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Spanien setzt bei erster Bewerbung um EZB-Spitze auf Hernández de Cos laut Medien

ARCHIV: Ex-Notenbankchef Spaniens und heutiger BIZ-Gouverneur Pablo Hernández de Cos bei einem Treffen in Madrid am 29. Juni 2023
ARCHIV: Pablo Hernández de Cos, Ex-Präsident der Banco de España und heutiger Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, bei einem Treffen in Madrid, 29. Juni 2023 Copyright  AP Photo/Manu Fernandez
Copyright AP Photo/Manu Fernandez
Von Quirino Mealha
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die spanische Regierung schlägt Pablo Hernández de Cos vor. Der Chef der BIZ und frühere Präsident der Banco de España soll Christine Lagarde an der EZB-Spitze ablösen.

Madrid startet erstmals eine Bewerbung für den wichtigsten Posten in der Geldpolitik der Eurozone. Grund sind zunehmende Hinweise, dass Christine Lagarde die Europäische Zentralbank früher als vorgesehen verlassen könnte. Das würde den Wettbewerb um ihre Nachfolge eröffnen.

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Nach Informationen der spanischen Wirtschaftszeitung Expansión, die sich auf fünf mit dem Verfahren vertraute Personen beruft, setzt die spanische Regierung auf Pablo Hernández de Cos. Er ist Generaldirektor der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und früherer Chef der spanischen Notenbank.

Der Kontakt zwischen Hernández de Cos und dem Team von Erstem Vizepremier und Wirtschaftsminister Carlos Cuerpo ist eng und regelmäßig, berichten die Quellen. Das Ziel: den Spanier in das Präsidentenbüro im 40. Stock des EZB-Turms in Frankfurt zu bringen, das Lagarde noch bis Oktober 2027 innehat. An diesem Plan arbeitet die Regierung seit Monaten.

Hernández de Cos wollte sich dazu nicht äußern. Das Wirtschaftsministerium erklärte, Spanien strebe als eine der größten Volkswirtschaften und als einer der wichtigsten Anteilseigner im Euroraum selbstverständlich eine zentrale Rolle in der nächsten Phase der EZB an und werde zu gegebener Zeit eine entsprechende Bewerbung präsentieren.

„Das Auswahlverfahren hat noch gar nicht begonnen. Wenn es so weit ist, wird Spanien eine Person nominieren, die der Aufgabe gewachsen ist, und darüber informieren. Bis dahin bleibt genügend Zeit“, teilte das Ministerium mit.

An den Qualifikationen von Hernández de Cos gibt es kaum Zweifel.

Von 2018 bis 2024 stand er an der Spitze der Banco de España und gehörte während dieser Zeit dem EZB-Rat an. Von 2019 bis 2024 leitete er den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht. Im Juli 2025 übernahm er die Führung der BIZ. In diesem Jahr führt er mehrere Befragungen von Ökonominnen und Ökonomen an, die nach der am besten geeigneten Person für den Frankfurter Spitzenposten fragen.

Pablo Hernández de Cos, Generaldirektor der BIZ, EZB-Präsidentin Christine Lagarde und der italienische Notenbankchef Fabio Panetta beim IMFC-Treffen am 17. Oktober 2025
Pablo Hernández de Cos, Generaldirektor der BIZ, EZB-Präsidentin Christine Lagarde und der italienische Notenbankchef Fabio Panetta beim IMFC-Treffen am 17. Oktober 2025 AP Photo/Jose Luis Magana

Die Unterstützung der Regierung ist entscheidend. Frühere Berichte hatten nahegelegt, dass es im Regierungssitz Moncloa Vorbehalte gab, weil es während seiner Amtszeit zu Konflikten über die kritische Haltung der Banco de España zu Erhöhungen von Mindestlohn und Renten gekommen war.

Die genannten Quellen widersprechen dieser Darstellung entschieden. Das Wirtschaftsministerium habe Hernández de Cos stets als Spaniens einzige ernsthafte Option für die EZB-Spitze betrachtet – eine Chance, die man nicht verstreichen lassen wolle.

Regierungsrückhalt ist zudem mehr als eine Formalität. Kandidatinnen und Kandidaten für den EZB-Vorstand hatten ohne Unterstützung aus dem eigenen Land bislang keine Chance.

EZB-Präsidentschaft oder nichts

Allerdings gibt es eine Bedingung.

Hernández de Cos würde Basel nur für Frankfurt verlassen, wenn es um den Präsidentenposten geht. In seiner heutigen Funktion wäre kein anderer der sechs Sitze im EZB-Direktorium – auch nicht die Positionen des Chefvolkswirts oder des Verantwortlichen für Marktoperationen, über die demnächst entschieden wird – ein Aufstieg.

Sollte die Präsidentschaft nicht zu holen sein, will Madrid auf eine andere Person setzen, um wenigstens einen Direktoriumssitz zu sichern.

Spanien ist derzeit gar nicht im Direktorium vertreten. Die Vizepräsidentschaft von Luis de Guindos endete in diesem Jahr, sein Posten ging an den Kroaten Boris Vujčić. Ein solches Vakuum will das Wirtschaftsministerium nicht noch einmal hinnehmen. Schon zwischen dem Ausscheiden von José Manuel González-Páramo 2012 und dem Amtsantritt von de Guindos 2018 hatte Spanien keinen Sitz in der EZB-Führung.

Die mögliche vorzeitige Amtsaufgabe von Christine Lagarde beschleunigt den Zeitplan. Die Debatte über ihre Nachfolge dürfte nach dem Sommer deutlich an Fahrt gewinnen.

Berichte im Februar deuteten darauf hin, dass Lagarde noch vor der französischen Präsidentschaftswahl im April 2027 zurücktreten will. So könnten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz die Entscheidung maßgeblich mitgestalten.

In diesem Monat wollte Lagarde einen frühen Abschied nicht ausschließen. In der Zeitung Les Échos sagte sie, in der französischen Präsidentschaftsdebatte müsse „eine europäische Stimme“ zu hören sein. Gegenüber Euronews betonte sie anschließend: „Ich kandidiere für nichts.“

Die Nachfolge von Lagarde wird für eine nicht verlängerbare Amtszeit von acht Jahren bestimmt. Zunächst stimmen die Finanzministerinnen und Finanzminister des Euroraums über Kandidatenlisten ab und fassen eine qualifizierte Mehrheitsentscheidung. Danach treffen die EU-Staats- und Regierungschefs die endgültige Wahl. In einigen Fällen haben die Staats- und Regierungschefs direkt eine einzelne Person bestimmt – so auch bei Lagarde.

Derzeit wird Hernández de Cos vor allem mit dem Niederländer Klaas Knot sowie den Deutschen Joachim Nagel und Isabel Schnabel verglichen.

Aktualisiert mit Stellungnahme des spanischen Wirtschaftsministeriums

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