Bienen impfen: Diese neue Methode gibt Hoffnung - auch für andere Insekten

Ein Imker in den USA tauscht ein Wabengerüst aus
Ein Imker in den USA tauscht ein Wabengerüst aus   -   Copyright  Alexa Welch Edlund/AP
Von Cornelia Trefflich

In den USA ist jüngst der erste Impfstoff für Insekten zugelassen worden. Das US-Landwirtschaftsministerium erteilte dem Biotech-Startup Dalan Animal Health aus dem US-Bundesstaat Georgia eine bedingte Zulassung für die Immunisierung von Honigbienen, der sie gegen die Amerikanische Faulbrut schützt. Bei der Krankheit handelt es sich um eine Bakterieninfektion, die die Brut der Bienenvölker in kürzester Zeit dahin rafft.

Die Krankheit wird durch ein Sporen bildendes Bakterium namens Paenibacillus larvae verursacht und kommt weltweit vor. Die Bakterien töten die Bienenlarven in der Brutzelle ab, die Brut wird schleimig und glibberig. Bislang mussten infizierte Bienenstöcke samt Zubehör verbrannt werden. Zwar war eine Antibiotika-Behandlung möglich, sie tötete allerdings nur die vegetativen Bakterien, nicht aber die Sporen, die dann häufig für einen erneuten Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut sorgten. Doch das könnte sich mit dem Einsatz der nun entwickelten Technik schon bald ändern.

Die Insekten werden nicht etwa mit einer Spritze geimpft - die Immunisierung erfolgt mit einer präparierten Zuckerlösung, die die Bienenköniginnen als Nahrung zu sich nehmen. Diese enthält abgetötete Paenibacillus-Larven. Nach der "Schluckimpfung" lagern die Bienenköniginnen den “Impfstoff” in ihren Eierstöcken ab und verleihen den sich entwickelnden Larven Immunität gegen den Erreger.

Auch Bienen können immunisiert werden

Das Hauptproblem, mit dem sich die Wissenschaftler:innen befassen musste, war die Annahme, dass Insekten keine Immunität erwerben könnten, weil ihnen die dazu notwendigen Antikörper fehlten, wohingegen zahlreiche andere Tiere mithilfe ihres Immunsystems Bakterien und Viren erkennen und bekämpfen können.

Doch einem Forscher-Team um die Biologin und Honigbienenexpertin Dalial Freitak von der Universität Graz gelang es 2015, ein Protein zu identifizieren, das bei den Bienen-Nachkommen eine Immunreaktion auslöst. Sie stellten zudem fest, dass sie die gesamte Bienenpopulation durch ihre Königin immunisieren können.

Nach dieser Entdeckung setzten die Forscher:innen ihre Bemühungen, ein Mittel gegen die Krankheit, die weltweit grassiert, zu finden. Im Rahmen einer internationalen Studie gemeinsam mit Dalan Animal Health, gelang es, die Wirksamkeit der Schluckimpfung ausreichend zu prüfen. 

Hoffnung für andere Insekten-Krankheiten

In einer Zeit, in der der Bestand der Honigbienen aufgrund des Verlusts von Lebensräumen, dem weit verbreiteten Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und den Folgen des Klimawandels bedroht ist, schafft die Einführung der “Schluckimpfung” Hoffnung für Bienen und andere Insekten, deren Rolle als “Bestäuber” von Blühpflanzen enorm wichtig ist - mindestens drei Viertel aller blühenden Pflanzen benötigen sie, um Früchte und Samen auszubilden. 

Das Unternehmen hofft zudem, dass der Impfstoff gegen die Amerikanische Faulbrut als Grundlage für die Herstellung von Impfstoffen gegen andere Bienenkrankheiten genutzt werden kann.

Weitere Quellen • Nature