STOXX Europe 600 auf Rekordhoch: Das sind die zehn stärksten Europawerte 2026 an den Börsen – und was ihre Kursrally antreibt.
Europäische Aktien erklimmen einen Rekord nach dem anderen.
Der europäische Leitindex STOXX Europe 600 hat am Mittwoch einen weiteren Beststand erreicht. Er schloss bei rund 657 Punkten, nachdem er im Tagesverlauf ein neues Rekordhoch markiert und seine Gewinnserie auf die dritte Sitzung in Folge ausgedehnt hatte.
Auch der Bluechip-Index EURO STOXX 50, der die größten börsennotierten Unternehmen der Eurozone abbildet, setzte im Verlauf ein neues Allzeithoch. Der breiter gefasste Index liegt damit seit Jahresbeginn 2026 rund zehn Prozent im Plus.
Die Rally erfasst weite Teile des Marktes. Der deutsche DAX übersprang erstmals die Marke von 26.100 Punkten. In Frankreich kletterte der CAC 40 auf ein Rekordniveau von 8.700 Punkten, in Italien erreichte der FTSE MIB nie dagewesene 53.540 Punkte.
Rekordstände überall
Doch die Unternehmen, die den europäischen Bullenmarkt anführen, haben kaum noch etwas mit den bekannten Namen gemein, die lange das Bild der europäischen Börsen geprägt haben.
Luxuskonzerne spielen kaum eine Rolle. Auch die Pharmariesen, die traditionell viele europäische Depots dominieren, fehlen weitgehend. Selbst Banken, trotz eines starken Jahres, sind größtenteils abgehängt.
Stattdessen zählen zu den größten Gewinnern des Jahres 2026 jene Firmen, die die Infrastruktur für den KI-Boom liefern: Hersteller von Halbleiter-Wafern, Testanlagen für Chips, Hightech-Substrate und Industrietechnologie.
Europas Aktienmarkt wird nicht mehr von Marken angeführt, die Verbraucher aus dem Alltag kennen. Treiber sind zunehmend Zulieferer, die den weltweiten Investitionswettlauf rund um künstliche Intelligenz ermöglichen.
Warum Europas Aktien immer neue Rekorde erreichen
Mehrere Faktoren stützen die Rally.
Der unmittelbare Auslöser war geopolitischer Natur.
Berichte, wonach Washington und Teheran auf ein neues Abkommen zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zusteuern, drückten die Ölpreise deutlich. Das nahm Inflationsängsten den Druck und senkte die Kostenbelastung für Europas Industrie und Fluggesellschaften.
Auch die Konjunktur überrascht Anleger.
Nach einer ersten Schätzung von Eurostat wuchs die Wirtschaft der Eurozone im zweiten Quartal um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit verdoppelte sie die Erwartungen der Volkswirte nach einem stagnierenden ersten Quartal. Im Jahresvergleich zog das Wachstum auf 1,0 Prozent an.
Claus Vistesen, Chefökonom für die Eurozone bei Pantheon Macroeconomics, sagte, der Euroraum habe die Erwartungen „deutlich übertroffen und im zweiten Quartal ein BIP-Plus von 0,4 Prozent zum Vorquartal erzielt, nachdem das Wachstum im ersten Quartal nach oben revidiert bei null lag. Das lag 0,2 Prozentpunkte über dem Konsens und 0,1 Prozentpunkte über unserer Prognose“.
Unternehmensgewinne liefern ein weiteres wichtiges Standbein.
Die Ergebnisse im zweiten Quartal fielen überwiegend besser aus als erwartet. Gleichzeitig hat die weltweite Begeisterung für KI-Infrastruktur eine kleine Gruppe europäischer Technologielieferanten zu einigen der weltweit gefragtesten Aktien gemacht.
Die zehn Aktien mit der besten STOXX-Europe-600-Performance 2026
Dies sind die zehn europäischen Werte mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 1 Milliarde Euro, geordnet nach ihrer Kursentwicklung bis einschließlich 5. August.
10. ArcelorMittal (+65,3 %)
Europas Stahlprimus hat sich still und leise zu einem der großen Industriegewinner dieses Jahres entwickelt.
Die Aktie von ArcelorMittal legte seit Jahresbeginn 2026 um 65,3 Prozent zu und zählt damit bis zum 5. August zu den zehn stärksten Werten im STOXX Europe 600.
Der in Luxemburg ansässige Konzern erzielte im zweiten Quartal einen Umsatz von 16,5 Milliarden Dollar und ein bereinigtes operatives Ergebnis von 2,1 Milliarden Dollar – das beste Europageschäft seit drei Jahren.
Die Profitabilität verbesserte sich, weil neue EU-Importquoten den Wettbewerb durch billigeren Stahl aus dem Ausland dämpften. Gleichzeitig setzte das Unternehmen seine Aktienrückkäufe fort und schüttete damit mehr Geld an die Anleger aus.
9. Raiffeisen Bank International (+67,6 %)
Höhere Zinsen und eine robuste Wirtschaftsentwicklung in Mittel- und Osteuropa verhalfen der österreichischen Bank zu einer deutlich besseren Kursentwicklung als den meisten europäischen Wettbewerbern. Die Aktie von Raiffeisen Bank International legte bis zum 5. August um 67,6 Prozent zu.
Der Halbjahresgewinn ohne Russland stieg um 25 Prozent auf 708 Millionen Euro. Das Management hob daraufhin seine Prognose für den Jahresüberschuss aus dem Zinsgeschäft auf 4,4 bis 4,5 Milliarden Euro an.
Anleger reagierten zudem positiv auf die gestärkte Kapitalausstattung und nachlassende Sorgen um das Osteuropageschäft der Bank.
8. Saipem (+75,8 %)
Der italienische Ingenieur- und Anlagespezialist profitiert vom weltweiten Comeback der Offshore-Energieinvestitionen.
Die Saipem-Aktie liegt 2026 bis zum 5. August 75,8 Prozent im Plus und setzt damit eine der stärksten Aufwärtsbewegungen im europäischen Industriesektor fort.
Der Halbjahresumsatz stieg auf 7,35 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis erhöhte sich um 9,4 Prozent auf 836 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte auf einen Rekordwert von 29,9 Milliarden Euro und sichert dem Unternehmen damit Arbeit für Jahre, auch wenn die Prognose wegen konfliktbedingter Zusatzkosten von rund 70 Millionen Euro leicht nach unten angepasst wurde.
7. STMicroelectronics (+105,7 %)
Der französisch-italienische Chipkonzern zählt zu den größten europäischen Profiteuren der neuen Begeisterung für KI-Infrastruktur.
Die Aktien von STMicroelectronics haben sich 2026 mehr als verdoppelt und liegen 105,7 Prozent höher.
Der Quartalsumsatz im zweiten Vierteljahr stieg um 26 Prozent auf 3,49 Milliarden Dollar. Nach mehreren schwierigen Quartalen erzielte das Unternehmen wieder einen operativen Gewinn. Das Management stellte für das laufende Quartal einen Umsatz von rund 3,7 Milliarden Dollar in Aussicht – ein Hinweis darauf, dass der Abschwung im Halbleitermarkt allmählich ausläuft.
6. AIXTRON (+121,0 %)
Das deutsche Unternehmen produziert hochspezialisierte Anlagen für die Fertigung moderner Halbleiter.
Die AIXTRON-Aktie hat sich seit Jahresbeginn um 121 Prozent verteuert und zählt damit zu Europas großen KI-Gewinnern.
Die Aufträge im zweiten Quartal sprangen um 81 Prozent auf 214,5 Millionen Euro. Treiber war die starke Nachfrage nach Anlagen für Photonik und Leistungshalbleiter. Das Management bestätigte seine Jahresprognose von 560 Millionen Euro Umsatz.
5. Technoprobe (+135,1 %)
Technoprobe ist vielen Anlegern kaum ein Begriff, doch nahezu jeder moderne Halbleiter wird vor der Auslieferung mit seiner Testtechnologie geprüft.
Die Aktie legte 2026 bis zum 5. August um 135,1 Prozent zu und gehört damit zu den stärksten Technologiewerten Europas.
Nach einem Rekordquartal mit 187 Millionen Euro Umsatz erhöhte das Management seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 950 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro. Grund ist die steigende Nachfrage nach Testsystemen für KI-Chips.
4. ams-OSRAM (+136,2 %)
Der österreichische Sensor- und Photonik-Spezialist hat eine der größten Trendwenden am europäischen Aktienmarkt hingelegt.
Die ams-OSRAM-Aktie verzeichnet seit Januar ein Plus von 136,2 Prozent.
Der Umsatz im zweiten Quartal erreichte 805 Millionen Euro und lag damit am oberen Ende der eigenen Prognosespanne. Zugleich kam das Unternehmen bei der Kommerzialisierung seiner MicroLED-Technologie für Datenbrillen und andere Augmented-Reality-Anwendungen voran.
Positiv aufgenommen wurde auch der Verkauf des nicht zum Kerngeschäft zählenden Sensorbereichs an Infineon, der die Bilanz stärkt.
3. Tullow Oil (+136,4 %)
Der Ölproduzent ist der einzige Energiewert unter Europas Spitzenreitern in diesem Jahr.
Die Aktien von Tullow Oil gewannen bis zum 5. August 136,4 Prozent.
Das Management erhöhte jüngst seine Prognose für den freien Cashflow 2026 auf 170 bis 250 Millionen Dollar und verdoppelte damit in etwa die bisherige Spanne. Hintergrund waren höhere Ölpreise im ersten Halbjahr.
Ausgerechnet am Mittwoch gab die Aktie jedoch nach, weil die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten den Ölpreis drückte.
2. AT&S (+343,5 %)
Die österreichische AT&S produziert Highend-Substrate, die KI-Prozessoren in Hochleistungsrechnern mit den Speicherchips verbinden.
Die Aktien von AT&S schossen 2026 um 343,5 Prozent in die Höhe. Der Konzern ist damit der zweiterfolgreichste Wert Europas.
Bei der Vorlage der Quartalszahlen am 4. August stellte das Management für dieses Jahr ein Umsatzplus von 30 bis 35 Prozent in Aussicht. Treiber sind anhaltend hohe Investitionen in Rechenzentren für künstliche Intelligenz.
Trotz der spektakulären Kursrally liegen die Papiere noch rund 40 Prozent unter den Rekordständen vom Juni.
1. Soitec (+414,5 %)
Kein anderes europäisches Unternehmen profitiert bisher so stark vom Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz wie die französische Soitec.
Die Soitec-Aktie legte seit Jahresbeginn bis zum 5. August um 414,5 Prozent zu und ist damit der stärkste Wert im STOXX Europe 600.
Der auf Halbleitermaterialien spezialisierte Konzern meldete einen Jahresumsatz von 592 Millionen Euro, ein Rückgang um 34 Prozent, weil die Branche zunächst Lagerbestände abbauen musste. Anleger konzentrierten sich jedoch auf Hinweise, dass die Erholung eingesetzt hat.
Der Umsatz mit dem schnell wachsenden Photonik-Geschäft überschritt erstmals die Marke von 100 Millionen Dollar. Der freie Cashflow erreichte 63 Millionen Euro und übertraf die Erwartungen der Analysten deutlich.
Das Management rechnet im laufenden Geschäftsjahr wieder mit einem Umsatzwachstum und stärkt damit die Zuversicht, dass Soitec zu den großen europäischen Gewinnern des weltweiten Ausbaus der KI-Infrastruktur zählt.