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Europäische Hitzewelle belastet Stromnetz: am stärksten gefährdete Länder

Stromleitungen vor einem Sonnenuntergang.
Stromleitungen vor einem Sonnenuntergang. Copyright  Andrey Metelev via Unsplash
Copyright Andrey Metelev via Unsplash
Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Nie dagewesene Hitze treibt die Nachfrage nach Klimaanlagen in die Höhe. Der Stromverbrauch schießt entsprechend nach oben.

Europas Stromnetz steht auf dem Prüfstand, der Kontinent ächzt unter der dritten Hitzewelle des Jahres.

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Meteorologinnen und Meteorologen warnen, dass die Temperaturen im Mittelmeerraum in dieser Woche auf bis zu 43 °C klettern könnten. Westeuropa stellt sich auf möglicherweise Rekordhitze ein.

Frankreich hat bereits mehr als die Hälfte seiner 96 Départements auf rote Lebensgefahr-Warnstufe gesetzt und ruft die Bevölkerung auf, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden und „höchste Wachsamkeit“ walten zu lassen.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals warnt der britische Wetterdienst Met Office, dass die Tageshöchstwerte im Süden Englands in den kommenden Tagen bis auf 38 °C steigen könnten. Hinzu kommen „gefährliche“ tropische Nächte, in denen die Temperatur innerhalb von 24 Stunden nie unter 20 °C fällt.

Auch Deutschland, Spanien, Portugal und die Schweiz erwarten brütende Hitze, die das öffentliche Leben zunehmend lahmlegt.

In ganz Europa haben Hunderte Schulen geschlossen oder früher zugemacht. Zugverbindungen in stark frequentierten Städten wie Paris und Brüssel wurden ausgedünnt, um das Pannenrisiko zu verringern. Das Pariser Musikfest Fête de la Musique fand am Wochenende zwar statt, die Regierung untersagte jedoch den Alkoholkonsum im öffentlichen Raum, um das Dehydrierungsrisiko zu senken.

Doch die extreme Hitze setzt noch einem weiteren Bereich zu, an den die meisten kaum denken: der Stromversorgung.

Wie extreme Hitze Europas Stromnetz belastet

In Europa steigt der Stromverbrauch während Hitzewellen deutlich an, vor allem wegen der stärkeren Nachfrage nach Kühlung. Allein die Raumkühlung – vor allem Klimaanlagen und Ventilatoren – verbrauchte im Jahr 2022 rund sieben Prozent des weltweiten Stroms.

„Die Welt schmort in extremer Hitze, die den Bedarf an Kühlung immer weiter nach oben treibt“, warnte die Internationale Energieagentur (IEA) bereits 2023.

„Rekordverdächtige Temperaturen kurbeln den Einsatz von Klimaanlagen an und lassen den Strombedarf in die Höhe schießen – mit der Folge eines Teufelskreises: Mehr Treibhausgase werden ausgestoßen und heizen die Erde weiter auf.“

Während der frühen Sommerhitzewelle 2025 verzeichnete Frankreich wegen der Kühlung eine abendliche Stromspitze, die 25 Prozent über dem Durchschnitt außerhalb der Saison lag, obwohl im Land vergleichsweise wenige Haushalte Klimaanlagen besitzen.

Wo der Strombedarf am stärksten anzieht

Die Vergleichsplattform Compare the Market hat 85 Länder untersucht, die zusammen rund 90 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs ausmachen. So wollten die Forschenden nachvollziehen, wie sich die Nachfrage in Monaten mit extremen Temperaturen verändert.

Die Studie (Quelle auf Englisch) verglich den Stromverbrauch in den heißesten zehn Prozent der Monate eines Landes mit dem Verbrauch in Monaten mit normalen Temperaturen.

Die Forschenden stellten fest, dass Griechenland weltweit an der Spitze liegt: In Phasen extremer Hitze steigt der Strombedarf dort um 38,62 Prozent. Das entspricht zusätzlichen 143,08 kWh pro Kopf und Monat mit Extremtemperaturen.

Auf Platz zwei folgt Montenegro mit einem Plus von 22,49 Prozent, dahinter die Türkei (21,91 Prozent), Kroatien (17,76 Prozent), Italien (14,22 Prozent) und Spanien (8,86 Prozent).

Europäische Länder mit den längsten Stromausfällen pro Jahr

Übersteigt die gesamte Stromnachfrage die verfügbare Erzeugung oder die physische Belastungsgrenze des Netzes, sinkt die Netzfrequenz ab – im schlimmsten Fall kommt es zum Blackout.

Anhand der fünf aktuellsten Jahre mit Ausfalldaten analysierte Compare the Market zudem die durchschnittliche Dauer von Stromausfällen sowie die geschätzten Kosten für Haushalte in ausgewählten Ländern.

Unter den untersuchten europäischen Staaten weist Ungarn mit durchschnittlich 2,92 Stunden Stromausfall pro Jahr die längste Dauer auf, gefolgt von Slowenien mit 2,16 Stunden und Griechenland mit 1,63 Stunden.

„Obwohl Italien im Schnitt kürzere Stromausfälle verzeichnet als Griechenland, führen die vielen Haushalte dazu, dass dort die geschätzten jährlichen Gesamtkosten für Haushalte unter den betrachteten europäischen Ländern am höchsten sind“, heißt es in der Studie.

„Stromausfälle in Italien kosten die Haushalte demnach rund 154,7 Millionen Euro pro Jahr, dicht gefolgt von Polen mit 152,1 Millionen Euro.“

Diese Zahlen beruhen auf einer in der Energiewirtschaft üblichen Annahme zum sogenannten „Value of Lost Load“ (Wert nicht gelieferter Energie). Damit schätzen Fachleute die Kosten eines Stromausfalls, etwa durch verdorbene Lebensmittel, ausfallende Heizung oder Kühlung, gestörtes Internet und allgemeinen Ärger. Lokale Strompreise spielen dabei keine Rolle.

Können erneuerbare Energien Europas überlastetes Netz entlasten?

Im Juni und Juli des vergangenen Jahres erlebte Europa eine Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 40 °C (Quelle auf Englisch). Der tägliche Strombedarf stieg dadurch um bis zu 14 Prozent. Zusammen mit Ausfällen in Wärmekraftwerken trieb das die durchschnittlichen Tagesstrompreise auf das Zwei- bis Dreifache.

Nach Angaben des Energie-Thinktanks Ember sorgte jedoch eine Rekordproduktion von Solarstrom in der EU dafür, dass die Versorgung trotz der Spitze stabil blieb.

„An den Spitzentagen der Hitzewelle lieferte Solarenergie in Deutschland allein bis zu 50 GW Leistung und deckte damit 33 bis 39 Prozent der dortigen Stromerzeugung“, so Ember.

„Deutschland verfügt über 14 GW Batteriespeicher und 10 GW Pumpspeicher. Damit ließ sich ein Teil des Solarstroms speichern und nach Sonnenuntergang nutzen.“

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