Nach monatelangen Verhandlungen hat SDF-Anführer Mazlum Abdi die offizielle Auflösung seiner Truppe verkündet. Die einst wichtigste US-Partnerin im Kampf gegen den IS geht künftig vollständig in der syrischen Armee auf.
Mazlum Abdi, der Anführer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), hat am Dienstag die offizielle Auflösung der Miliz bekanntgegeben. Bei einer Pressekonferenz im Präsidialpalast in Damaskus erklärte Abdi, der Eingliederungsprozess der SDF in die syrische Armee sei abgeschlossen. Die Formation werde künftig nicht mehr als eigenständige Kraft auftreten.
Die von Kurden angeführte Truppe hatte im Januar nach einer Offensive der Regierung den Großteil ihres Einflussgebiets im Nordosten Syriens verloren. Danach unterzeichnete sie ein Abkommen, das ihren Anschluss an die Armee vorsah. Im Kampf gegen die Terrormiliz IS galt die SDF als wichtigster Partner der USA in Syrien. Nach dem Sturz des früheren syrischen Präsidenten Baschar al-Assad im Dezember 2024 suchte Washington jedoch die Nähe zur neuen Regierung in Damaskus, die von Übergangsstaatspräsident Ahmad asch-Scharaa geführt wird, einem früheren Anführer einer islamistischen bewaffneten Gruppe.
Integration in die Armee abgeschlossen
Bereits vergangene Woche hatte Abdi bei den Feiern zum 100. Jahrestag von Kamischli erklärt, die militärischen, sicherheitspolitischen und administrativen Strukturen der SDF seien vollständig in die staatlichen Institutionen Syriens integriert. „Von jetzt an treten wir in eine neue Phase ein", sagte Abdi damals und kündigte an, die politische Arbeit werde sich stärker darauf konzentrieren, die Rechte der Kurden in der syrischen Verfassung abzusichern.
Die Erklärung folgte auf monatelange Gespräche über ein im Januar erzieltes Abkommen. Es sieht vor, dass sämtliche zivilen und militärischen Einrichtungen der Kurden in die syrischen Staatsstrukturen übergehen. Die US-Regierung bezeichnete die Vereinbarung als "historisch". Übergangsstaatspräsident Ahmed asch-Schara hatte bereits am 16. Januar, als die Kämpfe noch andauerten, ein Dekret unterzeichnet, das die nationalen Rechte der Kurden garantiert und Kurdisch als nationale Sprache anerkennt. Mit dem Beschluss erklärte die Regierung Newroz zum gesetzlichen Feiertag, zudem erhielten viele Kurden, die lange keinen offiziellen Status besaßen, das syrische Bürgerrecht.
Nach Gefechten in Aleppo im Dezember 2025 kündigte die SDF an, ihre Einheiten westlich des Euphrat abzuziehen. Das syrische Verteidigungsministerium erklärte, die Armee werde die geräumten Gebiete besetzen. Teile der neuen syrischen Armee, die nach dem Sturz Assads aufgebaut wurde, bestehen aus bewaffneten Gruppen, die früher Unterstützung aus der Türkei erhielten und lange gegen kurdische Kräfte kämpften.
Die Türkei stuft die Volksverteidigungseinheiten (YPG), den Kernbestandteil der SDF, als syrischen Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ein. Die türkischen Streitkräfte hatten bereits die Operationen „Euphrat-Schild", „Olivenzweig" und „Friedensquelle" gegen YPG- und SDF-Stellungen geführt. Die PKK steht nicht nur in der Türkei, sondern auch in der EU, den USA, dem Vereinigten Königreich und Frankreich auf der Terrorliste.
Öcalan: Abkommen soll Prozess beschleunigen
In seiner Neujahrsbotschaft vom 30. Dezember 2025 erklärte PKK-Anführer Abdullah Öcalan, die Umsetzung der am 10. März geschlossenen Vereinbarung zwischen SDF und Damaskus werde den Prozess einer „terrorfreien Türkei" erleichtern und beschleunigen. Öcalan bezeichnete die Lage in Syrien als „deutlichen Ausdruck des Demokratisierungsbedarfs". Die seit Jahren herrschende zentralistische und repressive Ordnung habe die Forderungen verschiedenster gesellschaftlicher Gruppen nach Freiheit und Gleichheit gestärkt, sagte er.
Das Abkommen schaffe eine Grundlage für eine verhandelbare, demokratische Einbindung in das zentrale Staatssystem, so Öcalan. Eine „unterstützende, konstruktive und dialogbereite" Rolle der Türkei sei für den regionalen Frieden und die innere Stabilität des Landes entscheidend.