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Inflation im Euroraum sinkt auf 1,7 Prozent: Dreht die EZB an der Zinsschraube?

EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht in Frankfurt auf einer Pressekonferenz nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag zu Medienvertretern.
EZB-Präsidentin Christine Lagarde spricht in Frankfurt auf einer Pressekonferenz nach der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank. Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Piero Cingari
Zuerst veröffentlicht am
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Im Januar sank die Inflation im Euroraum auf ein Komma sieben Prozent, der niedrigste Wert seit September zweitausendvierundzwanzig und unter dem Zwei-Prozent-Ziel der EZB. Die Kernteuerung ging auf zwei Komma zwei Prozent zurück, weil Energie deutlich billiger wurde.

Die Teuerung im Euroraum ist im Januar weiter zurückgegangen. Sie erreichte den niedrigsten Stand seit September 2024 und fiel damit unter das mittelfristige Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB).

Nach einer Schnellschätzung von Eurostat ist die jährliche Inflation von genau zwei Prozent im Dezember leicht gesunken; das entsprach den Erwartungen der Finanzmärkte.

Kerninflation geht weiter zurück

Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, sank im Jahresvergleich von zwei Komma drei auf zwei Komma zwei Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit Oktober 2021. Auf Monatsbasis gingen die Verbraucherpreise um null Komma fünf Prozent zurück und verzeichneten damit den stärksten Rückgang seit November 2023.

Dienstleistungen verzeichneten mit drei Komma zwei Prozent weiterhin die höchste Jahresteuerung, nach zuvor drei Komma vier Prozent. Lebensmittel, Alkohol und Tabak zogen leicht an auf zwei Komma sieben Prozent. Industriegüter ohne Energie legten nur verhalten um null Komma vier Prozent zu. Energie verbilligte sich dagegen deutlich um vier Komma eins Prozent, nach einem Rückgang von eins Komma neun Prozent im Vormonat.

Im Monatsvergleich sanken die Preise im gesamten Währungsraum um null Komma fünf Prozent. So stark waren sie zuletzt im November 2023 gefallen.

In den größten Volkswirtschaften der Eurozone blieb der Preisdruck verhalten. In Deutschland lag die jährliche Teuerung den Schätzungen zufolge bei zwei Komma eins Prozent und damit in etwa auf dem Durchschnittsniveau des Euroraums. In Italien stieg sie nur auf ein Prozent, ein Zeichen schwacher Binnennachfrage.

Frankreich stach mit geschätzten null Komma vier Prozent hervor. Das ist der niedrigste Wert im Währungsraum und unterstreicht die kräftige Disinflation der vergangenen Monate. Die Slowakei meldete mit vier Komma zwei Prozent die höchste Jahresteuerung.

Nachlassende Inflation zeigt schwache Nachfrage

Einige Ökonomen sehen den Rückgang der Inflation allerdings nicht nur positiv.

Joe Nellis, emeritierter Professor und Wirtschaftsberater beim Beratungsunternehmen MHA, warnt, dass der disinflationäre Trend zum Teil auf eine schleppende Nachfrage zurückgeht.

„Das ist nicht unbedingt ein Grund zum Feiern“, sagte Nellis.

„Das schwache Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre hat die Nachfrage gedämpft und die Inflation mit nach unten gezogen.“

Sinkende Energiepreise haben die Entwicklung zusätzlich gebremst. Die Kerninflation erweist sich dennoch als hartnäckiger. Ihr Schwung lässt aber weiter nach, von einer neuen Beschleunigung ist nichts zu sehen.

Da die Inflation inzwischen nahe am Ziel liegt und das Wachstum in großen Teilen des Euroraums schwach bleibt, sieht Nellis keinen Grund für weitere Zinserhöhungen.

Für Unternehmen wird das Umfeld berechenbarer. Eine Inflationsrate nahe am Zielwert schafft mehr Planungssicherheit bei Kosten und Preisen. Die Finanzierungskosten liegen zwar weiterhin über dem Niveau vor der Pandemie, sie sind aber bereits von ihren Höchstständen zurückgekommen und könnten im Laufe des Jahres 2026 weiter sinken.

Die Nachfrage der Verbraucher dürfte sich allerdings nur langsam erholen, solange sich die Realeinkommen erst nach und nach verbessern.

Wie reagiert die EZB?

Die EZB dürfte die Zinsen bei der ersten Ratssitzung des Jahres am Donnerstag unverändert lassen.

Alexandre Strott, Volkswirt bei Goldman Sachs, rechnet deshalb mit einer unspektakulären Auftaktsitzung.

„Der EZB-Rat wird Zinsen und übrige Instrumente voraussichtlich unverändert lassen“, sagte er. Die neuen Daten lägen weitgehend im Rahmen der Projektionen, und die Notenbanker hielten den aktuellen Kurs nach wie vor für angemessen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürfte deshalb bereits zum sechsten Mal in Folge betonen, die Geldpolitik befinde sich in einem „good place“.

Roman Ziruk, leitender Marktanalyst beim Finanzdienstleister Ebury, sieht in den aktuellen Daten eher begrenzte Preisspannungen. Zugleich nähmen die Risiken zu, dass die Inflation das Ziel unterschreitet.

„Die rasche Aufwertung des Euro drückt die Importpreise spürbar“, sagte Ziruk. Zugleich schade sie der Wettbewerbsfähigkeit der Exporte, einem zentralen Wachstumstreiber der Eurozone.

An den Finanzmärkten, die noch vor wenigen Wochen eher mit einer Zinserhöhung gerechnet hatten, wird inzwischen eine Chance von rund einem Fünftel für eine Zinssenkung vor Jahresende eingepreist.

Ruben Segura-Cayuela, Ökonom bei Bank of America, erwartet, dass die EZB vorsichtig bleibt.

„Wenn die Unsicherheit im Dezember ein wesentlicher Grund für Lagardes Vorsicht war, dann ist sie seither eher noch gestiegen“, sagte er.

Bank of America rechnet weiterhin mit einer Zinssenkung um fünfundzwanzig Basispunkte im März 2026. Dies dürfte nach Einschätzung der Bank den letzten Schritt im Lockerungszyklus markieren, gefolgt von einer langen Pause in den Jahren 2026 und 2027.

Verhaltene Reaktion an den Märkten

Die Finanzmärkte reagierten nur verhalten auf die Zahlen. Der Euro notierte stabil bei rund eins Komma achtzehn US-Dollar. Die Renditen deutscher Bundesanleihen lagen mit zwei Komma achtundachtzig Prozent nahezu unverändert.

Aktien aus dem Euroraum legten leicht zu; der Leitindex Euro STOXX 50 gewann null Komma drei Prozent.

Die nationalen Leitindizes zeigten ein uneinheitliches, insgesamt aber positives Bild. In Deutschland stieg der DAX um null Komma null sechs Prozent, in Frankreich legte der CAC 40 um null Komma vierundsiebzig Prozent zu, und in Italien gewann der FTSE MIB null Komma neunundsechzig Prozent.

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