UN-Sonderprogramm für die Länder Zentralasiens: 25 Jahre SPECA-Forum

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Von Galina PolonskayaSabine Sans
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Nachhaltiger Verkehr, Handel und Energie gehören zu den Schlüsselbereichen des SPECA-Forums, das 1998 gegründet wurde, um die Integration dieser Länder in die Weltwirtschaft zu erleichtern und eine Plattform für die Zusammenarbeit zur Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

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Baku hat die Teilnehmer der SPECA-Woche begrüßt, einem UN-Sonderprogramm für die Länder Zentralasiens. Das Programm feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen.

Zum ersten Mal fand ein Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der SPECA-Staaten statt. Das Hauptthema war, die Region zu einer globalen Drehscheibe zu machen.

Nachhaltiger Verkehr, Handel und Energie gehören zu den Schlüsselbereichen des SPECA-Forums, das 1998 gegründet wurde, um die Integration dieser Länder in die Weltwirtschaft zu erleichtern und eine Plattform für die Zusammenarbeit zur Erreichung der UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

SPECA vereint 5 zentralasiatische Länder sowie Afghanistan, Aserbaidschan und 2 UN-Organisationen. Der Gipfel unterstützte die Einrichtung des SPECA Multi Partner Trust Fund unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen.

Aserbaidschan, das in diesem Jahr den SPECA-Vorsitz innehat, wird 3,5 Millionen US-Dollar in diesen Fonds einzahlen.

Auf die Frage, welche Bedeutung das SPECA-Programm für die Volkswirtschaften der beteiligten Länder hat, antwortet der Präsident Aserbaidschans Ilham Aliyev:  

"Dieses Programm basiert auf den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Zentralasien und Aserbaidschan. Heute gibt es eine neue Dimension dieser Interaktion. In den vergangenen zwei Jahren hat die aktive Interaktion zwischen Aserbaidschan und allen zentralasiatischen Ländern, aber auch zwischen den zentralasiatischen Ländern untereinander ein neues Niveau erreicht. Das ist eine neue Realität, die wir nutzen müssen. Wir haben ausgezeichnete Beziehungen zu allen SPECA-Ländern. Wir haben viele Investitionsprojekte: Aserbaidschan investiert in Zentralasien und Zentralasien investiert in Aserbaidschan. Wir haben Projekte wie die transkaspische Ost-West-Route, die eine der attraktivsten Transportrouten für Zentralasien ist - mit Verbindungen zum Schwarzen Meer, zum Mittelmeer und nach Europa über integrierte Verbundprojekte. Auch auf politischer Ebene ist eine positive Dynamik zu beobachten."

Die auf dem Gipfel verabschiedete Erklärung von Baku unterstreicht den starken politischen Willen, das enorme wirtschaftliche Potenzial der Region gemeinsam zu nutzen.

_"Die Analyse zeigt die Möglichkeit auf, den gegenseitigen Handelsumsatz unserer Länder von derzeit 52 Milliarden Dollar bis 2030 _auf 100 Milliarden Dollar zu steigern", meint der Präsident Usbekistans Shavkat Mirziyoyev.

Drehscheibe für Verbindungen zwischen Europa und Asien

Auf dem SPECA-Wirtschaftsforum, das im Vorfeld des Gipfels stattfand, wurde diskutiert, wie die Region zu einer Drehscheibe für Verbindungen zwischen Europa und Asien werden kann.

_"Es ist die wichtigste Plattform, die eine der größten Regionen der Welt _mit Binnenstaaten zusammenbringt", so Samad Bashirli, Stellvertretender Minister für Wirtschaft, Aserbaidschan und Ko-Vorsitzender des SPECA-Wirtschaftsforums. _"_Als Binnenländer müssen wir zusammenarbeiten und unsere Zusammenarbeit im Verkehrsbereich ausbauen, was wiederum unseren Handel erleichtern und unsere Integration in die Weltwirtschaft verbessern wird."

Die Verbesserung der logistischen Kapazität und des Leistungsindex der Handelskorridore ist für die SPECA-Binnenstaaten von entscheidender Bedeutung.

_"Wir sehen eine große Rolle für digitale Lösungen, damit Waren den Korridor zwischen Europa und Asien _viel schneller passieren können", erklärt Dmitry Mariyasin, stellvertretender UNECE-Exekutivsekretär. _"_Es geht darum, UN-Normen und Standards zu übernehmen, wie zum Beispiel die Mitgliedsstaaten den Zoll abwickeln und wie Frachtdokumente ausgetauscht werden. Es geht darum, dass die verschiedenen Teile des Ökosystems, Händler, Zollbehörden und Regierungsbeamten ähnliche Ansätze verfolgen und eine gemeinsame Sprache sprechen. Und darauf konzentrieren wir uns seitens der UNO."

Die transkaspische internationale Transportroute

Im Mittelpunkt des Forums stand die transkaspische internationale Transportroute. Dieser multilaterale, multimodale Korridor verbindet China und Europa und durchquert die Region über Fährterminals, Schienensysteme und Straßen durch mehrere Länder.

Zur Steigerung der Effizienz des Zentralkorridors wurde ein Fahrplan für die Digitalisierung des multimodalen Daten- und Dokumentenaustauschs gemäß UN-Standards und -Dokumenten in Baku entwickelt.

_"Die Idee ist, die Digitalisierung entlang der gesamten Lieferkette mit Hilfe von UN-Standards _zu harmonisieren", so Mario Apostolov, regionaler Berater bei der UNECE-Abteilung ECT. _"_Semantische UN-Standards und Referenzdatenmodelle, sodass Daten nahtlos entlang der gesamten Lieferkette fließen können, von einem Verkehrsträger, von einem Sektor der Lieferkette zum anderen; das Schlüsselwort für all das ist Interoperabilität."

Gaidar Abdikerimov, Generalsekretär der Transkaspischen Internationalen Transportroute, erläutert: "Wir arbeiten daran, eine multimodale Strecke zu entwickeln. Da die Nachfrage steigt, erwarten wir, dass die Umsetzung der SPECA-Beschlüsse und -Empfehlungen einen Multiplikatoreffekt haben wird, der den Güterverkehr auf unserem Korridor erheblich steigern wird."

Nachhaltigkeit und erneuerbare Energiequellen

Ein weiteres wichtiges Thema der Diskussionen in Baku war die Frage, wie SPECA zu einer Region mit vernetzten Energiesystemen werden kann, die auf kohlenstoffärmere Energiequellen umsteigt.

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_"Wir ermutigen die Mitgliedsstaaten, erneuerbare Energiequellen zu entwickeln, sie durch kohlenstoffarme und kohlenstofffreie Technologien in ihren Energiemix zu integrieren und die Netzkapazität zu erhöhen, um zusätzliche erneuerbare _Energiekapazitäten aufzunehmen", so die UNECE-Referentin für wirtschaftliche Angelegenheiten Iva Brkic. _"_Das wird der Region helfen, ihre Energieresilienz zu verbessern und eine Netto-Null-Bilanz zu erreichen."

Die UN-Organisationen arbeiten mit den SPECA-Staaten zusammen, um Instrumente zu entwickeln und Energiepolitiken zu gestalten, um resiliente und kohlenstoffneutrale Energiesysteme zu erreichen.

Euronews fragte den Präsidenten Kasachstans, wie sein Land die Netto-Null-Transformation sieht:

"Wir nehmen die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft und die Diversifizierung unserer Wirtschaft sehr ernst, indem wir die Entwicklung kohlenstofffreier Sektoren i__n Kasachstan vorantreiben", sagte Kasym Jomart Tokayev. _"_Ja, das ist eine Herausforderung und erfordert zunächst ein großes Umdenken. Aber das ist ein allgemeiner Trend in der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung ist und Kasachstan wird nicht hinterherhinken. Gleichzeitig engagieren wir uns sehr für den Umweltschutz. Ja, Kasachstan ist in seinem Energiemix noch auf Kohle angewiesen, aber ich denke, dass sich die Situation in naher Zukunft positiv verändern wird."

Das Energiepotenzial der Region ist riesig. Die SPECA-Staaten arbeiten an der Diversifizierung der Energietransitrouten zu den Weltmärkten.

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"Die Energieressourcen sind__ungleich verteilt", meint Samir Valiyev, stellvertretender Minister für Energie in Aserbaidschan. _"_Um die Energieversorgungssicherheit der Länder zu gewährleisten, sind Kooperation und Verbundnetze unerlässlich. Das SPECA-Programm des Forums trägt dazu bei, diese Zusammenarbeit zu fördern, ebenso wie die Organisation laufender Diskussionen und die Harmonisierung von Regeln und Gesetzen zur Unterstützung und Organisation verschiedener Infrastrukturprojekte."

Klimawandel und Wasserknappheit gehören zu den größten Herausforderungen der Region. SPECA kann zweifellos eine wichtige Rolle bei der Bewältigung dieser Herausforderungen spielen.

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