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Spaniens "wilder Feuerwehrmann": Kann der Bison Waldbrände eindämmen?

Archiv: Ein Wisent weidet im Białowieża-Wald im Osten Polens, Oktober 2013.
ARCHIV: Ein Wisent weidet im Bialowieza-Wald im Osten Polens, Oktober 2013. Copyright  Copyright 2023 The Associated Press. All rights reserved.
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Von Rafael Salido
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Spanien kämpft mit schweren Waldbränden. Rewilding Spain prüft, ob Wisente oder Europäische Bisons Wälder besser vor Feuer schützen können.

Spanien erlebt derzeit eine Phase der wohl schwersten Waldbrände seiner Geschichte. Der Klimawandel begünstigt immer heftigere, schwer kontrollierbare Feuer. Forschende und Umweltbehörden suchen neue Wege, um das Risiko zu senken. Eine der originelleren Ideen: große Pflanzenfresser wie den Europäischen Bison oder Wisent wieder anzusiedeln, damit sie die wild wachsende Vegetation in Schach halten, das die Flammen nährt.

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Die Grundidee ist einfach: Je weniger brennbares Material es gibt, desto schwerer breiten sich Brände aus. Forschende warnen jedoch, dass es noch zu früh ist, um die Folgen genau zu kennen. Klar ist für sie auch, dass Bisons die klassische Waldpflege auf keinen Fall ersetzen.

Einen wichtigen Ansatzpunkt liefert die Nahrung der Wisente. Fernando Morán - der Tierarzt hatte 2008 Reserva y Centro de interpretación del Bisonte Europeo gegründet -, erklärte Euronews: „Eine Besonderheit des Tieres ist, dass es Holz, Gestrüpp, Sträucher, Baumvegetation, Blätter und Zweige frisst – alles brennbares Material (...). Wenn niemand es frisst oder entfernt, gerät es leicht in Brand.“

„Und was es nicht frisst, zertrampelt es, indem es darüberläuft“, so Morán. Deshalb bezeichnet er den Bison als „natürlichen Feuerwehrmann, einen wilden Feuerwehrmann, den die Natur selbst bestimmt hat“.

Pionierprojekt in Spanien und wachsendes Netzwerk in Europa

Mit diesem Ziel hat Rewilding Spain im Januar 2026 im Ort El Recuenco in der Provinz Guadalajara im Westen von Madrid ein neuartiges Forschungsprojekt gestartet, gemeinsam mit der Universität des Baskenlands, der Universität Manchester und dem dänischen Forschungszentrum Econovo. Neun Europäische Bisons leben dort in einem rund 400 Hektar großen Gebiet mit mediterranem Wald. Forschende untersuchen, wie sie sich an das iberische Ökosystem anpassen und welchen Einfluss sie auf die holzige Vegetation haben.

Nach Angaben der Organisation soll die Studie neue Daten dazu liefern, welche Rolle die Art bei der Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme spielt und wie sich widerstandsfähigere Wälder gegenüber Bränden und anderen Folgen des Klimawandels entwickeln lassen, erklärte die Organisation bei der Vorstellung des Projekts.

Dazu werden die Tiere mit GPS-Geräten überwacht, und die Forschenden analysieren ihre Ernährung, ihren Stresspegel und die Veränderungen in der Vegetationsstruktur.

Die Wiederansiedlung des Europäischen Bisons gehört zu einer Renaturierungsstrategie in vielen Regionen des europäischen Kontinents. Sie verfolgt zwei Ziele: geschädigte Ökosysteme zu erneuern und ihre Widerstandskraft gegen den Klimawandel zu erhöhen, während zugleich neue Entwicklungschancen für ländliche Gemeinden entstehen sollen.

Auch wenn die einzelnen Projekte unterschiedliche Ansätze verfolgen, beruhen sie alle auf derselben Prämisse: die ökologische Rolle der großen Pflanzenfresser bei der Gestaltung der Landschaft wiederherzustellen.

Nach Darstellung von Rewilding Spain gibt es eines der fortgeschrittensten Beispiele für „rewilding“, auch bekannt als „Renaturierung“ oder „Resilvestrierung“, in Großbritannien. Im Projekt Wilder Blean wurden Europäische Bisons zusammen mit anderen Arten wie Ponys, Rindern und Schweinen eingebracht, um die natürlichen Abläufe in einem alten Wald wiederherzustellen. Die Initiative verbindet ökologische Flächenbewirtschaftung mit Ecotourismus, Umweltbildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen. So soll die Rückkehr der Natur auch wirtschaftlich positive Auswirkungen für die Region bringen.

In anderen Ländern setzen die Projekte andere Schwerpunkte. Deutschland beherbergt eine der wenigen freilebenden Bisonpopulationen in Westeuropa. Seit April 2013 gibt es wieder freilebende Wisente im Rothaargebirge im Hochsauerland.

Polen, das Ursprungsland der Wiederansiedlung nach dem Verschwinden der Art in freier Wildbahn im 20. Jahrhundert, arbeitet daran, die genetische Vielfalt seiner Herden zu erhöhen, ihr Verbreitungsgebiet zu erweitern und das Zusammenleben mit land- und forstwirtschaftlichen Aktivitäten zu verbessern.

Mehr als nur Bisons

Die Idee, Tiere zur Reduzierung brennbarer Vegetation einzusetzen, ist nicht auf Spanien beschränkt. Ein Beitrag, der auf dem Portal des World Economic Forum veröffentlicht wurde und auf Forschungen der Nationalen Universität Australien basiert, hebt hervor, dass Säugetiere, Vögel und sogar Insekten zu Verbündeten im Kampf gegen Brände werden können, indem sie jene Teile von Bäumen und Sträuchern fressen, die besonders leicht Feuer fangen.

Der Artikel erinnert außerdem an eine Herde von 500 Ziegen, die half, die Ronald-Reagan-Präsidentenbibliothek in den USA zu schützen, indem sie das leicht entzündliche Buschwerk rund um den Gebäudekomplex abweidete.

Über die reine Brandprävention hinaus ist das Projekt Teil einer umfassenderen Strategie zur ökologischen Erholung. Die Kommunikationsverantwortliche von Rewilding Spain, Lidia Valverde, fasste diese Philosophie so zusammen: „‚Rewilding‘ ist ein neuer Ansatz, der die klassische Naturschutzidee ergänzt. Dahinter steht die Überzeugung, dass es nicht reicht, die bestehende Natur zu bewahren. Wir müssen die Bausteine, die in den Ökosystemen verloren gegangen sind, zurückbringen, damit die Natur ihr Gleichgewicht wiederfinden kann.“

Der Wisent oder Europäische Bison, das größte wild lebende Landsäugetier des Kontinents, zog einst über große Teile Europas, bis er nach dem Ersten Weltkrieg verschwand. Wie der Naturpark Cabárceno in Kantabrien erläutert , geht die heutige Wildpopulation auf „einige wenige reinrassige Tiere zurück, die in Zoos erhalten wurden“.

Der Park, der für Besucher geöffnet ist und einige der wenigen Exemplare der Art auf der Iberischen Halbinsel beherbergt, beteiligt sich seit Jahren an europäischen Zuchtprogrammen, die die genetische Vielfalt der Art erhalten sollen.

Genetik: mögliches Damoklesschwert der Art

Doch gerade die Geschichte ihrer Wiederansiedlung macht auch eine der größten Herausforderungen jeder weiteren Ausbreitung deutlich. Wie die Reserva y Centro de Interpretación del Bisonte Europeo erklärt, stammen alle heutigen Wisente von lediglich „zwölf ursprünglichen Tieren“ ab – einer sehr schmalen genetischen Basis, die eine sorgfältige Steuerung der Zuchtprogramme nötig macht, um die langfristige Überlebensfähigkeit der Art zu sichern.

Hinzu kommen weitere offene Fragen. Die Studie von Rewilding Spain soll sowohl die positiven Effekte als auch mögliche Belastungen für die Landschaft erfassen, bevor Schlussfolgerungen gezogen werden. Außerdem will sie klären, ob die Präsenz von Bisons mit anderen traditionellen Nutzungen des Waldes vereinbar ist, etwa mit Forstwirtschaft, Jagd oder Pilzsammeln.

Bislang betonen die Forschenden, dass es keine endgültigen Antworten gibt. Die Hypothese gilt als vielversprechend, doch es fehlen noch breitere Studien. In einem Spanien, das immer stärker extremen Bränden ausgesetzt ist, könnte der Europäische Bison zu einem weiteren Instrument werden, um die Landschaft zu schützen. Die Wissenschaft arbeitet jedoch noch daran, die tatsächliche Fähigkeit der Wisente zur Vorbeugung von Feuer präzise zu bestimmen.

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