Beim Wiener Opernball rechnete Lena Schilling mit Österreichs Superreichen ab und forderte die Rückkehr zu einem aus ihrer Sicht fairen Erbschaftssteuermodell.
Eine Abgeordnete des Europäischen Parlaments von den Grünen setzt beim Wiener Opernball in Österreich ein deutliches Zeichen für „Gerechtigkeit und Klimaschutz“.
Lena Schilling erschien auf dem Roten Teppich in einem hellblauen Kleid, auf dem der Slogan ‘tax the rich save the climate’ prangte, in der Hand hielt sie ein Transparent mit der Aufschrift: „Die Welt vergeht im Luxus.“
Die Aktion erinnert an den Auftritt der US-Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, die 2021 zur Met Gala in einem weißen Kleid mit dem Slogan „TAX THE RICH“ erschien.
Lena Schillings „tax the rich“-Kleid
„Wir können die Klimakrise nicht verhindern, solange die Superreichen von unversteuerten Erbschaften leben, als gäbe es kein Morgen. Zugleich wird das Leben für immer mehr Menschen unbezahlbar“, sagt Schilling in einer an Euronews Green übermittelten Erklärung.
„Sie haben dieses dynastische Vermögen nicht mehr ‘verdient’ als Kinder, die von Armut bedroht sind. In Kindergärten, Tickets für den öffentlichen Nahverkehr und Krankenhäusern wäre es besser investiert.“
Schilling kritisierte OMV, einen der größten österreichischen Industriekonzerne für Öl, Gas und Petrochemie. Das Unternehmen ist Hauptsponsor des Wiener Opernballs.
„Die Klimakrise wird auch hier alle treffen, doch die Schäden spüren zuerst jene, die am wenigsten Geld haben“, fügt die Europaabgeordnete hinzu.
Seit 1980 haben Extremwetterereignisse infolge steigender Temperaturen in Europa Schäden von insgesamt 738 Milliarden Euro verursacht.
„Man stelle sich vor, was diese Summe für Klimaschutz, Bildung und unser Gesundheitssystem bewirken könnte“, sagt Schilling.
„Mein Protest richtet sich offensichtlich nicht gegen die Mutter, die heute Abend stolz zusieht, wie ihre Tochter den Eröffnungswalzer tanzt. Es geht um die vierhundert Superreichen in Österreich mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro, die von der Zerstörung unseres Planeten profitieren.“
Soll Österreich die Superreichen stärker besteuern?
Auf Instagram rief die Abgeordnete ihre vierzigtausend Followerinnen und Follower auf, eine Petition zu unterschreiben. Diese fordert von der österreichischen Regierung eine „gerechte“ Besteuerung der Superreichen, einschließlich der Wiedereinführung der 2008 abgeschafften Erbschaftssteuer.
„Wer sehr reich ist, kann mehr an die Gesellschaft zurückgeben“, heißt es in der Petition. „In den meisten Ländern gibt es seit Langem eine Steuer für Superreiche.“
Die Grünen verweisen auf das Beispiel Südkoreas. Dort habe der Staat aus nur einer einzigen Erbschaft der Gründerfamilie von Samsung Electronics rund 9 Milliarden Euro eingehoben. Dieses Geld hilft dabei, Steuern für mittelständische Unternehmen zu senken und wichtige Infrastruktur wie Schulen zu bauen.
Samsung zählt zu den größten Steuerzahlern Südkoreas, abhängig von der jeweiligen Gewinnlage. Mit 50 Prozent liegt die Erbschaftssteuer des Landes weltweit auf Platz zwei, direkt nach Japan.
„Und wie ist das in Österreich? Du arbeitest hart und verdienst 2.000 Euro im Monat. Zahlst du darauf Einkommensteuer? Ja“, heißt es weiter in der Petition.
„Aber jemand erbt 50 Millionen Euro. Zahlen die Superreichen darauf Steuern? Nein! Findest du das gerecht?“
Wie könnte ein Erbschaftssteuersystem für Österreich aussehen?
Forderungen nach einer Wiedereinführung von Erbschafts- und Vermögenssteuer werden in Österreich seit einigen Jahren lauter. Die Grünen schlagen einen Freibetrag für Erbschaften bis eine Million Euro vor, bei Immobilien mit Hauptwohnsitz bis 1,5 Millionen Euro.
Darüber hinaus sollen Erbschaften bis 5 Millionen Euro mit 25 Prozent besteuert werden, Beträge zwischen 5 und 10 Millionen Euro mit 30 Prozent. Alles, was darüber liegt, soll mit 35 Prozent belegt werden.
Vorgesehen sind Ausnahmen für landwirtschaftliche Betriebe und kleine Familienunternehmen. „Der Installateurbetrieb an der Ecke ist nicht dasselbe wie ein Milliardenkonzern in den Händen der reichsten Familien des Landes“, heißt es dazu.
Nach Berechnungen der Grünen brächte eine solche Steuer mindestens 1,5 Milliarden Euro pro Jahr ein.
Die Petition nennt beim Namen zehn Superreiche und Familien in Österreich, deren Vermögen jeweils mehr als 3 Milliarden Euro beträgt. Dazu gehören Mark Mateschitz, dem fast die Hälfte von Red Bull gehört, und der frühere L’Occitane-en-Provence-Chef Reinold Geiger.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung hatte die Petition 9.418 Unterschriften. Mehr Informationen finden Sie hier.