Die EU hat ein neues Freihandelsabkommen mit Australien geschlossen. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besiegelte den Deal am Dienstag gemeinsam mit Premierminister Anthony Albanese. Ziel ist es, Zölle auf die meisten Waren deutlich zu senken und den Handel auszubauen.
Für Brüssel ist das Abkommen ein weiterer Schritt, um Handelsbeziehungen breiter aufzustellen und strategische Partner zu stärken. Hintergrund sind zunehmende geopolitische Spannungen und der Wettbewerb um Einfluss im Indopazifik.
Nach Angaben der Kommission soll die EU durch den Pakt jährlich rund eine Milliarde Euro an Zöllen einsparen. Die Exporte könnten in den kommenden zehn Jahren um bis zu 33 Prozent steigen.
Zölle auf Lebensmittel und Industrieprodukte sinken Konkret sollen die Zölle innerhalb von drei Jahren schrittweise abgeschafft werden. Betroffen sind unter anderem Käse, Wein, Obst, Gemüse, Schokolade und verarbeitete Lebensmittel.
Besonders umstritten waren die Verhandlungen in der Landwirtschaft. Bei Rind- und Schaffleisch einigten sich beide Seiten auf Importquoten von 30.600 beziehungsweise 25.000 Tonnen pro Jahr. Ein Schutzmechanismus soll es der EU ermöglichen, einzugreifen, falls steigende Importe den europäischen Markt unter Druck setzen.
Die Landwirtschaft bleibt damit ein sensibler Punkt. Bereits beim Mercosur-Abkommen hatten EU-Landwirte protestiert, auch hier gilt die Zustimmung nicht als sicher.
Zugang zu Rohstoffen und Vorteile für Industrie Neben der Landwirtschaft geht es auch um strategisch wichtige Rohstoffe. Das Abkommen erleichtert der EU den Zugang zu australischen Ressourcen wie Lithium, Aluminium und Mangan.
Bei einem Streitpunkt musste Brüssel jedoch Abstriche machen: Die australische Luxussteuer auf Autos bleibt bestehen. Allerdings sollen künftig 75 Prozent der Elektrofahrzeuge aus der EU davon befreit werden.
Geopolitische Bedeutung wächst
Für die EU hat das Abkommen auch eine klare strategische Dimension. Brüssel baut gezielt Partnerschaften im Indopazifik aus, einer Region, in der China zunehmend an Einfluss gewinnt. Parallel wurde auch eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft mit Australien angekündigt.
"Die EU und Australien mögen geografisch weit voneinander entfernt sein, aber in unserer Weltsicht liegen wir nah beieinander", sagte von der Leyen. Mit den neuen Vereinbarungen wolle man noch enger zusammenrücken.
Seit der Rückkehr von Donald Trump ins Amt im Jahr 2025 haben Handelsabkommen für die EU zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Brüssel sucht verstärkt nach neuen Märkten und Partnern.
Zuletzt schloss die EU Abkommen mit Mexiko, der Schweiz und Indonesien. Weitere Gespräche laufen unter anderem mit den Philippinen, Thailand und den Vereinigten Arabischen Emiraten.