Kanzler Friedrich Merz (CDU) verspricht nach dem Anschlag auf den Berliner CSD schnelle Aufklärung und entschlossenes Handeln. Eine Frau wurde getötet, 29 Menschen verletzt. Der mutmaßliche, islamistische Täter ist weiterhin auf der Flucht.
Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat heute bestätigt: Eine Frau wurde beim Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD) am Samstagabend getötet, 29 Menschen verletzt, teilweise schwer, einige lebensgefährlich. Am Rande der Veranstaltung ist im sogenannten Tiergarten ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. Die Pride-Veranstaltung wurde daraufhin beendet. Laut Dobrindt wurde die Tat als "islamistischer Terroranschlag" eingestuft.
Wie der Minister in einem Statement am Tatort am Sonntagmittag erklärte, setzte der mutmaßliche Täter nicht nur den Transporter als Tatwaffe ein, im Anschluss soll er mit einer Machete auf Menschen losgegangen sein. Dabei wurde eine Frau getötet, 29 weitere verletzt. Dobrindt sagte, er sei "fassungslos und tief erschüttert".
Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner ereignete sich der Anschlag außerhalb der offiziellen CSD-Route. Die Demonstrationsstrecke selbst sei nicht betroffen gewesen. Allerdings hätten sich nur wenige hundert Meter entfernt noch zahlreiche Menschen aufgehalten, die von der Veranstaltung kamen oder sich dort aufhielten.
Wie ein Sprecher der Charité-Klinik der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitteilte, konnten bereits vier Patienten entlassen werden. Vier weitere werden weiterhin auf der Intensivstation behandelt, jedoch würde "zum jetzigen Zeitpunkt" keine Lebensgefahr bestehen.
Bundeskanzler Merz: "Werden die Freiheit verteidigen"
Sonntagnachmittag nahm Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an einem Gottesdienst für die Opfer und deren Angehörige in der St. Marienkirche am Berliner Alexanderplatz, teil. Neben dem Kanzler waren auch Bildungsministerin Karin Prien (CDU) und Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) anwesend.
Vor dem Gottesdienst sagte Merz, dass "wir die Freiheit verteidigen" werden und nicht "zulassen, dass dieses Gift des Terrorismus und dieses Gift gegen unsere Freiheit weiter um sich in unserer Gesellschaft greift".
Merz kündigte an, alles daranzusetzen, den oder die Verantwortlichen schnellstmöglich zu fassen. Anschließend werde die Bundesregierung die Konsequenzen aus der Tat prüfen und entsprechende Entscheidungen treffen. Dabei wolle man besonnen, zugleich aber entschlossen handeln. Straftäter hätten "in der Mitte unserer Gesellschaft keinen Platz", sagte Merz. Zugleich betonte er, die Freiheit der Gesellschaft werde man unabhängig von parteipolitischen Differenzen verteidigen.
Wer ist der Tatverdächtige?
Der Tatverdächtige Abdul B., ein 21-jähriger deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln, ist weiterhin auf der Flucht. Laut Dobrindt wurde der Mann 2005 in Deutschland geboren. Den Behörden sei er bereits zuvor wegen zahlreicher Straftaten bekannt gewesen, wie aus Recherchen der SZ, NRD und WDR hervorgeht.
Demnach wurde er von den Sicherheitsbehörden als radikalisiert und gewaltbereit eingestuft, und soll zudem versucht haben, nach Syrien zu reisen um sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) anzuschließen. Weiter heißt es, dass er vergangenes Jahr bei der Rückreise aus dem Libanon am Berliner Flughafen wegen Verdachts auf Vorbereitung einer terroristischen Straftat verhaftet wurde. Bis Mai 2026 saß er in Untersuchungshaft.
Abdul B. war in Deradikalisierungsprogramm
Wie die Tageszeitung Die Welt berichtete sollte der mutmaßliche Täter an einer Deradikalisierungsberatung teilnehmen. Allerdings war noch nicht entschieden, ob der 21-Jährige dauerhaft in das Programm aufgenommen wird, da er sich noch in der sogenannten Clearingphase befand, in der geprüft werden sollte, ob eine intensivere Betreuung sinnvoll ist.
Bislang hatte es erst zwei Gespräche gegeben, ein weiteres war für die kommende Woche vorgesehen. Die Termine fanden zunächst auf freiwilliger Basis statt. Laut den Berichten soll Abdul B. auf die Berater zwar höflich und kooperativ gewirkt haben, jedoch seien Zweifel aufgekommen, ob er sich ernsthaft auf den Deradikalisierungsprozess einlassen würde.
In einem Beitrag auf X warnte die Berliner Polizei davor, den mutmaßlichen Täter anzusprechen, da er möglicherweise bewaffnet und gefährlich sei.