Nicht nur Greta: Wer sind die jungen Klimaaktivisten?

Nicht nur Greta: Wer sind die jungen Klimaaktivisten?
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Von Cyril FournerisSabine Sans
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Millionen Menschen setzen sich täglich für die Umwelt ein: Aktivisten, Freiwillige, Wissenschaftler oder einfache Bürger. Viele von ihnen sind sehr jung: Wir haben einige von ihnen in Katalonien anlässlich der europäischen Kampagne #ForOurPlanet getroffen

Innerhalb weniger Jahre hat sich eine Generation von Aktivisten formiert, die das Klima ganz oben auf die globale politische Agenda setzen. Doch es gibt auch Gegenbewegungen - aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen. 

Eines ist sicher: Die globalen Krisen verschwinden nicht, wenn wir sie ignorieren. Jeden Tag setzen sich Millionen Menschen für die Natur ein: Aktivisten, Freiwillige, Wissenschaftler oder ganz normale Bürger. Im Rahmen der europäischen Kampagne #ForOurPlanet stellen wir Ihnen einige von ihnen vor. 

Diese Folge von The Road to Green kommt aus Katalonien. Hier ist das Wetter schön, und auch wenn es so aussieht, als würden viele Menschen das genießen, viele sind besorgt über die sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels: Denn Katalonien erlebt eine frühe Dürreperiode, die Wasserreserven sind sehr niedrig und mitten im Winter wurden Wasserrestriktionen eingeführt.

Menschen auf der Straße machen sich Gedanken:"Ich weiß noch, wie ich als Kind die Jahreszeiten unterscheiden konnte. Der Sommer dauerte keine sechs Monate", sagt ein Passant. "Ich bin gerade Vater geworden und weiß nicht, was für eine Welt ich meinem Kind hinterlasse."

Was denkt die Jugend?

Wir sorgen uns zu Recht um die Jüngsten: Aber was denken sie? Euronews-Reporter Cyril Fourneris ist mit Francisco verabredet, einem der jüngsten Klimaaktivisten der Welt. Er kommt aus Kolumbien.

Francisco Vera Manzanares ist erst 14 Jahre alt und hat sich schon als Kind engagiert. Er ist Botschafter des guten Willens der Europäischen Union in Kolumbien, wo er viele follower hat. Er ist der Gründer von Guardianes por la Vida, einer Kinderbewegung, die gegen den Klimawandel kämpft. 

"Viele Leute sagen, dass Kinder nicht über den Klimawandel sprechen sollten, weil sie keine Experten sind. Aber ich denke, dass Kinder die größten Experten und die legitimste Gruppe sind, um über den Klimawandel zu sprechen, weil sie am meisten darunter leiden. Deshalb spielen Kinder eine wesentliche Rolle bei dem Schutz für unseren Planeten", so Francisco. Er hat auch ein Buch geschrieben, um bestimmte Sachen zu erklären:  "D__enn es geht nicht nur darum, es zu erleben, sondern auch darum, es zu verstehen. Es passiert, aber wie passiert es? Ich erkläre grundlegende Konzepte, zum Beispiel: Was ist der Treibhauseffekt? Und wenn man das Problem versteht, kann man bessere Antworten darauf geben."

Der Populismus hat Auftrieb. Es gibt jetzt eine neue Welle von Extremen, Ultras, die den Umweltschützern eine politische Tendenz vorwerfen. Aber wir leben alle auf dem gleichen Planeten. Ich teile diese Erde mit dir und mit allen, die sich das anschauen. Das ist keine politische Frage, sondern eine Frage der Menschlichkeit."
Francisco Vera Manzanares
Aktivist

Der junge Aktivist blickt trotz allem voller Hoffnung in die Zukunft: "Ja, ehrlich gesagt bin ich optimistisch, was die Zukunft angeht. Die Situation ist sicherlich sehr kompliziert, aber es gibt ein Sprichwort, das besagt, dass man die Sonne nicht mit einem Finger bedecken kann. Das geht nicht! Jeder sieht die Dinge aus seiner Perspektive. Und ich sehe sie als junger Mensch, aber als junger Mensch mit Hoffnung, mit Hoffnung für die Natur."

Wir haben eine weitere Aktivistin getroffen: Olivia Mandle. Die Botschafterin des Europäischen Klimapakts ist nur wenig älter, nämlich 16 Jahre. Sie war erst 12, als sie ein Werkzeug gegen Mikroplastik im Meer erfand: den Jelly Cleaner

Kette des Verantwortungsgefühls

Seitdem engagiert sie sich in sozialen Netzwerken, in Schulen und auf Konferenzen für den Schutz der Meeresökosysteme. Wie Francisco erzählt sie, dass es normal sei, angefeindet zu werden, aber dass man nie aufhören dürfe, sich zu engagieren:

"Unsere Vorgängergenerationen haben uns einen zerstörten Planeten hinterlassen und uns die Verantwortung übertragen, uns um ihn zu kümmern. Aber ich sage immer, dass meine Generation die Generation ist, die etwas verändern kann. Jeder von uns kann ein Aktivist sein. Man muss keine große Sache machen. Man kann bei sich anfangen, mit den eigenen Entscheidungen, die man im Alltag treffen kann."

Ihr Buch handelt von den Entscheidungen, die jeder von uns treffen kann, um dem Planeten zu helfen, "denn wenn eine Person dies tut und es ihrer Familie und ihren Freunden erzählt, entsteht eine Kette des Verantwortungsgefühls, die wirklich etwas bewirken kann. Und das ist die Antwort, die ich jungen Menschen gebe, die sagen: "Klimawandel? Das ist nichts für mich. Regierungen und andere müssen das tun. Ich sage ihnen, ‘ja, es ist deine Sache’, es liegt an dir, die Welt zu verändern."

Kleine Gesten, große Wirkung.

Das ist auch die Botschaft der europaweiten Kampagne #ForOurPlanet. Überall auf der Welt beteiligen sich Bürgerinnen und Bürger an Aktionen für die Natur. Dieses Jahr findet sie zum zweiten Mal statt. 

Die EU unterstützt Citizen Science-Initiativen auch über das LIFE-Programm. Es gibt sie in vielen verschiedenen Bereichen und Regionen Europas. Ich habe welche in Katalonien gefunden.

Die Costa Brava ist von invasiven Pflanzen bedroht. Exotische Pflanzen, die oft in Gärten wachsen und überall an der Küste zu finden sind. Der Reporter trifft eine Bürger-Gruppe, die sie erfasst und Lösungen findet.

Die Freiwilligen des europäischen LIFE-Projekts medCLIFFS lassen sich vom trüben Wetter nicht abschrecken. Mit einer App helfen sie den Wissenschaftlern, die Entwicklung der Flora zu überwachen.

"Mit diesem Projekt soll die katalanische Küste sauber gehalten werden", erzählt Edgar, ein Freiwilliger des Projekts. _"_Die Idee ist, das zu erhalten, was wir bereits haben und zu verhindern, dass invasive Pflanzen die Küste beschädigen und in einer Weise verändern, die schädlich ist."

Carlos Gomez Bellver vom Botanischen Institut von Barcelona erklärt: "Das sind Pflanzen aus dem Gartencenter. Hier gibt es Häuser, also müssen sie irgendwann dort gepflanzt worden sein. Wenn man Arten hinzufügt, die sehr störend sind, die sehr hoch wachsen, die andere verdrängen oder die Landschaft verändern, vor allem wenn es sich um Zierpflanzen handelt, dann wird diese Landschaft zu einer Art großem künstlichen Garten."

Die Exkursion ist den Flechten gewidmet, deren unauffälliges Dasein unter dem Angriff tropischer Pflanzen leidet. Die Projektmitglieder haben eine Liste gefährlicher Arten erstellt, um die Öffentlichkeit zu warnen, und arbeiten mit Baumschulen zusammen. MedCLIFFS-Freiwillige Maria Jose Chesa findet: 

"Je mehr Menschen darüber Bescheid wissen, desto mehr Druck können wir auf die Behörden ausüben, damit sie ihre Einstellung ändern und aktiveren Schutz betreiben. Es nützt nichts, nur zu kritisieren, wir müssen alle zusammenarbeiten, um dieses Problem zu lösen!"

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