Alle reden derzeit über Sachsen-Anhalt - auch internationale Stars. Was Sie vielleicht noch nicht wussten - aus den Bereichen Kultur, Gesellschaft und Sport - erfahren Sie hier.
An diesem Sonntag wird in Sachsen-Anhalt ein neues Landesparlament gewählt.
Doch obwohl die meisten internationalen Medien über die Wahl berichten, wissen viele - auch in Deutschland - eher wenig über das Bundesland mit nur 2,1 Millionen Einwohnern, in dem es gleich ein halbes Dutzend von der UNESCO anerkannte Welterbestätten gibt.
1. Kennen Sie die faszinierende Himmelsscheibe von Nebra?
Die mysteriöse kreisförmige Bronzeplatte mit Applikationen aus Gold gehört zum Weltdokumentenerbe (Memory-Programm) der UNESCO.
Die etwa 4.000 Jahre alte Scheibe gilt als die älteste astronomische und vermutlich religiöse Darstellung des Himmels. Gefunden wurde das Werk aus der Bronzezeit 1999 in Ziegelroda in der Nähe der Stadt Nebra. Die Himmelsscheibe hat nur einen Durchmesser von etwa 32 cm, aber sie zieht viele Menschen bis heute in ihren Bann.
Zu sehen ist die Scheibe im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle in Sachsen-Anhalt.
2. Wer ist der am meisten portraitierte Deutsche?
Kulturell hat Sachsen-Anhalt besonders für historisch Interessierte einiges zu bieten.
Der Theologieprofessor Martin Luther ist 1483 in Eisleben geboren, er hat die Bibel ins Deutsche übersetzt. Daher basiert das spätere Neuhochdeutsch maßgeblich auf der Sprache der Region des heutigen Sachsen-Anhalt.
Und der einstige Mönch wollte die römisch-katholische Kirche vor allem wegen seiner Kritik am sogenannten Ablass-Handel - durch den sich die Menschen die Vergebung ihrer Sünden erkaufen konnten - von Grund auf reformieren.
Seine Thesen, die Luther in Wittenberg an die Schlosskirche genagelt haben soll, sind die Grundlage der Reformation und der evangelischen Kirche, die sich weltweit ausgebreitet hat.
Martin Luther stand Lucas Cranach dem Älteren und dessen Söhnen häufig Modell. Sie waren Hofmaler des sächsischen Kurfürsten in Wittenberg und mit dafür verantwortlich, dass der Gründer des Protestantismus zu den am meisten portraitierten Deutschen der Geschichte gezählt wird.
3. In Sachsen-Anhalt wurde die moderne Architektur begründet
In Sachsen-Anhalt befindet sich das Bauhausgebäude Dessau. Es ist das ehemalige Schulgebäude des Staatlichen Bauhauses in Dessau und wurde 1925 vom Bauhaus-Gründer Walter Gropius entworfen. Die Dessauer Bauhaus-Gebäude gelten als wegweisend für die Entwicklung der modernen Architektur. Sogenanntes modulare Bauen hat sich heute bei der Schaffung von günstigen Wohnraums durchgesetzt.
Das Staatliche Bauhaus war eine 1919 von Walter Gropius gegründete Kunstschule. Damals etwas völlig Neues, eine Zusammenführung von Kunst und Handwerk. Bauhaus steht heute weltweit für die Avantgarde der Klassischen Moderne in Architektur, Kunst und Design. Bedeutende Künstler wie Lyonel Feininger, Paul Klee, Oskar Schlemmer oder Wassily Kandinsky wirkten beim Bauhaus mit.
4. Tokio Hotel kommt aus einem Dorf in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt hat auch internationale Popstars hervorgebracht. Die in Los Angeles lebenden Zwillinge Bill und Tom Kaulitz sind zwar in Leipzig in Sachsen geboren, aber als Kinder mit ihrer Mutter nach Loitsche bei Magdeburg gezogen. Dort begannen sie bereits als Kinder, gemeinsam Musik zu machen.
Mit Songs wie "Durch den Monsun" wurde die Band ab 2005 auch international bekannt und verkaufte Millionen Tonträger. In Frankreich löste sie sogar einen regelrechten Deutsch-Hype aus: Jugendliche begannen, Deutsch zu lernen, um die Texte der Band verstehen zu können.
Tom Kaulitz ist heute mit dem internationalen Topmodel und Fernsehstar Heidi Klum verheiratet. Gemeinsam sind die beiden in der Netflix-Realityserie "Kaulitz & Kaulitz" zu sehen.
5. Rotkäppchen kommt aus Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt hat nicht nur kulturelle Schätze, sondern auch einen bekannten Namen aus dem Supermarktregal zu bieten. In Freyburg an der Unstrut wird seit mehr als 160 Jahren Sekt produziert – heute unter der Marke Rotkäppchen. Die Sektkellerei geht auf das Jahr 1856 zurück und gehört damit zu den traditionsreichsten Herstellern Deutschlands.
Der Name Rotkäppchen entstand übrigens erst später: Die charakteristische rote Kappe über dem Flaschenverschluss gab der Marke ihren Namen.
Heute ist Rotkäppchen eine der bekanntesten Sektmarken Deutschlands. Aus dem kleinen Weinbauort Freyburg ist damit eine Marke geworden, die weit über Sachsen-Anhalt hinaus bekannt ist.
6. Warum sind die Menschen in Sachsen-Anhalt am ältesten?
Nicht nur die Kaulitz-Brüder leben nicht mehr in Sachsen-Anhalt. Aus keinem deutschen Bundesland sind in den vergangenen Jahren so viele Bewohnerinnen und Bewohner abgewandert. Als die Mauer fiel, lebten noch mehr als 3 Millionen Menschen dort.
Wegen fehlender Jobs und Perspektiven sind vor allem junge Leute weggezogen, zumal es auf dem Land an öffentlichen Verkehrsmitteln mangelt.
Im vergangenen Jahr hatte sich auch die Hoffnung auf eine neue Chip-Fabrik in Magdeburg zerschlagen. Der US-Konzern Intel hat das Projekt mit 3.000 neuen Arbeitsplätzen auf Eis gelegt - wegen eigener strukureller Probleme. 2023 hatte die damalige Ampel-Koalition die Pläne massiv unterstützt.
Zurückgeblieben in Sachsen-Anhalt sind vor allem die Älteren, daher ist das Durchschnittsalter mit 48,3 Jahren das höchste in ganz Deutschland.
7. Otto der Große machte Magdeburg zum Zentrum Europas
Sachsen-Anhalt spielte bereits im Mittelalter eine zentrale Rolle in der europäischen Geschichte. Otto I., später "Otto der Große" genannt, wurde 912 geboren und war ab 936 König des Ostfrankenreichs. 962 ließ er sich in Rom zum Kaiser krönen und begründete damit die Tradition des mittelalterlichen römisch-deutschen Kaisertums.
Magdeburg war eines der wichtigsten Zentren seiner Herrschaft. Otto machte die Stadt zu einem politischen und religiösen Mittelpunkt und gründete dort 968 das Erzbistum Magdeburg. Sein Grab befindet sich heute im Magdeburger Dom. Sachsen-Anhalt gilt deshalb auch als eine der Regionen, in denen wichtige Grundlagen für die Entstehung des mittelalterlichen deutschen Reiches gelegt wurden.
Im Zuge der erforderlichen Sanierung des Steinsarkophags in Magdeburg wurden im Jahr 2025 die sterblichen Überreste freigelegt. Schon wenige Tage nach der Öffnung des Sarges im Juni hatten die Forscher mitgeteilt, dass die Gebeine auf einen etwa 60 Jahre alten Mann hindeuten. Zudem sei dieser mit rund 1,80 Metern Körpergröße für das Mittelalter überdurchschnittlich groß gewesen.
8. Weltrekord-Schwimmer und Spitzen-Handball
Zum Sportler des Jahres in Sachsen-Anhalt ist im vergangenen Dezember der Schwimmer Lukas Märtens vom SC Magdeburg gewählt worden. Seine Schwester Leonie Märtens ist ebenfalls eine erfolgreiche Schwimmerin. Der 24-Jährige hatte am 12. April 2025 in Stockholm einen neuen Weltrekord über 400 Meter Freistil aufgestellt - und zuvor 2024 bei der Olympiade in Paris eine Goldmedaille in derselben Disziplin gewonnen.
Und Sachsen-Anhalt spielt in der Handball-Weltliga ganz oben mit. Der SC Magdeburg zählt zu den erfolgreichsten Handballvereinen Deutschlands und hat sich in den vergangenen Jahren auch international etabliert. 2025 gewann der Verein zum dritten Mal die Champions League – zuvor hatte er den europäischen Titel bereits 2002 und 2023 geholt.
Sachsen-Anhalts Sportlerin des Jahres 2025 ist Anja Adler. Die Parakanutin vom SV Halle hat bei den Weltmeisterschaften in Mailand Bronze gewonnen, dann Silber in Dresden und Gold bei der WM in Ungarn. 2026 wurde die Brücke Adlerbogen über den Kanal in Halle nach Anja Adler benannt.
9. Auf dem Brocken treffen Hexen, Goethe und DDR-Geschichte aufeinander
Der Brocken ist mit 1.141 Metern der höchste Berg Sachsen-Anhalts und ganz Norddeutschlands. Schon Goethe machte den Berg berühmt: In seinem "Faust" lässt er die Hexen in der Walpurgisnacht auf dem Brocken feiern. Die Walpurgisnacht wird dort bis heute jedes Jahr mit zahlreichen Veranstaltungen begangen.
Doch der Brocken hat auch eine jüngere, weit weniger romantische Geschichte. Während der deutschen Teilung war der Gipfel Sperrgebiet und wurde von der DDR und der Sowjetunion für militärische und geheimdienstliche Zwecke genutzt. Heute ist der Brocken wieder frei zugänglich und gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen im Harz.
10. Die erste deutsche Dampfmaschine stand in Sachsen-Anhalt
Sachsen-Anhalt war auch ein Schauplatz der frühen Industrialisierung. Im Jahr 1785 wurde im Harz eine der ersten Dampfmaschinen Deutschlands in Betrieb genommen. Sie wurde nach dem Vorbild der Maschinen des britischen Erfinders James Watt gebaut und im Bergbau eingesetzt.
Die Dampfmaschine sollte helfen, Wasser aus den Bergwerken abzupumpen und damit den Abbau von Rohstoffen zu erleichtern. Was heute wie eine technische Selbstverständlichkeit wirkt, war damals eine Revolution: Maschinen konnten erstmals einen Teil der schweren körperlichen Arbeit übernehmen. Sachsen-Anhalt gehört damit auch zu den Regionen, in denen die industrielle Entwicklung Deutschlands früh begann.
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