Das sind die 10 glücklichsten Länder 2023

Die Finnen bleiben das glücklichste Land der Welt, die Deutschen landen auf Platz 16.
Die Finnen bleiben das glücklichste Land der Welt, die Deutschen landen auf Platz 16. Copyright Canva/Euronews
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Von Camille BelloEuronews mit dpa
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Beim aktuellen "World Happiness Report" schneiden die Finnen wieder am besten ab. Deutschland fällt im Ranking zurück.

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Die Folgen der Corona-Pandemie, der Ausbruch des Ukraine-Kriegs, weltweite Inflation: 2022 war von vielen globalen Krisen geprägt.

Auf die Zufriedenheit vieler Menschen – besonders in den nordischen Ländern – hatte das aber kaum Einfluss, zumindest wenn man dem "World Happiness Report", dem Weltglücksbericht 2023 glaubt. Laut ihm waren die Menschen im vergangenen Jahr weltweit ähnlich zufrieden wie in den Jahren vor der Pandemie.

"Das durchschnittliche Glück und unser Länder-Ranking sind während der drei Covid-19-Jahre bemerkenswert stabil geblieben", resümierte der Forscher John Helliwell von der kanadischen Universität von British Columbia.

Finnen am glücklichsten

Finnland steht dabei wieder ganz oben auf der Liste der glücklichsten Länder. Trotz einer langen Grenze zu Russland und den Wirren ihres NATO-Beitritts bleiben die Finnen die zufriedenste Bevölkerung der Erde. 

Dänemark folgt auf Platz zwei, dahinter Island, Israel, die Niederlande und Schweden. Deutschland büßt zwei Plätze ein, hält sich auf Rang 16 aber konstant in den Top 20.

Woher kommt dieses finnische Glück, das sich offenbar durch kaum etwas erschüttern lässt? Warum sind es immer wieder die Menschen in den nordischen Ländern, die laut dem Bericht am glücklichsten sind? Und was können wir von ihnen lernen? Wie stellen die Glücksforschenden überhaupt fest, ob Menschen glücklich sind oder nicht?

Die am Bericht beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erstellen die Länderrangliste auf Basis von Umfragen des Instituts Gallup zur Lebenszufriedenheit in den drei zurückliegenden Jahren. Daraus entsteht eine länderspezifische durchschnittliche Lebensbewertung.

Die wichtigsten Kriterien sind dabei Einkommen (Pro-Kopf-BIP), soziale Unterstützung, Gesundheit, Entscheidungsfreiheit im Leben und eine niedrige Korruptionsrate im Land. Den Teilnehmenden werden Fragen wie diese gestellt: "Wie zufrieden sind Sie derzeit mit Ihrem Leben insgesamt?" Bei der Beantwortung stützen sich die Menschen auf eine Skala von 0-10 (0= völlig unzufrieden, 10= völlig zufrieden).

Woher kommt das finnische Glück?

Die rund 5,5 Millionen Einwohner Finnlands sind ein zurückhaltendes und bescheidendes, aber auch ein stolzes und widerstandsfähiges Volk. Dass sie immer wieder zu den Glücklichsten der Erde gekürt werden, lässt an diesem nebeligen Montag viele auf den Straßen von Helsinki etwas ratlos zurück. 

"Ich weiß es auch nicht. Es könnte am schönen Wetter liegen", scherzt eine Frau mit Blick auf den weißgrauen Himmel und das Thermometer, das in diesem Moment zwei Grad Celsius anzeigt. "Aber ernsthaft: Warum immer wir?", fragt sie sich.

Peter Stadius von der Universität Helsinki hat mögliche Antworten darauf parat. Der Glücksbericht zeige, dass die Finnen Vertrauen in die gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen hätten, aber auch, dass sie schon mit Wenigem zufrieden seien, sagt der Historiker und Experte für Nordische Studien. 

Die Menschen im Norden seien mit dem alltäglichen Leben zufrieden und vertrauten darauf, dass es bei ihnen wenig Korruption gebe und dass Kinder schon in frühem Alter alleine zur Schule gehen könnten.

Hinzu komme noch ein generell nordisches Phänomen, das man auch in manchen anderen europäischen Staaten sehe, sagt Stadius: "Im globalen Vergleich mit Gesellschaften wie den USA, Japan und anderen haben die Menschen hier viel Freizeit und Urlaub. Du bist nicht in gleicher Weise mit der Arbeit verheiratet." Der Wohlfahrtsstaat behandle einen als Bereicherung, die gewährte Elternzeit sei großzügig.

Und dann wäre da schließlich noch die Sache mit dem Schwitzen: "Wenn ich im Ausland bin, vermisse ich zwei Dinge, die wirklich Finnisch sind: das finnische Roggenbrot und die Sauna", sagt der Professor. Die Saunakultur sei tief verwurzelt in der finnischen Gesellschaft und zudem gut gegen Stress. "Für mich ist die Sauna ein Glücksort."

Und Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine? Durch den Entschluss, in Folge des Krieges Nato-Mitglied werden zu wollen, sei Finnland als Nation näher zusammengerückt, sagt Stadius. "Ich würde das nicht als Zeichen von Glück bezeichnen, aber in gewisser Weise war das auch eine vereinende Erfahrung."

Welche Länder sind am unglücklichsten?

Zwischen den glücklichsten und den unglücklichsten Ländern auf der Liste klafft eine große Lücke, wobei die Spitzenreiter enger beieinander liegen als die Schlusslichter.

Bei den Ländern in den Top 10 liegt die Lebensbewertung im Schnitt nur weniger als 0,7 Punkte auseinander. Bei den 10 Ländern ganz unten in der Liste beträgt der Abstand dagegen 2,1 Punkte.

Das vom Krieg zerrissene Afghanistan und der Libanon bleiben die beiden unglücklichsten Länder, wenn man die von den Autorinnen und Autoren verwendeten Zufriedenheitsindikatoren zugrunde legt. In beiden Ländern ist die durchschnittliche Lebensbewertung mehr als fünf Punkte niedriger (auf einer Skala von 0 bis 10) als in den zehn glücklichsten Ländern.

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Finnland ist schon zum sechsten Mal ganz oben auf der Liste, auch der Rest der Top 10 bleibt weitgehend unverändert. Dänemark verteidigt seinen zweiten Platz, Island kletterte hoch auf Platz drei. Einen der größten Glückssprünge in der Liste machte Israel auf Platz vier. Im Vergleich zum Vorjahr hat es sich um fünf Ränge verbessert.

Österreich und Australien verfehlen die Top 10 knapp und landen auf den Plätzen 11 und 12. Gefolgt von Kanada, das um zwei Plätze auf Rang 13 nach unten kletterte, im letzten Jahr hatte es noch auf Platz 11 der glücklichsten Länder gelegen.

Irland folgt auf Platz 14, gefolgt von den USA (15), Deutschland (16), Belgien (17), Tschechien (18), Großbritannien (19) und Litauen (20).

Litauens Aufstieg in den letzten Jahren ist beachtlich. 2017 lag es noch auf Rang 52 der glücklichsten Länder. Seitdem wurden die Menschen dort laut dem Bericht von Jahr zu Jahr zufriedener.

Frankreich ist in diesem Jahr aus den Top 20 auf Platz 21 zurückgefallen.

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Die Top 10 der glücklichsten Länder

1. Finnland

2. Dänemark

3. Island

4. srael

5. Niederlande

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6. Schweden

7. Norwegen

8. Schweiz

9. Luxemburg

10. Neuseeland

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Mehr Zusammenhalt: Was war 2022 besonders?

"Der diesjährige Bericht enthält viele interessante Erkenntnisse", sagte Lara Aknin, Mitverfasserin des Berichts, "aber eine, die ich besonders interessant und ermutigend finde, hat mit dem Sozialverhalten der Menschen zu tun.“

Der Bericht hatte bereits in den Pandemiejahren 2020 und 2021 einen weltweiten Anstieg des Wohlwollens festgestellt. Und nach den Daten von 2022 war der Wille der Menschen, anderen gegenüber freundlich, großzügig und mitfühlend zu sein, um 25 Prozent höher als vor der Pandemie.

Mehr Zusammenhalt und Nächstenliebe konnten auch in Ländern wie der Ukraine und Russland beobachtet werden. In den Jahren 2020 und 2021 sei in beiden Ländern ein globaler Anstieg des Zusammenhörigkeitsgefühls zu verzeichnen gewesen, heißt es in dem Bericht. Im Kriegsjahr 2022 nahm das Wohlwollen in der Ukraine noch stärker zu, während es in Russland zurückging.

"Der russische Einmarsch hat die Ukraine zu einer Nation geschmiedet", erklärte der Oxford-Professor Jan-Emmanuel De Neve. Das Wohlbefinden der Ukrainerinnen und Ukrainer sei 2022 zwar stark gesunken, trotz des Ausmaßes des Leids und der Schäden aber weniger stark als nach der russischen Annexion der ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim im Jahr 2014.

Nach Erkenntnissen der Experten liegt das unter anderem an einem nun viel stärkeren Zusammengehörigkeitsgefühl, Fürsorge füreinander und Vertrauen in die Führung um Präsident Wolodymyr Selenskyj. Die Ukraine kommt somit nun auf Rang 92, Russland auf Platz 70. 

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"Kriege sind Krisen, die die Lebensbewertung erhöhen können, wenn sich die Menschen in einer gemeinsamen Sache vereint fühlen und Vertrauen in ihre Führung haben", schrieben die Experten. "Diese Faktoren waren 2022 in der Ukraine sichtbarer als nach 2014."

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