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Solar-Kühlschränke: 50 Prozent mehr Einkommen, weniger Lebensmittelverschwendung

Arbeiter transportieren frische Kräuter aus den solarbetriebenen Kühlräumen von Soko Fresh bei Citadel Agri Merchants in Kitengela, Bezirk Kajiado, Kenia
Mitarbeiter tragen frische Kräuter aus den solarbetriebenen Kühlräumen von Soko Fresh bei Citadel Agri Merchants in Kitengela, County Kajiado, Kenia. Copyright  AP Photo/Andrew Kasuku
Copyright AP Photo/Andrew Kasuku
Von Ruth Wright mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Dank erneuerbarer Energien landen immer weniger Ernten im Müll: Bauern trocknen, kühlen und verarbeiten ihre Produkte mit sauberem Strom.

Wenn wir Gemüse in Würfel schneiden, denken die wenigsten daran, welche Hürden Bäuerinnen und Bauern überwinden mussten, bis diese Lebensmittel auf unserem Schneidebrett landen: Dürre, extreme Hitze, Überschwemmungen, Armut und explodierende Spritpreise sind nur einige Beispiele. Selbst wenn es ihnen gelingt, gesunde Pflanzen anzubauen und zu ernten, muss die Ware gekühlt werden, damit sie unsere Küchen in dem makellosen Zustand erreicht, den wir gewohnt sind.

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„Man kann auf dem Feld alles richtig machen, aber wenn die Ernte nicht richtig gelagert wird, verliert man sowohl das Produkt als auch das Einkommen“, sagt die kenianische Bäuerin Yvonne Anyonyi Mumiah, während sie zwischen Reihen von Rosmarin, Basilikum und anderen Kulturen entlanggeht, die für europäische Supermärkte bestimmt sind.

Andere Risiken bleiben, doch Yvonne muss sich nicht mehr darum sorgen, dass Transportverzögerungen oder extreme Hitze ihre Ernte ruinieren – und das dank erneuerbarer Energie.

Das Pay-per-Use-Modell berechnet die Gebühr nach gelagerten Kilogramm. Es steht für einen Trend in Afrika, Solarkühlhäuser zu nutzen, um eines der hartnäckigsten Probleme der Landwirtschaft anzugehen: das Verderben von Lebensmitteln.

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation schätzt, dass in Afrika bis zu 40 Prozent der produzierten Lebensmittel zwischen Ernte und Markt verloren gehen – vor allem wegen mangelhafter Lagerung sowie schlechter Transport- und Verarbeitungssysteme.

Blick auf solarbetriebene Kühlräume von Citadel Agri Merchants in Kitengela im County Kajiado in Kenia, am 22. Mai 2026.
Blick auf solarbetriebene Kühlräume von Citadel Agri Merchants in Kitengela im County Kajiado in Kenia, am 22. Mai 2026. AP Photo/Andrew Kasuku

Bauern werden unabhängig von teuren, instabilen Stromnetzen

Solarbetriebene, netzunabhängige Kühlräume, Lagerhallen und Kühlzentren ermöglichen es Landwirten und Händlerinnen, leicht verderbliche Waren zu erhalten, ohne auf teure und unzuverlässige Stromnetze angewiesen zu sein. Dieser Wandel gewinnt in Kenia (Quelle auf Englisch), Nigeria, Äthiopien, Ruanda und Südafrika an Fahrt.

„Die größte Herausforderung war, die Qualität nach der Ernte zu sichern“, sagt Mumiah. Wie viele andere Kleinbäuerinnen konnte sie sich die Anschaffung einer eigenen solarbetriebenen Kühlanlage für rund 30.000 Dollar (25.000 Euro) nicht leisten.

Mit der Erderhitzung geraten die Lebensmittelketten zusätzlich unter Druck. Steigende Temperaturen und immer öfter unterbrochene Lieferketten machen Kühltechnik zunehmend unverzichtbar.

Ernte bleibt wochenlang frisch statt nur wenige Tage

In Ländern wie Indien, China, Japan, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten halten ausgebaute Kühlketten Obst und Gemüse wochenlang verkaufsfähig. In vielen Regionen Afrikas fehlt Landwirtinnen und Landwirten jedoch der Zugang zu Kühlanlagen. Sie müssen ihre Ernte direkt nach dem Pflücken verkaufen und nehmen dabei hohe Verluste in Kauf.

Mit steigenden Temperaturen verschärft sich das Problem. Extreme Hitze lässt Gemüse, Obst, Milchprodukte und Fisch besonders schnell verderben. Unzuverlässige Stromversorgung macht klassische Kühlung in vielen ländlichen Gebieten teuer oder praktisch unmöglich.

„Kühlkapazitäten gehören nach wie vor zu den fehlenden Gliedern in Afrikas landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten“, sagt Emmanuel Aziebor, Afrika-Direktor der Nichtregierungsorganisation CLASP, die den Einsatz energieeffizienter Geräte und produktiver Technologien fördert.

„Wenn Bäuerinnen und Bauern ihre Produkte länger lagern können, erschließen sie bessere Märkte, reduzieren Verluste und steigern ihre Einkommen“, sagt er.

Solarstrom beschleunigt Modernisierung der Lieferketten

Der Anbieter Soko Fresh gibt an, die Verlustrate seiner Kundschaft von bis zu 50 Prozent auf unter zwei Prozent gesenkt zu haben. Gleichzeitig verdienen die Bauern demnach bis zu 50 Prozent mehr pro Kilogramm.

In Nigeria (Quelle auf Englisch) haben Unternehmen wie ColdHubs solarbetriebene begehbare Kühlräume auf großen Agrarmärkten installiert. Bäuerinnen, Bauern und Händler können dort tageweise Platz mieten, statt in teure eigene Technik zu investieren.

In Ruanda stützen solarbetriebene Kühlanlagen Milchgenossenschaften und verbessern die Sammlung von Rohmilch.

In Äthiopien (Quelle auf Englisch) weiten Unternehmen ihre Investitionen in Kühlketten aus, um den Export von Gartenbauprodukten zu stärken – einem der am schnellsten wachsenden Agrarsektoren des Landes.

Analystinnen und Analysten sehen solche Innovationen als immer wichtiger an, weil afrikanische Staaten ihre Ernährungssicherheit verbessern und zugleich Treibhausgasemissionen senken wollen.

Konventionelle Kühlhäuser laufen häufig mit Dieselgeneratoren, vor allem in Regionen mit instabiler Stromversorgung. Solarbetriebene Alternativen reduzieren den Treibstoffverbrauch und die laufenden Kosten und senken zugleich die Emissionen.

Fachleute betonen jedoch, dass der wichtigste Vorteil eher wirtschaftlicher als ökologischer Natur ist. Entwicklungsprojekte haben sich über Jahrzehnte vor allem darauf konzentriert, den Zugang zu Strom in Afrika zu erweitern. Millionen Haushalte wurden ans Netz angeschlossen, doch viel weniger Aufmerksamkeit galt der Frage, wie Strom zum Einkommen beitragen kann.

„Wir haben zu wenig darüber gesprochen, wie Menschen Strom in Chancen verwandeln können“, sagt Aziebor. „Wir verlängern ständig die Stromleitungen. Aber solange die Menschen diese Energie nicht produktiv nutzen, bleiben die wirtschaftlichen Effekte begrenzt.“

Solar treibt mehr an als nur Kühlhäuser

Überall in Afrika ermöglichen solarbetriebene Bewässerungssysteme Landwirtschaft über das ganze Jahr. Solarmühlen und Verarbeitungsanlagen helfen ländlichen Gemeinden, landwirtschaftliche Produkte direkt vor Ort aufzuwerten. Die Finanzierung bleibt jedoch ein Engpass.

„Die Herausforderung heute besteht nicht mehr darin zu zeigen, dass diese Systeme funktionieren“, sagt Carol Koech, Vizepräsidentin für Afrika bei der Global Energy Alliance for People and Planet. „Es geht darum, genügend tragfähige Projekte zu entwickeln, die größere Investoren anziehen und sich über Landesgrenzen hinweg skalieren lassen.“

Zuschüsse, zinsgünstige Kredite und Unterstützung durch Geber können die hohen Anfangskosten abfedern. Branchenkenner berichten jedoch, dass es schwer bleibt, ausreichend privates Kapital zu mobilisieren, weil viele Agrarmärkte zersplittert sind und von Kleinerzeugern dominiert werden.

„Viele Investoren stufen neue Technologien als hohes Risiko ein, weil es noch zu wenige erprobte Geschäftsmodelle mit verlässlichen Erträgen gibt", sagt Denis Karema, Geschäftsführer von SoKo Fresh. "Dadurch wird die Finanzierung unserer Projekte teuer.“

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