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Teurer, aber kühler: Ökobau hält Gebäude in Hitzewellen kühl

Ein Handwerker von Les Grands Moyens arbeitet an einem Haus aus Stroh, Holz, Lehm und Kalkputz. Paris, 13. Arrondissement, 03.06.2026.
Ein Bauarbeiter der Firma Les Grands Moyens arbeitet an einem Haus aus Stroh, Holz, Lehm und Kalkputz. Paris, 13. Arrondissement, 3. Juni 2026. Copyright  Lucy Davalou
Copyright Lucy Davalou
Von Lucy Davalou
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Ökologische Bautechniken halten Gebäude auch bei Hitze kühl und senken deutlich den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen.

Millionen Menschen leiden dieses Jahr schon früh unter Hitzewellen. Dadurch geraten die Gebäude, in denen wir wohnen und arbeiten, in den Mittelpunkt. Vor allem in Nordeuropa merken viele, dass ihre Wohnungen Wärme speichern statt sie draußen zu halten – bei hohen Temperaturen werden sie schnell zur Sauna.

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Doch es gibt Lösungen. Ökologisches Bauen setzt auf Techniken, die Gebäude kühl halten und zugleich weniger CO₂-Emissionen verursachen, etwa durch den Einsatz regionaler Baustoffe, die nicht um die halbe Welt transportiert werden müssen. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA) verursacht der Gebäudesektor 35 Prozent der Treibhausgasemissionen in der EU.

Nachhaltig gebaute Simone-Veil-Bibliothek in Le Chesnay-Rocquencourt, Donnerstag, 02.07.2026.
Nachhaltig gebaute Simone-Veil-Bibliothek in Le Chesnay-Rocquencourt, Donnerstag, 02.07.2026. Lucy Davalou

Ökobau hält Gebäude kühl, selbst bei Hitze

Adrien Poullain ist Architekt für ökologisches Bauen, Bauunternehmer und Gründer von Les Grands Moyens. Er beschreibt sein Fachgebiet als „eine ganze Palette von Techniken auf Basis natürlicher Materialien“. Oft kommen „lokal gewonnene Materialien zum Einsatz, die sich meist mit wenigen Werkzeugen oder Geräten einbauen lassen, die kaum Strom oder mechanische Energie benötigen. Dazu zählen Bauten aus ungebrannter Erde, Holz, Stroh oder Stein“.

Die Simone-Veil-Bibliothek in Le Chesnay-Rocquencourt am Stadtrand von Paris wurde nach den Prinzipien des Ökobaus errichtet – und hat sich in der Hitzewelle im Juni in Frankreich bewährt. Das Gebäude blieb geöffnet, obwohl es keine Klimaanlage hat.

Bibliotheksleiterin Gaëlle Ledoré-Montier berichtet, dass die Temperaturen draußen „bis zu 35 bis 36 Grad“ erreichten, sie innen aber „eine Temperatur von 23,5 bis 25,5 Grad halten konnten“. Selbst „während der beispiellosen Hitzewelle in dieser Woche, als die Temperaturen auf maximal 41 bis 42 Grad stiegen, hatten wir am Samstagabend höchstens 32 Grad. Das ist viel, aber wir lagen immer noch rund 10 Grad unter der Außentemperatur“.

Drei Viertel des europäischen Gebäudebestands sind energetisch marode

Um die Bevölkerung bei extremer Hitze zu schützen, empfehlen Regierungen in der EU, Wohnungen so kühl wie möglich zu halten. Frankreichs Gesundheitsbehörden raten etwa, sich nach Möglichkeit in kühlen Innenräumen aufzuhalten. Für viele Europäer ist das schwer umzusetzen. Laut EU ist fast 75 Prozent des Gebäudebestands energetisch ineffizient, und mehr als 85 Prozent der heutigen Gebäude werden voraussichtlich auch im Jahr 2050 noch genutzt. Trotzdem liegt die Sanierungsrate bei nur etwa 1 Prozent pro Jahr.

Bewohner von La dalle des Olympiades schützen ihre Wohnungen mit Rettungsdecken vor der Hitze, Paris 13e, Frankreich, Freitag, 03.07.2026.
Bewohner von La dalle des Olympiades schützen ihre Wohnungen mit Rettungsdecken vor der Hitze, Paris 13e, Frankreich, Freitag, 03.07.2026. Lucy Davalou

Der Zustand der europäischen Gebäude ist nicht nur ein Gesundheitsproblem, sondern auch ein Klimathema. Schlecht gedämmte Häuser verbrauchen viel mehr Energie – im Winter fürs Heizen und im Sommer für die zunehmend nötige Kühlung.

Ökobau-Unternehmer Poullain erklärt, warum grünes Bauen weniger Treibhausgase verursacht: „Nachhaltiges Bauen ist kohlenstoffarm. Die Herstellung der Baustoffe und der Bau selbst benötigen deutlich weniger Energie. Die Materialien müssen weniger transportiert und verarbeitet werden. So trägt diese Bauweise dazu bei, die im Pariser Klimaabkommen eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen.“

Die Europäische Union hat 2015 das Pariser Abkommen unterzeichnet. Ziel ist es, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur deutlich unter 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau zu halten und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Nach Angaben der EEA entfallen 42 Prozent des Energieverbrauchs in der EU auf Gebäude, ein großer Teil davon auf Heizung und Kühlung. Die Bauweise entscheidet daher maßgeblich darüber, ob Innenräume bei Hitze angenehm bleiben.

Ökobau ist teurer

Ein großes Hindernis für ökologisches Bauen sind die Kosten. Poullain schätzt, dass solche Projekte oft 15 bis 20 Prozent teurer sind als konventionelle Bauten. Damit haben nachhaltige Anbieter einen Nachteil bei Ausschreibungen, denn viele Auftraggeber orientieren sich am niedrigsten Preis – obwohl sie mit einem ökologisch gebauten Haus auf lange Sicht meist Geld sparen.

Wie groß der Effekt sein kann, zeigt ein Beispiel aus dem Pariser Vorort Bagneux. Bewohnerin Marie Heckenbenner lebt in einem Mehrfamilienhaus aus ungebrannten Lehmziegeln. Sie berichtet, dass seit ihrem Einzug vor zwei Jahren keine Heizung benötigt wurde.

Paris setzt auf Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen

Nach Angaben von Jacques Baudrier, Beigeordneter Bürgermeister von Paris für Wohnen und energetische Sanierung, stellt sich die Stadt bereits um. Seit 2020 verwendet Paris bei der Sanierung öffentlicher Gebäude und Wohnungen ausschließlich biologisch basierte Dämmstoffe.

Baudrier begründet dies „vor allem mit ihrer Fähigkeit, die Wärme zeitlich zu verzögern“. Er erklärt: „Dazu gehören Holz, Wolle, Hanf, Stroh und Zelluloseflocken – ausschließlich Dämmstoffe auf biologischer Basis. Wir haben bereits 80.000 Sozialwohnungen vollständig gedämmt.“

Die größte Herausforderung sieht der Beigeordnete bei privaten Eigentümern, vor allem bei Besitzern von Zweitwohnungen: „Fast 30 Prozent der privaten Wohnungen sind leer oder werden als Zweitwohnsitz genutzt. Viele Eigentümer haben ihre Zweitwohnung in einer Hitze-Falle, in den Altbauvierteln im Zentrum von Paris mit vielen energetischen Problemhäusern. Da sie dort nicht leben, stimmen sie gegen Renovierungsarbeiten.“

Baudrier fordert finanzielle Anreize für ökologisches Bauen: „Wir sollten für bio- und geo-basierte Materialien einen reduzierten Mehrwertsteuersatz von 5,5 Prozent anwenden.“ Außerdem plädiert er für „Öko-Konditionalität: Bestimmte Formen der Finanzierung – vor allem öffentliche Mittel des Staates – sollten erhöht werden für Bau- oder Sanierungsprojekte, die nachhaltige, umweltfreundliche Materialien einsetzen.“

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