Nach jahrzehntelanger Umweltpolitik zahlt sich der Einsatz aus: In Europa verbessert sich die Luftqualität spürbar.
Die Luftqualität in Europa wird besser. Gleichzeitig drohen anhaltende Phasen starker Verschmutzung, die Fortschritte wieder zunichtemachen könnten.
Der Atmosphärenüberwachungsdienst Copernicus (CAMS) der EU kommt in seinem neuesten Bericht zu diesem Schluss. Einige Regionen kämpfen demnach weiter mit lokaler Luftverschmutzung, insgesamt bleibe der Ausblick jedoch „weiterhin ermutigend“.
Der Bewertungsbericht zur europäischen Luftqualität 2025 fasst die wichtigsten Trends zusammen. Er liefert Daten zu den zentralen Schadstoffen, die unter der EU-Richtlinie über Luftqualität geregelt sind. Diese Richtlinie soll die Grenzwerte stärker an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO anpassen.
Was steckt hinter der saubereren Luft in Europa?
Seit 2015 sinken die Emissionen von Schwefeloxiden (SOx) und Stickoxiden (NOx) in der EU jedes Jahr um rund drei bis fünf Prozent. Die deutlichsten Rückgänge verzeichnen Industrie und Straßenverkehr.
Der Verkehrssektor ist der einzige Bereich, der noch mehr Treibhausgase ausstößt als 1990. Er liegt damit hinter Industrie, Stromerzeugung und Gebäuden zurück und verursacht rund ein Drittel der gesamten EU-Emissionen. Dennoch gehen die Werte zurück: 2024 stieß der europäische Verkehr 1,05 Milliarden Tonnen CO₂ aus, nach 1,1 Milliarden Tonnen im Jahr 2019 – ein Minus von fünf Prozent. Haupttreiber ist der Boom bei Elektrofahrzeugen, die in den vergangenen Jahren stark zugelegt und Benzin- sowie Dieselautos ersetzt haben.
Auch der Abschied von fossilen Brennstoffen hin zu sauberen Energieträgern verbessert die Luftqualität. Im zweiten Quartal 2025 stammte erstmals mehr als die Hälfte der Nettostromerzeugung in der EU aus erneuerbaren Quellen. Im vergangenen Jahr erzeugte Schweden beeindruckende 99 Prozent seines Stroms aus kohlenstoffarmen Quellen – mehr als jedes andere EU-Land.
Welche Gase verschmutzen die Luft am stärksten?
Schwefeloxid ist ein hochgiftiges Gas, das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entsteht. Es reizt die Atemwege stark und trägt zur Belastung durch Feinstaub bei, der wiederum zur Bildung von saurem Regen führen kann.
Stickoxid wirkt ähnlich gesundheitsschädlich. Es kann die Atemwege entzünden und die Lungenfunktion beeinträchtigen. Schon kurze Belastungen können Asthmaanfälle und Husten auslösen.
NOx gilt zudem als starkes Treibhausgas. Es hält Wärme in der Atmosphäre und trägt so zur Erwärmung des Planeten bei.
Nach Angaben von CAMS (Quelle auf Englisch) sind die industriellen SOx-Emissionen um 59 Prozent gesunken, die NOx-Emissionen der Industrie um 39 Prozent. Auch die Abgase des Straßenverkehrs nahmen deutlich ab: NOx ging um 40 Prozent zurück, Feinstaub PM2,5 um 34 Prozent.
„Europa macht dank anhaltender Anstrengungen zur Emissionsminderung im Verkehr, in der Industrie, bei der Gebäudeheizung und in anderen Schlüsselbereichen weiter stetige Fortschritte bei der Luftqualität“, sagt CAMS‑Direktorin Laurence Rouil.
Wie stark beeinflusst Extremwetter die Luftqualität?
Teile Europas leiden derzeit unter einer tödlichen Hitzewelle. Fachleute warnen, dass hohe Temperaturen, starke Sonneneinstrahlung und „stagnierende“ Luftschichten im Sommer die Bildung von Ozon begünstigen.
In der Stratosphäre bildet Ozon eine Schutzschicht und hält einen Teil der schädlichen Sonnenstrahlung von der Erdoberfläche fern. Am Boden jedoch, wo Menschen und Tiere atmen, wirkt Ozon als Schadstoff und schädigt Lungengewebe und Pflanzen.
Unter Sonneneinstrahlung laufen in der Luft chemische Reaktionen ab, an denen Schadstoffe beteiligt sind, vor allem Stickoxide. Dabei entsteht Ozon.
Der Bericht stellt fest, dass während der Hitzewellen im Juni und August des vergangenen Jahres erhöhte Ozonwerte gemessen wurden, die große Teile Europas in Mitleidenschaft zogen.
Langanhaltende Trockenheit fördert zudem schwere Wald- und Flächenbrände, die die Luftqualität massiv beeinträchtigen können.
Die Rekordbrände zwischen dem 11. und 19. August vergangenes Jahr „haben Portugal und Spanien stark getroffen und in Teilen der Iberischen Halbinsel zu einem großflächigen Überschreiten der täglichen Grenzwerte für PM2,5 geführt“, warnt der Bericht.
„Die Brände im August 2025 haben gezeigt, wie eng solche gefährlichen Ereignisse mit der Luftqualität verknüpft sind“, sagt der Autor des Berichts, Paul Hamer.
„Die Rauchschwaden haben nicht nur die Konzentration von Feinstaub am Boden erhöht. Sie haben auch zu einem Anstieg der bodennahen Ozonwerte in Nordportugal und Spanien beigetragen. Ursache war die Freisetzung großer Mengen von Ozonvorläuferstoffen, die sich unter Sonneneinstrahlung entlang der Rauchfahnen chemisch verändern“, erklärt Hamer.