Rekordhitze treibt die Nachfrage nach Klimaanlagen in die Höhe und lässt auch den Stromverbrauch deutlich ansteigen.
Europas Stromnetz steht auf dem Prüfstand. Der Kontinent ächzt unter der dritten Hitzewelle dieses Jahres.
Meteorologinnen und Meteorologen warnen: Im Mittelmeerraum könnten die Temperaturen in dieser Woche auf glühende 43 °C klettern, Westeuropa stellt sich auf womöglich rekordverdächtige Hitze ein.
Frankreich hat bereits mehr als die Hälfte seiner 96 Départements zur lebensgefährlichen roten Alarmzone erklärt. Die Behörden rufen die Bevölkerung auf, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden und „höchste Wachsamkeit“ walten zu lassen.
Auf der anderen Seite des Ärmelkanals warnt der britische Wetterdienst Met Office, dass die Tageshöchstwerte im Süden Englands in den kommenden Tagen 38 °C erreichen könnten. Hinzu kommen „gefährliche“ tropische Nächte, in denen die Temperatur innerhalb von 24 Stunden nie unter 20 °C fällt.
Auch Deutschland, Spanien, Portugal und die Schweiz erwarten extreme Temperaturen, die das öffentliche Leben zunehmend lahmlegen.
In ganz Europa haben Hunderte Schulen geschlossen oder früher Schluss gemacht. In großen Städten wie Paris und Brüssel fahren weniger Züge, um das Pannenrisiko zu senken. Das Pariser Festival Fête de la Musique fand am Wochenende statt, doch die Regierung verbot den Gästen, Alkohol in der Öffentlichkeit zu trinken, um das Risiko einer Dehydrierung zu verringern.
Doch es gibt ein weiteres Opfer der extremen Hitze, an das viele nicht denken: die Stromversorgung.
Hitze setzt Europas Stromnetz unter Druck
In Hitzewellen steigt der Stromverbrauch in Europa deutlich an. Der Bedarf an Kühlung nimmt stark zu. Raumkühlung – vor allem Klimaanlagen und Ventilatoren – machte im Jahr 2022 rund sieben Prozent des weltweiten Stromverbrauchs aus.
„Die Welt schmort in extremer Hitze, die Nachfrage nach Kühlung steigt weiter“, warnte die Internationale Energieagentur (IEA) im Jahr 2023.
„Rekordverdächtige Temperaturen lassen die Nachfrage nach Klimaanlagen steigen und treiben den Strombedarf nach oben – ein Teufelskreis, der zu höheren Treibhausgasemissionen führt und die Welt weiter aufheizt.“
In der frühen Sommerhitzewelle 2025 meldete Frankreich am Abend einen Stromverbrauch, der wegen der Kühlung 25 Prozent über dem üblichen Wert außerhalb der Saison lag – obwohl im Land vergleichsweise wenige Haushalte Klimaanlagen besitzen.
Wo der Strombedarf am stärksten steigt
Das Vergleichsportal Compare the Market hat 85 Länder ausgewertet, die zusammen rund 90 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs abdecken. Ziel war es, zu verstehen, wie sich der Strombedarf in Monaten mit Extremtemperaturen verändert.
Die Studie stellte den Strombedarf in den heißesten zehn Prozent der Monate eines Landes dem Verbrauch in Monaten mit normalen Temperaturen gegenüber.
Die Auswertung zeigt: Griechenland liegt weltweit an der Spitze. In Phasen extremer Hitze steigt der Strombedarf dort um 38,62 Prozent. Pro Person und Monat mit extremer Hitze entspricht das einem Plus von 143,08 Kilowattstunden.
Montenegro folgt auf Platz zwei mit einem Anstieg um 22,49 Prozent, dahinter die Türkei (21,91 Prozent), Kroatien (17,76 Prozent), Italien (14,22 Prozent) und Spanien (8,86 Prozent).
Europäische Länder mit den längsten Stromausfällen
Übersteigt die Gesamtnachfrage nach Strom die verfügbare Erzeugungskapazität oder die technischen Grenzen des Netzes, sinkt die Netzfrequenz. Im Extremfall kann das zu einem Blackout führen.
Auf Basis der fünf jüngsten verfügbaren Jahre mit Störungsdaten hat Compare the Market zudem die durchschnittliche Dauer von Stromausfällen und die geschätzten Kosten für private Haushalte in ausgewählten Ländern untersucht.
Unter den betrachteten europäischen Ländern verzeichnete Ungarn die längste durchschnittliche Ausfalldauer mit 2,92 Stunden pro Jahr. Es folgen Slowenien mit 2,16 Stunden und Griechenland mit 1,63 Stunden.
„Italien hat zwar im Schnitt kürzere Stromausfälle als Griechenland, doch wegen der hohen Zahl an Haushalten fallen dort unter den untersuchten europäischen Ländern die höchsten geschätzten jährlichen Gesamtkosten an“, heißt es in der Studie.
„Stromausfälle kosten die Haushalte in Italien demnach rund 154,7 Millionen Euro pro Jahr, dicht gefolgt von Polen mit 152,1 Millionen Euro.“
Diese Zahlen beruhen auf einem in der Energiewirtschaft üblichen Standardwert, dem sogenannten „Value of Lost Load“. Er dient dazu, die Kosten eines Stromausfalls zu schätzen – etwa verdorbene Lebensmittel, der Ausfall von Heizung oder Kühlung, unterbrochene Internetverbindungen und allgemeine Beeinträchtigungen. Grundlage sind also nicht die jeweiligen lokalen Strompreise.
Können Erneuerbare Europas belastetes Stromnetz entlasten?
Im Juni und Juli des vergangenen Jahres erlebte Europa eine Hitzewelle, bei der die Temperaturen auf 40 °C (Quelle auf Englisch) stiegen. In der Folge nahm der tägliche Strombedarf um bis zu 14 Prozent zu. Zusammen mit Ausfällen in Wärmekraftwerken trieb das die durchschnittlichen täglichen Strompreise auf das Zwei- bis Dreifache.
Nach Angaben des Energie-Thinktanks Ember sorgte jedoch eine Rekordstromproduktion aus Solaranlagen in der EU dafür, dass die Versorgung trotz der Spitzenlast weitgehend stabil blieb.
„An den Spitzentagen der Hitzewelle lieferte die Solarenergie in Deutschland allein bis zu 50 Gigawatt Leistung und deckte damit 33 bis 39 Prozent der Stromerzeugung des Landes“, so Ember.
„Deutschland verfügt zudem über 14 Gigawatt Batteriespeicher und zehn Gigawatt Pumpspeicher. Damit ließ sich ein Teil des Solarstroms speichern und nach Sonnenuntergang nutzen.“