Das Gericht in Luanda hat zwei russische Staatsbürger wegen Spionage und Terrorismus zu Haftstrafen verurteilt. In das Verfahren sind zwei Angolaner verwickelt: Einer erhält eine Bewährungsstrafe, der andere wird von allen Vorwürfen freigesprochen.
Das Gericht in Luanda hat an diesem Mittwoch Lev Lakshtanov und Igor Ratchin wegen Terrorismus und Spionage zu acht und elf Jahren Haft verurteilt.
Die beiden russischen Staatsbürger sitzen seit August 2025 zusammen mit zwei angolanischen Mitangeklagten in Angola in Haft. Anlass war der viel beachtete Taxifahrerprotest, der im Juli des Vorjahres in Luanda gegen höhere Treibstoffpreise und steigende Tarife im öffentlichen Verkehr ausbrach. Bei den Protesten kamen mindestens 22 Menschen ums Leben, 197 wurden verletzt und mehr als 1.200 Personen landesweit festgenommen.
Die Ausschreitungen vom 28. bis 30. Juli 2025 breiteten sich auf mehrere Regionen des Landes aus. Randalierer beschädigten Fahrzeuge von Behörden, aber auch von Privatpersonen.
Auch Bankfilialen, Geschäfte und Supermärkte wurden geplündert. Zudem kam es zu Zusammenstößen zwischen vor allem jungen Demonstrierenden und Polizeikräften.
Die vier Beschuldigten wurden festgenommen und unter anderem der öffentlichen Aufwiegelung zu Straftaten, der Spionage, der Organisation und Finanzierung von Terrorismus sowie der aktiven Bestechung von Beamten beschuldigt.
Staatsanwälte in Angola warfen den beiden Russen vor, Aktivitäten zur Destabilisierung des Landes geplant zu haben. Sie sollen einen Staatsstreich vorbereitet und versucht haben, die Kontrolle über die nationalen Wirtschaftsressourcen zu übernehmen.
Im Januar 2026 (Quelle auf Portugiesisch) wiesen Lev Lakshtanov und Igor Ratchin jede Verbindung zu Terrororganisationen zurück. In ihrer Aussage erklärten sie, sie seien für kulturelle und geschäftliche Aktivitäten im Land gewesen. Die Ermittler des Nationalen Departements für Ermittlungen und Strafverfolgung (DNIAP) teilten dem Gericht jedoch mit, die beiden hätten sich mit Politikern der Regierungspartei und der Opposition getroffen und fügten hinzu, die Russen hätten beabsichtigt, der Oppositionspartei UNITA mit Blick auf die allgemeinen Wahlen 2027 finanzielle Unterstützung zu leisten.
Die vom DNIAP geführten Ermittlungen, die die russischen Angeklagten als inkompetent bezeichneten, kamen außerdem zu dem Schluss, dass sie mit Africa Politology verbunden seien. Dabei handle es sich um ein „obskures russisches Netzwerk, das Berater und Akteure von Einflussoperationen, Lobbyisten und Anwälte sowie Länderexperten vereint, die politische Beratung im Dienst russischer Einflussnahme anbieten“, meldete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf einen Bericht der Gruppe „All Eyes on Wagner“.
Für die beteiligten Angolaner fällte das Gericht unterschiedliche Urteile: Der Sportjournalist Amor Carlos Tomé erhielt eine auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe, während Francisco Oliveira, Generalsekretär der Jugendorganisation der wichtigsten Oppositionspartei UNITA, freigesprochen wurde.
In einer Mitteilung erklärte der Verteidiger der angolanischen Angeklagten, er habe Freispruch für alle seine Mandanten beantragt, doch nur einer der Beschuldigten sei vollständig freigesprochen worden.
Nach Angaben der angolanischen Presse (Quelle auf Portugiesisch) wollen auch die beiden Russen gegen das Urteil in Berufung gehen.