Spaniens eins-zu-null-Sieg gegen Argentinien im WM-Finale am Sonntag bringt einen Rekordscheck über 50 Millionen Dollar (43,7 Mio. Euro) und einen spürbaren, aber kurzen Schub für die Wirtschaft.
Ein Treffer von Ferran Torres in der 106. Minute hat Spanien sechzehn Jahre nach dem Triumph in Südafrika den zweiten WM-Titel beschert. Gleichzeitig stellt sich sofort wieder die vertraute Frage: Macht ein solcher Sieg ein Land tatsächlich reicher?
Der direkte Gewinn lässt sich leicht beziffern.
Die FIFA zahlt dem Weltmeisterverband eine Rekordprämie von 50 Millionen Dollar (43,7 Millionen Euro). 2022 erhielt Argentinien noch 42 Millionen Dollar (36,7 Millionen Euro). Das Geld stammt aus einem Preisgeldtopf von 655 Millionen Dollar (572 Millionen Euro) für das auf 48 Teams erweiterte Turnier.
Der spanische Verband entscheidet, wie viel davon an den Kader, das Trainerteam und das übrige Personal fließt. Der Rest finanziert den laufenden Betrieb und Förderprogramme des RFEF. Auf jede dieser Zahlungen fallen Steuern an.
Der spanische Fiskus dürfte von den 17 in Spanien ansässigen Spielern rund 6 Millionen Euro einnehmen. Davon gehen etwa 4,4 Millionen Euro an die zentrale Steuerbehörde; kleinere Teile landen in den Kassen Navarras und des Baskenlandes.
Die makroökonomische Frage ist deutlich schwerer zu beantworten.
Laut einer 2024 veröffentlichten Studie des Ökonomen Marco Mello von der University of Aberdeen, erschienen im Oxford Bulletin of Economics and Statistics, steigt das jährliche BIP-Wachstum eines Weltmeisters in den zwei Quartalen nach dem Finale um mindestens 0,48 Prozentpunkte. Danach verpufft der Effekt wieder. Die Zahl der untersuchten Titelträger ist allerdings naturgemäß klein.
Haupttreiber sind demnach nicht die Ausgaben für Feiern, sondern die Exporte. Sie wachsen fünf bis sechs Prozentpunkte schneller, weil der WM-Titel wie eine weltweite Werbekampagne für Produkte und Dienstleistungen des Landes wirkt.
Historische Bilanz: Wie Weltmeister vom Titel profitieren
Auf Spaniens Wirtschaftsleistung von 1,69 Billionen Euro angewandt, entspräche dieser Effekt grob gerechnet rund 4 Milliarden Euro, erklärt Pedro Santa Cruz, Chef von Freedom24 Iberia. Zugleich warnt er: Die FIFA-Prämie selbst entspricht nur etwa einer Viertelstunde der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes.
Auch der Blick auf die Feiern im Land kann in die Irre führen.
Zahlungen in Bars und Restaurants stiegen während der spanischen Gruppenspiele um 36 Prozent, in Sevilla sogar zeitweise um 66 Prozent, wie Daten der Zahlungsplattform Square zeigen, auf die sich Santa Cruz beruft. Vieles davon ist jedoch nur verlagertes Konsumgeld und kein zusätzliches Einkommen.
Ein ähnlicher Effekt wird für die Siegesfeiern erwartet. In Madrid dürften mehr als eine Million Menschen auf die Straße gehen, um die Mannschaft zu empfangen.
Die eigene Geschichte Spaniens mahnt jedoch eindringlich zur Zurückhaltung.
Als Spanien 2010 den Titel holte, lag die Arbeitslosigkeit bei rund 20 Prozent, und die Wirtschaft steuerte auf eine Bankenrettung zu. Der Pokal änderte daran nichts.
Mellos Studie findet zudem keinen nennbaren langfristigen Wachstumseffekt für Gastgeberländer.