Die Zeit extremer Hitze wird länger. Hitzewellen treffen uns nicht nur tagsüber. Forschende warnen vor heißen Nächten, die Schlaf und Gesundheit gefährden.
Mit steigenden Temperaturen steigt auch das Risiko für eine unruhige Nacht. Bei Hitzewellen liegt die Aufmerksamkeit meist auf dem Schutz vor Tageshöchstwerten über 35°C, doch die Folgen heißer Nächte für Schlaf und Gesundheit sind deutlich weniger erforscht.
Eine aktuelle Studie auf Basis von Daten des Copernicus Climate Change Service zeigt, dass sich vor allem die Nächte besonders schnell erwärmen. Seit den siebziger Jahren ist die minimale „gefühlte“ Temperatur während der zehn wärmsten Nächte des Jahres weltweit pro Jahrzehnt um 0,32°C gestiegen. Dieser Wert heißt Universal Thermal Climate Index (UTCI) und berücksichtigt Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Strahlung.
Auch die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20°C fällt, hat pro Jahrzehnt um rund zwei Nächte zugenommen.
In der Nacht erholt sich der Körper
Die Forschenden halten diesen Trend für entscheidend, denn heiße Nächte lassen dem Körper weniger Zeit, sich von der Tageshitze zu erholen. Heiße Tage, auf die ebenso heiße Nächte folgen, treten außerdem immer häufiger auf: In Europa haben diese sogenannten ‚kombinierten Hitzeereignisse‘ seit den siebziger Jahren um 73% zugenommen.
Im Schlaf sinken normalerweise Herzfrequenz und körperliche Aktivität, gleichzeitig fällt die Kerntemperatur des Körpers. So können sich Nervensystem, Immunsystem und Herz-Kreislauf-System von den Belastungen des Tages erholen.
Bleibt das Schlafzimmer jedoch zu warm, kann der Körper überschüssige Wärme schlechter abgeben. Blutgefäße in der Nähe der Haut erweitern sich, um Hitze freizusetzen, und das Herz muss stärker arbeiten, um das Blut zu pumpen. Durch Schwitzen droht zusätzlich Austrocknung.
Die Folge: Einschlafen fällt schwerer, nächtliches Aufwachen nimmt zu und der Schlaf wirkt insgesamt weniger erholsam.
Das Problem wird besonders kritisch, wenn sich heiße Nächte über mehrere Tage hinweg ziehen. Nach einer gestörten Nacht mit unzureichender Abkühlung startet der Körper bereits belastet in den nächsten Tag, genau dann, wenn die Temperaturen erneut steigen.
Forschende gehen zunehmend der Frage nach, ob dieser wiederholte Mangel an nächtlicher Erholung erklärt, weshalb lang anhaltende Hitzewellen ein so großes Gesundheitsrisiko darstellen.
So bleiben Sie nachts kühl
Viele Wohnungen in bisher eher kühlen Regionen sind nicht auf steigende Temperaturen ausgelegt und kühlen nach Sonnenuntergang nur langsam ab. Dadurch bleiben Schlafzimmer oft noch lange nach der größten Tageshitze warm und feucht.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, die Raumtemperatur nachts möglichst unter 24°C zu halten (Quelle auf Englisch). Das erleichtert dem Körper die Abkühlung und unterstützt einen besseren Schlaf während Hitzewellen.
Hier sind sieben Maßnahmen, mit denen Sie Ihre Wohnung abkühlen und bei Hitzewellen besser schlafen können:
- Öffnen Sie nach Einbruch der Dunkelheit die Fenster, wenn die Luft draußen kühler ist als drinnen.
- Schließen Sie tagsüber Rollos, Fensterläden oder Vorhänge, damit sich der Raum nicht aufheizt.
- Nutzen Sie leichte Bettwäsche und lockere, luftige Kleidung.
- Nehmen Sie vor dem Schlafengehen eine kühle Dusche oder ein Bad.
- Trinken Sie regelmäßig Wasser, vermeiden Sie jedoch zu viel Alkohol und Koffein.
- Wechseln Sie in den kühlsten Raum der Wohnung, wenn Ihr Schlafzimmer zu heiß wird.
- Schalten Sie nicht benötigte elektrische Geräte aus, denn sie erzeugen zusätzliche Wärme.