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Mikroalgen: gesundes Lebensmittel der Zukunft

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Mikroalgen: gesundes Lebensmittel der Zukunft
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Von Claudio Rosmino
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Mikroalgen gelten als Alternative zu traditionellen Eiweißquellen, deren Produktion oft eine hohe Umweltbelastung mit sich bringt. Entwickelt sich das Gemüse aus dem Meer zum Lebensmittel der Zukunft? Algen sind eine nachhaltige Lösung für unseren wachsenden Nahrungsmittelbedarf.

Das aquatische Ökosystem bietet Alternativen für unsere Nahrungskette. Europa öffnet sich dem Algensektor als Antwort auf den steigenden Nahrungsmittelbedarf und die Notwendigkeit nachhaltiger Produktionssysteme. Makroalgen haben den Vorteil, dass ihre Produktion kein Land und keine Düngung benötigt. Neben Makroalgen rücken jetzt auch Mikroalgen als Lebensmittel der Zukunft in den Fokus.

Mikroalgen: hohe biologische Wertigkeit

Die portugiesische Firma Allmicroalgae in Pataias hat verschiedene Lebensmittel auf Basis von Algenpulver entwickelt, wie z.B. Kekse, Brot, Snacks oder einen Aufstrich.

Lebensmittelingenieurin Anabela Raymundo arbeitet an der Universität Lissabon an der Entwicklung von Mikroalgenprodukten.

"Es ist extrem wichtig, alternative Nahrungsquellen zu finden, die einerseits nachhaltig sind, andererseits aber auch ernährungsphysiologische Vorteile besitzen. Mikroalgen haben eine biologische Wertigkeit, denn sie sind sowohl reich an Proteinen als auch an bioaktiven Verbindungen. Sie gelten deshalb als wichtige Nahrungsquelle, die man verschiedenen Lebensmitteln beimengen kann."

Zahlen & Fakten

Weltweit sind mehr als 72.500 Algenarten bekannt. Man unterscheidet in Süßwasser- und Meeresalgen. 20 Prozent der Arten sind große Makroalgen. Die verbleibenden 80 Prozent sind Mikroalgen.

Als flüssige Kultur im Labor werden Mikroalgen in eine Nahrungsquelle verwandelt. Der Nährstoffgehalt variiert je nach Algenart: Zwei dominieren den Markt für Nahrungsmittel: Chlorella und Spirulina. Sie enthalten essenzielle Aminosäuren und Omega-3-, Omega-6- sowie Omega-7-Fettsäuren und die Vitamine A, D und E).

Joana Silva, technische Mitarbeiterin Forschung & Entwicklung bei Allmicroalgae erklärt, wie die Analyrik im Labor funktioniert: "Damit können wir beurteilen, ob das Wachstum in den Reaktoren gut oder schlecht ist. Wir beobachten die Fermentation und den Stoffaufbau. Uns interessiert, was im Zellinneren passiert, um den sogenannten Gesamtproteinwert, das im Nährmedium verbrauchte Magnesium, das Eisen und verschiedene Mikro- und Makronährstoffe zu bestimmen, die für die Kultur essenziell sind. So können wir den Nährstoffverbrauch der Algen optimieren."

Die Algenkultivierung erfordert genaue Verfahren, um hohe Biomasse-Erträge zu erzielen. Nach dem Fermentationsprozess mit Hefe wie fürs Bierbrauen kommt die Kultur in Photo-Bioreaktoren. Dort wächst sie, bis sie die richtigen Qualitätsstandards erreicht. Dann werden die Algen geerntet und in Pulver verarbeitet:

"Es gibt einen Keim, das einen anderen Reaktor beimpft, jedes Mal mit einem größeren Volumen, bis wir genügend Zellen haben, die eine Verarbeitung lohnen", so Joana Silva. "Damit stellen wir entweder eine konzentrierte Paste her, z. B. für den Aquakulturmarkt, oder wir produzieren ein Pulver, das wir in Nutrazeutika als Inhaltsstoff oder Nahrungsergänzungsmittel verwenden."

Mikroalgen liegen im Trend

Das Interesse der Lebensmittelindustrie an Mikroalgen steigt. Gründe dafür sind neue Verbrauchergewohnheiten, die nachhaltige Produktion der Algen sowie ihre positiven Gesundheitsauswirkungen. Getrocknete Mikroalgen wie z.B. Spirulina haben einen Proteingehalt zwischen 30 und 60 Prozent, vergleichbar mit Sojabohnen, deren Proteingehalt zwischen 35 und 40 Prozent liegt. Der geschäftsführende Direktor von Allmicroalgae Julio Abelho sieht eine vielversprechende Zukunft:

"Mit unserer Proteinproduktion auf pflanzlicher Basis können wir Ernährungsbereiche erschließen, die nicht vegetarisch oder vegan sind. Es gibt einen sehr interessanten Teil, der noch nicht sehr entwickelt ist, nämlich klinische oder medizinische Nahrung, für Menschen, die an Krebs oder ähnlichen Krankheiten leiden bzw. Schwierigkeiten mit proteinreichen Produkten haben."

Im Rahmen der "Vom Hof auf den Tisch"-Strategie plant die EU-Kommission bis Mitte 2022 eine Initiative zu entwickeln, um die Algenindustrie zu unterstützen und ihr Potenzial zu erschließen.