Neue Studie: Long-COVID lässt Gehirn einiger Patient:innen um 10 Jahre altern

Eine Frau mit einer Gesichtsmaske liest ein Buch in einer U-Bahn in Madrid.
Eine Frau mit einer Gesichtsmaske liest ein Buch in einer U-Bahn in Madrid. Copyright AP Photo/Manu Fernandez, File
Von Giulia Carbonaro
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Dieser Artikel wurde im Original veröffentlicht auf Englisch

Eine britische Studie ergab, dass die Auswirkungen von Long COVID auf die kognitiven Funktionen einem Altersprozess von zehn Jahren entsprechen können.

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Eine Studie britischer Forscher:innen hat ergeben, dass Menschen, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, auch zwei Jahre nach einer Long-COVID-Erkankung teilweise noch mit den Folgen zu kämpfen haben.

Die vom King's College London durchgeführte und in der Zeitschrift The Lancet veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von Long COVID. Dafür nahmen Menschen an einer Untersuchung teil, die sich nie mit dem Virus infiziert hatten, Menschen, die sich als vollständig geheilt betrachteten, und Menschen, die sich immer noch von dem Virus betroffen fühlten.

Über 3000 Testpersonen wurden untersucht

An der Studie nahmen über 3000 Personen teil, die über eine Smartphone-App aus einer Datenbank rekrutiert wurden. Die Teilnehmenden nahmen zwischen 2021 und 2022 an zwei Testrunden mit 12 Aufgaben teil, bei denen ihr Gedächtnis, ihre Aufmerksamkeit, ihr logisches Denken, ihre Verarbeitungsgeschwindigkeit und ihre motorische Kontrolle gemessen wurden.

Die Forscher:innen fanden heraus, dass Teilnehmende, die 12 Wochen oder länger (also mehr als 3 Monate) von COVID-Symptomen betroffen waren, bei diesen Aufgaben schlechter abschnitten als diejenigen, die kürzer mit Symptomen zu kämpfen hatten.

Die Auswirkungen von Long COVID auf die Gehirnfunktion, so die Forscher:innen, waren vergleichbar mit den Auswirkungen des Alterns um 10 Jahre.

Die Folgen einer Long-COVID-Erkrankung schienen - zumindest im Zeitraum der Versuche - konstant zu bleiben, in den neun Monaten zwischen den zwei Untersuchungen war keine Veränderung zu bemerken. Zum Zeitpunkt der zweiten Testreihe waren die COVID-19-Infektionen der Teilnehmenden bereits zwei Jahre her.

Teilnehmende, die das Gefühl hatten, sich vollständig von dem Virus erholt zu haben, schnitten ähnlich ab wie diejenigen, die das Virus noch gar nicht gehabt hatten.

"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass bei Personen, die nach einer COVID-19-Infektion mit Langzeitsymptomen leben, die Auswirkungen des Coronavirus auf mentale Prozesse wie die Fähigkeit, sich an Wörter und Formen zu erinnern, im Durchschnitt noch fast zwei Jahre nach der Erstinfektion nachweisbar sind", so der Hauptautor Dr. Nathan Cheetham, ein leitender Datenwissenschaftler am King's College London.

Einige Long-COVID-Patient:innen sind vollständig genesen

"Das Ergebnis, dass COVID keine Auswirkungen auf die Leistung in unseren Tests bei Personen hatte, die sich vollständig erholt fühlten, auch wenn sie mehrere Monate lang Symptome hatten und als Long-COVID-Patienten betrachtet werden konnten, war jedoch eine gute Nachricht", so der Wissenschaftler weiter.

Laut Cheetham zeigt die Studie, dass diejenigen, deren Hirnfunktion am stärksten von COVID-19 betroffen ist, beobachtet werden müssen, "um zu sehen, wie sich ihre kognitiven Symptome weiter entwickeln, und um Unterstützung bei der Genesung zu leisten".

Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach betonte die positiven und negativen Lehren der Studie per Twitter, wo er die Studie teilte.

Wie Dr. Hans Henri P. Kluge, der Regionaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Europa, im Juni gegenüber der Presse erklärte, sind in den ersten drei Jahren der Pandemie schätzungsweise etwa 36 Millionen Menschen in Europa an Long-COVID erkrankt.

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