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Amazonien-Brände fallen 2025 auf Rekordtief: stoppt Super-El Niño den Fortschritt?

Ein Mann geht auf einer befestigten Erdstraße durch ein von Bränden verbranntes Gebiet nahe Lábrea im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, am Freitag, 7. August 2020.
Ein Mann geht auf einer Schotterstraße durch ein von Bränden verbranntes Gebiet nahe Labrea im brasilianischen Bundesstaat Amazonas am siebten August 2020. Copyright  AP Photo/Edmar Barros
Copyright AP Photo/Edmar Barros
Von Ruth Wright mit AFP
Zuerst veröffentlicht am
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„Ohne geschützten Amazonas gibt es keine Klimasicherheit für die Welt.“

Die Zahl der Waldbrände im brasilianischen Amazonasgebiet ist 2025 auf ein historisches Tief gesunken. Im Jahr davor hatte sie einen Höchststand erreicht, wie ein neuer Bericht zeigt.

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Auch die Abholzung im größten Regenwald der Erde ging im vergangenen Jahr zurück, heißt es in dem Bericht des Umweltbeobachtungsnetzwerks MapBiomas. Dadurch steht deutlich weniger brennbares Material für neue Feuer zur Verfügung.

Auf Basis von Satellitenbildern kommt MapBiomas zu dem Ergebnis, dass im vergangenen Jahr 3,1 Millionen Hektar Wald verbrannt sind – die kleinste Fläche seit Beginn der Aufzeichnungen 1985.

Die Entwicklung ist eine gute Nachricht für den linksgerichteten Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva, der nach seinem Wahlsieg 2022 versprochen hat, die Abholzung zu beenden.

Der Schutz des Amazonas ist entscheidend im Kampf gegen die schlimmsten Folgen des Klimawandels. Der dichte Regenwald nimmt die Treibhausgase auf, die die Erderwärmung antreiben.

Dürre 2024: Amazonas-Gemeinden schützen ihr Land besser

Im Jahr 2024 erreichten die Waldbrände im Amazonasgebiet ihren Höhepunkt. Eine beispiellose Dürre begünstigte die Ausbreitung der vor allem von Menschen entfesselten Feuer. Flammen fraßen sich durch den größten tropischen Regenwald der Welt, unzählige klimaschützende Bäume, Pflanzen und seltene Tierarten gingen verloren.

Die neuen Daten zeigen, dass sich die dramatische Lage 2025 umgekehrt hat. Der Rückgang sei „außergewöhnlich“, sagte die Geografin und Studienleiterin Ane Alencar der Nachrichtenagentur AFP.

In vielen Teilen der Welt richten gestörte Wetterlagen große Schäden an. Im Amazonasgebiet brachten sie jedoch einen Vorteil. Die verspätete Regenzeit zwischen 2024 und 2025 verhinderte nach Angaben Alencars das Entstehen eines „idealen Zeitfensters für Feuer in bestimmten Regionen“, in denen Brände zur Rodung landwirtschaftlicher Flächen eingesetzt werden.

Schlecht kontrollierte Feuer dieser Art werden durch illegale Praktiken wie Abholzung zusätzlich verschärft. Besonders häufig kommt dies in Regionen mit illegalem Bergbau vor.

Der Bericht hebt einen „psychologischen Faktor“ hervor: Viele Gemeinden fürchteten eine neue Feuersaison wie 2024 und beteiligten sich daher stärker an der Kontrolle von Brandherden. Weniger Feuer „unterbrechen eine jahrelange Phase der Ausweitung und bringen das Land auf ein historisch niedrigeres Niveau der verbrannten Fläche zurück“, heißt es in der Analyse.

In ganz Brasilien gingen die Brände 2025 zurück. Landesweit war die verbrannte Fläche so klein wie zuletzt 2018. Nur die weite Cerrado-Savanne in Zentralbrasilien „brannte weiter“ in ähnlichem Ausmaß, so Alencar.

Super-El-Niño: Warum das Phänomen mehr Brände auslösen kann

Alencar sieht das mögliche Eintreffen eines „Super-El-Niño“ als zusätzlichen Risikofaktor für neue Waldbrände.

Im März dieses Jahres schätzte die US-Behörde National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) die Wahrscheinlichkeit für die Bildung eines El Niño im Sommer auf 62 Prozent. „Sollte sich El Niño entwickeln, bleibt seine mögliche Stärke noch sehr unsicher. Es besteht eine Chance von eins zu drei, dass das Phänomen zwischen Oktober und Dezember 2026 ‚stark‘ ausfällt“, teilte das Klimavorhersagezentrum der NOAA mit.

Offiziell gibt es den Begriff zwar nicht, doch die besonders starke Ausprägung wird bereits als „Super-El-Niño“ bezeichnet. Im Amazonasgebiet könnte dies „eine verlängerte Trockenzeit und ein höheres Risiko für Waldbrände“ bedeuten, erklärt Studienleiterin Ane Alencar.

El Niño kann durch eine Reihe tropischer Windstöße aus Westen ausgelöst werden, die die Passatwinde abschwächen oder sogar umkehren. Dann strömt warmes Oberflächenwasser zurück in Richtung Südamerika. Die Erwärmung der Wasseroberfläche verhindert dort das Aufsteigen kälterer Tiefenwasser.

El Niño tritt unregelmäßig auf und hält in der Regel etwa ein Jahr an. Das Phänomen lässt die globalen Temperaturen steigen und begünstigt dadurch extremes Wetter wie Überschwemmungen.

Der Grund: Pro ein Grad Celsius Erwärmung der Luft kann die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Das führt zu intensiveren und heftigeren Regenfällen. El Niño verstärkt zudem Hitzewellen in den Tropen. Deshalb zählen El-Niño-Jahre oft zu den wärmsten überhaupt.

Präsident Lula: „Lasst uns für Null-Abholzung kämpfen“

Als Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva 2022 ins Amt kam, stand eine lange Liste umweltpolitischer Aufgaben vor ihm.

Unter seinem Vorgänger Jair Bolsonaro erreichte die Abholzung im Amazonasgebiet einen historischen Höchststand. Allein 2019, im ersten Jahr der Bolsonaro-Regierung, wurden 9.762 Quadratkilometer Wald gerodet – 30 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Die Amtszeit Jair Bolsonaros als Präsident Brasiliens hat die größten Rückschritte beim sozialen und ökologischen Schutz in der Geschichte unseres Landes gebracht“, sagte Adriana Ramos vom Instituto Socioambiental damals.

„Lasst uns für Null-Abholzung kämpfen“, rief Lula in seiner Siegesrede 2022 und kündigte an, die Praxis bis 2030 zu beenden. Seitdem steht dieses Versprechen im Zentrum seiner Politik. Auf der Klimakonferenz COP27 sagte er: „Es gibt keine Klimasicherheit für die Welt ohne einen geschützten Amazonas.“ Brasilien werde „alles tun, um Null-Abholzung und keine weitere Zerstörung unserer Biome zu erreichen“.

Seine Versprechen scheinen Wirkung zu zeigen. In den ersten sechs Monaten seiner Amtszeit ging die Abholzung im Amazonasgebiet um ein Drittel zurück. Bis April 2023 war sie im Vergleich zum Vorjahr um 68 Prozent gesunken. Daten aus dem ersten Quartal 2026 zeigen, dass die Rodung auf den niedrigsten Stand dieses Jahrzehnts gefallen ist.

Der linksgerichtete Präsident strebt bei den Wahlen im Oktober eine vierte, nicht aufeinanderfolgende Amtszeit an und setzt dabei auch auf sein Engagement für den Umweltschutz. Zugleich erntet er scharfe Kritik von Aktivisten, weil er ein großes Offshore-Ölprojekt vor der Amazonas-Küste unterstützt.

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