Fahrzeug kann je nach Bedarf unterschiedliche Module aufnehmen – von Transportlösungen bis hin zu Sensorik oder anderen Nutzlasten.

GEREON-System von ARX, New Age Defence Summit 08.06.2026
GEREON-System von ARX, New Age Defence Summit 08.06.2026 Franziska Müller / Euronews

Für viele der anwesenden Start-ups steht die enge Verbindung zum Militär im Mittelpunkt. ARX ist eines von mehreren Unternehmen auf dem Summit, das von ehemaligen Soldaten gegründet wurde. Mitgründer und Vorstandsmitglied für Finanzen (CFO) Maximilian Wied erklärt im Gespräch mit Euronews, dass viele Gründer auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienst einen Beitrag zur Verteidigungsfähigkeit leisten wollten.

"Ich denke, unser Erfolg an dem Punkt, an dem wir jetzt gerade sind, ist auch davon abhängig gewesen, dass wir einfach Erfahrung haben", sagte er. Ehemalige Soldaten wüssten aus eigener Erfahrung, "was der Nutzer braucht", verstünden militärische Abläufe und könnten mit Entscheidungsträgern in den Streitkräften auf Augenhöhe sprechen. Die Philosophie hinter ARX beschreibt er deshalb schlicht als "von der Truppe für die Truppe".

Maximilian Wiedt mit Euronews-Journalistin Johanna Urbancik, 08.06.2026
Maximilian Wiedt mit Euronews-Journalistin Johanna Urbancik, 08.06.2026 Franziska Müller / Euronews

Das Unternehmen präsentierte auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens sein unbemanntes Bodensystem "GEREON". Der Name ist nicht zufällig gewählt: Der heilige Gereon von Köln gilt als Schutzpatron der Soldaten. Das elektrisch betriebene Kettenfahrzeug wurde nach Angaben des Unternehmens entwickelt, um Soldaten bei gefährlichen oder körperlich belastenden Aufgaben zu entlasten.

"Von Soldaten für Soldaten", beschreibt Wied die Grundidee hinter dem System. Das Fahrzeug kann Lasten von bis zu 500 Kilogramm transportieren und mit unterschiedlichen Modulen ausgestattet werden. Je nach Einsatz lassen sich Transportkörbe, Tragen für Verwundete, Sensoren, Radarsysteme oder andere Nutzlasten montieren.

Auch kabelgebundene Aufklärungsdrohnen könnten über das Fahrzeug mit Energie versorgt werden. Das Ziel sei es, nicht nur einen einzelnen Anwendungsfall abzudecken, sondern eine flexible Plattform bereitzustellen, die sich an unterschiedliche Anforderungen anpassen lasse. Nach Angaben des Unternehmens wird das System bereits in der Ukraine seit 2024 im operativen Einsatz an der Front eingesetzt. Dort verfüge ARX über die "größte westlich produzierte Hybrid-Flotte", die derzeit im Einsatz sei, erklärt Wied.

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