Netflix-Aktien fallen im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent. Der Gewinn liegt über den Erwartungen der Wall Street.
Netflix hat das vergangene Jahr mit soliden Zahlen abgeschlossen. Zugleich warnte der Konzern vor Gegenwind, vor allem wegen des geplanten Deals mit Warner Bros Discovery.
Die am Dienstag vorgelegten Ergebnisse für das vierte Quartal übertrafen die Prognosen der Wall Street. Der Videodienst beendete das Jahr mit mehr als 325 Millionen Abonnenten weltweit. Seit 2024 kamen damit rund 23 Millionen Abonnenten hinzu.
Der Zuwachs im Jahr 2025 fiel deutlich geringer aus als die 41 Millionen Neukunden im Jahr 2024. Das schürt die Sorge von Investoren, das Wachstum habe seinen Höhepunkt erreicht. Ausgelöst wurde der Boom durch die Ende 2022 eingeführte, günstigere und werbefinanzierte Variante.
Für Januar bis März stellt das Management einen Gewinn in Aussicht, der unter den Erwartungen der Analysten liegt. Zugleich will Netflix bis zum Abschluss des Warner-Deals keine eigenen Aktien mehr zurückkaufen.
Trotz erwarteter Verdopplung des Werbegeschäfts rechnet Netflix damit, dass das Umsatzwachstum von 16 Prozent im Jahr 2025 auf zwölf bis vierzehn Prozent in diesem Jahr zurückgeht.
„Insgesamt deutet das auf einen herausfordernden Jahresauftakt hin“, sagte Thomas Monteiro, Analyst bei Investing.com.
Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent. Dabei lagen Gewinn und Umsatz im vergangenen Quartal über den Erwartungen. Das Unternehmen verdiente 2,4 Milliarden Dollar (2,05 Milliarden Euro), beziehungsweise 56 Cent je Aktie, ein Plus von neunundzwanzig Prozent im Jahresvergleich. Der Umsatz stieg um achtzehn Prozent auf mehr als 12 Milliarden Dollar (10,24 Milliarden Euro).
Der Streamingdienst rechnet zudem damit, dass die Inhaltekosten 2026 um rund zehn Prozent steigen. Im ersten Halbjahr fällt der Anstieg höher aus, weil viele Titel früher starten. Im Zusammenhang mit der Warner-Bros-Übernahme erwartet Netflix 2026 zusätzliche Kosten von 275 Millionen Dollar (234,57 Millionen Euro).
Der Kampf um Warner
Der Bieterstreit um Warner nahm am Dienstag eine weitere Wendung. Netflix wandelte sein ursprüngliches Angebot mit Aktienkomponente in ein reines Barangebot um. So soll die Übernahme einfacher werden und den Warner-Aktionären helfen, den Annäherungsversuchen des Rivalen Paramount zu widerstehen.
Warner Bros bekräftigt, den Deal mit Netflix durchziehen zu wollen. Paramount zeigt jedoch keine Anzeichen des Rückzugs und könnte sein Gegenangebot noch nachbessern.
Paramount teilte den Aktionären Anfang des Monats mit, man werde Kandidaten für den Warner-Aufsichtsrat nominieren, die gegen die Vereinbarung mit Netflix stimmen sollen. Zudem reichte das Unternehmen eine Klage ein, um umfassendere Offenlegung rund um den Deal zu erzwingen.
Netflix-Co-Chef Ted Sarandos setzte in einer Telefonkonferenz offenbar einen Warnschuss in Richtung Paramount. Er erinnerte daran, wie Netflix in seinen DVD-per-Post-Zeiten Rivalen wie Walmart und die inzwischen verschwundene Videokette Blockbuster abgewehrt hat. „Wir scheuen weder Konkurrenz noch Veränderung“, sagte Sarandos.
Neben dem Kampf mit Paramount muss Netflix auch die US-Aufsicht überzeugen, dass die Integration von HBO in den landesweit größten Streamingdienst den Wettbewerb nicht ausbremst und die Preise nicht nach oben treibt.
Die Unsicherheit spiegelt sich im Kurs. Seit Bekanntgabe der Vereinbarung mit Warner Bros Discovery im vergangenen Monat ist die Aktie um 20 Prozent gefallen. Diese Wolke dürfte Netflix noch lange begleiten. Der Abschluss ist erst möglich, wenn Warner sein Kabel-TV-Geschäft abspaltet. Das dauert voraussichtlich sechs bis neun Monate.
„Der Schritt zu einem reinen Barangebot zeigt, wie sehr Netflix seinen Preis will“, sagte Danni Hewson, Leiterin der Finanzanalyse bei AJ Bell. „Aktionäre hoffen, dass derselbe Ehrgeiz eine neue Gegenofferte von Paramount Skydance auslöst – und womöglich noch einige weitere Runden in diesem Bieterstreit.“
Genau dort könnte es für Netflix knifflig werden. Zu viel zahlen will der Konzern nicht. Geschlagen werden im Rennen um Inhalte will er aber auch nicht.