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Kaukasus und Zentralasien: neue Grenze für Investitionen?

Seine Exzellenz Dr. Muhammad Sulaiman Al Jasser, Vorsitzender der IsDB-Gruppe, trifft Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev bei den Jahrestagungen.
Dr. Muhammad Sulaiman Al Jasser, Präsident der IsDB-Gruppe, trifft Aserbaidschans Staatschef Ilham Aliyev bei den Jahrestagungen der Gruppe. Copyright  Photo Credit: azertag.az 
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Von Nadira Tudor
Zuerst veröffentlicht am
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Seit Jahrzehnten richten internationale Investoren ihren Blick auf Nordamerika, Europa, China und zuletzt Afrika. Nun, geprägt von wirtschaftlicher Unsicherheit und geopolitischen Spannungen, rückt der Kaukasus mit Zentralasien stärker in den Fokus.

Neue Handelsrouten, geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit verändern weltweit Investitionsentscheidungen. Immer mehr Aufmerksamkeit richtet sich deshalb auf eine Region, die internationale Märkte lange übersehen haben: den Kaukasus und Zentralasien.

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Die Suche nach neuen Investitionschancen und Handelswegen stand im Zentrum des Investment Outlook Forum. Die Veranstaltung war Teil der Jahrestagung der Islamic Development Bank (IsDB) Group und brachte politische Entscheidungsträger, Anleger, Entwicklungsfinanzierer und Unternehmensführungspersönlichkeiten zu Gesprächen und konkreten Vereinbarungen zusammen.

Alle 57 Mitgliedsländer kamen zusammen und signalisierten den Willen, den regionalen Zusammenhalt zu stärken. Sie diskutierten zudem, wie Aserbaidschan und die gesamte Region langfristige Investitionen anziehen und neue Wachstumsquellen erschließen können.

Der Wunsch, Handelsrouten von Russland weg zu verlagern, und der Druck, wirtschaftliche Unsicherheit zu begrenzen, verändern Investitionsstrategien weltweit.

Für viele Anleger bleiben die traditionellen Märkte wichtig.

Gleichzeitig rücken neue Regionen in den Blick, die strategisch günstig liegen, wachsende Verbrauchermärkte bieten und große Infrastrukturpotenziale haben.

Regionale Zusammenarbeit rückt in den Mittelpunkt

Dr. Khalid Khalafalla, Geschäftsführer der Islamic Corporation for the Insurance of Investment and Export Credit (ICIEC), betonte, der Austausch von Ideen solle sich möglichst in „praktischen Lösungen“ niederschlagen. Er erläuterte, warum islamische Länder enger zusammenarbeiten müssen.

„Angesichts der globalen Unsicherheit ist dies genau der richtige Zeitpunkt, damit unsere Mitgliedsländer zusammenrücken“, sagte er.

Er verwies zudem auf die finanzielle Integration zwischen den Staaten. Mit den vorhandenen Instrumenten könne Liquidität mobilisiert und gezielt in Entwicklungsprojekte gelenkt werden.

Ismail Ersahin, Geschäftsführer der World Association of Investment Promotion Agencies (WAIPA), sieht in der Kooperationsbereitschaft ein deutliches Zeichen der Solidarität.

„In Regionen, in denen Konflikte anhalten, ist es derzeit schwierig, dass Investitionen ungehindert fließen“, sagte er.

„Hier kommen die Menschen jedoch zusammen, zeigen Solidarität und arbeiten gemeinsam an Lösungen.“

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung von Ländern, die besonders auf Hilfe angewiesen sind, erklärte Muhammad Humair Karim, Staatssekretär im pakistanischen Wirtschaftsministerium.

_"_Regionale Vernetzung kann zur Entwicklung in der Region beitragen. Entwicklung lässt sich nicht von einem einzigen Akteur oder Land stemmen“, sagte er.

„Ich bin überzeugt, dass dies eine gemeinsame Verantwortung sein muss, damit Entwicklung wirksamer gelingt.“

Das Forum befasste sich mit Kapitaleinsatz, aktuellen Investitionstrends und den Chancen, die sich in Aserbaidschan, im Südkaukasus, in Zentralasien und im Nahen Osten abzeichnen.

Grenzüberschreitende Investitionen, industrielle Entwicklung, Infrastruktur, erneuerbare Energien und die wachsende Rolle der Entwicklungsfinanzierung bei der Mobilisierung privaten Kapitals standen auf der Tagesordnung. Aserbaidschan will sich in all diesen Bereichen als zentrales Drehkreuz etablieren.

Ulvi Mansurov, Vorstandsvorsitzender des Azerbaijan Business Development Fund (ABDF), betonte, dass für Investitionen mehr nötig sei als nur Kapital. Wichtig seien Unterstützungsangebote für Unternehmen, industrielle Entwicklung und ein Umfeld, in dem Betriebe wachsen und skalieren können.

„Es geht nicht allein um wirtschaftliche Integration oder Wachstum, sondern auch um den Austausch von Erfahrungen und Wissen“, sagte Mansurov.

Er hob hervor, wie wertvoll es sei, so viele Länder mit unterschiedlichen Praxiserfahrungen, Geschäftsmentalitäten und Ansätzen in der Regierungsführung an einem Ort zu versammeln.

Aserbaidschan setzt auf neue Investitionschancen

Das Land liegt an der Schnittstelle von Europa und Asien und hat massiv in Verkehrsinfrastruktur, Logistikkorridore und Energieprojekte investiert.

Politische Entscheidungsträger verweisen auf Aserbaidschans Lage am „Middle Corridor“ – der Route, die China und Zentralasien über den Südkaukasus mit Europa verbindet. Sie sehen darin einen strategischen Vorteil für Unternehmen, die nach alternativen Handelswegen und widerstandsfähigeren Lieferketten suchen.

Trotz reicher natürlicher Ressourcen, einer wachsenden Bevölkerung und sich ausweitender Märkte konkurrieren viele Länder der Region weiterhin um internationales Kapital.

Reformen, verlässliche Regulierungsrahmen und geeignete Finanzierungsmodelle gelten als Felder, in denen Verbesserungen nötig sind. Sie sollen Bedenken von Investoren abbauen, Vertrauen stärken und dringend benötigte langfristige Mittel anziehen.

Entwicklungsfinanzierer spielen dabei eine zentrale Rolle. Ihre Vertreter prüfen, wie Mischfinanzierungen, staatliche Partnerschaften und öffentlich-private Kooperationen Investitionen in Bereichen wie Infrastruktur, Industrie, Technologie und saubere Energie freisetzen können.

Wiederkehrende Themen sind außerdem regionale Integration, erneuerbare Energien und wirtschaftliche Diversifizierung.

Im Vorfeld von COP29 und angesichts der Pläne Aserbaidschans, die Erzeugung erneuerbarer Energien deutlich auszubauen, sondierten die Delegierten Investitionsmöglichkeiten in Solar- und Windkraft, Energieexporte und grüne Finanzierungsinstrumente.

Kritiker fragen jedoch, ob die Volkswirtschaften der Region schnell genug vorankommen, um regulatorische Hürden abzubauen, den Marktzugang zu verbessern und ein Umfeld zu schaffen, das große internationale Investitionen anzieht.

Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob Chancen bestehen, sondern ob der Kaukasus und Zentralasien ihr strategisches Potenzial in nachhaltiges Wachstum übersetzen und zu einer der nächsten großen Zielregionen für globale Investitionen werden können.

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