Netflix meldet mehr als 232 Mio. Abonnenten und beendet DVD-Versand

Bald kommen keine Filme mehr über den Postweg (Archivfoto 2007)
Bald kommen keine Filme mehr über den Postweg (Archivfoto 2007) Copyright PAUL SAKUMA/AP
Von Euronews mit DPA/AP
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Netflix verzeichnet einen eher verhaltenen Jahresauftakt und beendet den historischen DVD-Versand.

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Netflix hat das Jahr mit einem weiteren Anstieg der Abonnentenzahlen begonnen, allerdings nicht so stark wie von Experten vorausgesagt.

Im ersten Quartal steigerte der Online-Videodienst laut eigenen Angaben seine Kundenzahlen um 1,75 Millionen auf 232,5 Millionen Nutzerkonten. 

Obwohl der Abonnentenanstieg geringer ausfiel, als Netflix in der Vergangenheit für das erste Quartal, steht er dennoch in krassem Gegensatz zu dem Verlust von 200.000 Abonnenten, den das Unternehmen zur gleichen Zeit vor einem Jahr hinnehmen musste.

"Dieses Quartal verlief für uns ziemlich normal", so Ted Sarandos, Co-CEO von Netflix. Der Ausblick auf das laufende Vierteljahr fällt allerdings eher durchwachsen aus. Erst im zweiten Halbjahr rechnet Netflix - auch dank des Vorgehens gegen das Passwort-Teilen - mit einem Aufschwung. Ein weiterer Wachstumstreiber soll der im November gestartete günstigere Abo-Tarif mit Werbung werden.

8,2 Milliarden Dollar Umsatz im 1. Quartal

Den Umsatz steigerte Netflix in den drei Monaten bis Ende März im Jahresvergleich um knapp vier Prozent auf 8,2 Milliarden Dollar. 

Der Gewinn sank dennoch um rund 18 Prozent auf unterm Strich 1,3 Milliarden Dollar. Im laufenden zweiten Quartal erwartet Netflix keine großen Sprünge - die Erlöse und das Nettoergebnis dürften mehr oder weniger auf dem Niveau des Vorquartals stagnieren. 

Bei Anlegern kam der Geschäftsbericht zunächst nicht gut an. Die Aktie geriet nachbörslich zeitweise mit über zehn Prozent ins Minus. Allerdings erholte sich der Kurs relativ schnell wieder weitgehend.

Erst im zweiten Halbjahr rechnet der Streamingriese mit einem spürbaren Aufschwung - auch dank des Vorgehens gegen das Passwort-Teilen.

Netflix greift gegen Passwort-Trittbrettfahrer durch

Nach monatelanger Verzögerung will der Streaming-Riese bis Ende Juni das Vorgehen gegen Trittbrettfahrer in seinen wichtigsten Märkten starten. Das dürfte auch Deutschland einschließen. Für Nutzer, die mit dem Account-Inhaber nicht unter einem Dach wohnen, soll dann extra Geld fällig werden. 

Mit dem neuen Vorgehen gegen die gemeinsame Nutzung von Passwörtern soll eine Praxis beendet werden, die Netflix jahrelang unkontrolliert zuließ, während sein Streaming-Dienst Abonnenten in Scharen anlockte. 

Das robuste Wachstum gab dem Management wenig Anreiz, die Kunden durch die Eindämmung des Passwort-Sharings zu verärgern, aber die Stimmung bei Netflix hat sich geändert, nachdem das Unternehmen in der ersten Hälfte des letzten Jahres 1,2 Millionen Abonnenten verloren hat, und zwar aufgrund des härteren Wettbewerbs und des Inflationsdrucks, der die Verbraucher dazu veranlasste, ihre Ermessensausgaben einzuschränken.

"Das Unternehmen ist zwar weiter als im letzten Jahr, steht aber immer noch deutlich unter dem Druck aller Akteure in diesem überfüllten Markt", so Third Bridge-Analyst Jamie Lumley.

Jetzt versucht Netflix, den schätzungsweise 100 Millionen Zuschauern, die mit den Passwörtern anderer Abonnenten Netflix-Fernsehserien wie "The Crown" und Filme wie "Im Westen nichts Neues" ansehen, Einnahmen abzuringen.

Ende einer Ära: Keine DVDs mehr mit der Post

Netflix gab außerdem bekannt, den DVD-Verleih - mit dem die Geschichte des Konzerns vor gut 25 Jahren begann, einzustellen.

er Versand per Post war das ursprüngliche Geschäftsmodell des 1997 gegründeten Unternehmens. Der Legende nach begann die Geschichte von Netflix sogar mit einem Leihvideo. Gründer Reed Hastings verlegte eine Videokassette und ärgerte sich über die Mahngebühren der Videothek, wie er später erzählte. Daraus entstand die Geschäftsidee einer DVD-Flatrate. Im Streaming-Zeitalter spielte dieser Service aber ohnehin kaum noch eine Rolle. Netflix begründete das Aus mit der geringen Nutzung.

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