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Archäolog:innen entdecken antike Nekropole in der Nähe der Pariser Metro

Ein Archäologe arbeitet an der antiken Nekropole in der Nähe der Metro-Station Port-Royal in Paris.
Ein Archäologe arbeitet an der antiken Nekropole in der Nähe der Metro-Station Port-Royal in Paris. Copyright Thomas Samson / AFP
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Von Anca UleaAFP
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Archäolog:innen sind in der Nähe einer Pariser Metro-Station auf eine Nekropole gestoßen. Seit der Antike wurden die entdeckten Teile der Grabstätte nicht mehr betreten.

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Seit Jahrhunderten laufen die Pariser:innen über Tausende Jahre Geschichte. Unter ihren Füßen liegen Katakomben und Überreste vergangener Zivilisationen.

Wissenschaftler:innen haben nun nur drei Meter unter dem ausgetretenen Pflaster der französischen Hauptstadt eine überraschende Entdeckung gemacht: 50 bisher unberührte Gräber wurden nur einen Steinwurf von einer belebten Metrohaltestelle entfernt gefunden.

Trotz mehrerer Bauprojekte in den vergangenen Jahren und des Baus der Station Port-Royal am historischen linken Ufer der Seine in den 1970er Jahren war die Nekropole verschüttet geblieben.

In diesem Jahr wurde sie schließlich freigelegt, als Pläne für einen neuen Bahnhofsausgang zu einer archäologischen Ausgrabung führten. Die Entdeckung bietet einen seltenen Einblick in das Leben in der römischen Stadt Lutetia, die vor fast 2.000 Jahren dort existierte, wo sich heute Paris befindet.

Die Geschichte einer verlorenen Stadt

Camille Colonna, Anthropologin am französischen Nationalen Institut für präventive archäologische Forschung (INRAP), erklärte gegenüber Journalist:innen, es habe bereits "starke Vermutungen" gegeben, dass die südliche Nekropole von Lutetia in der Gegend liegen könne.

Die Nekropole Saint-Jacques, die größte Begräbnisstätte der gallorömischen Stadt Lutetia, wurde bereits im 19. Jahrhundert teilweise ausgegraben. Aus den Gräbern wurden jedoch nur als "wertvoll" erachtete Artefakte entnommen, viele Skelette und Grabbeigaben wurden zurückgelassen.

Die Stätte wurde nicht gepflegt. Im Laufe der Jahre verschwand sie wieder unter der Erde - und damit auch das Wissen über ihren genauen Standort. Der Grabstätte, mit deren Ausgrabung die Archäolog:innen im März begannen, wurde jedoch auch im 19. Jahrhundert nicht entdeckt.

"Niemand hat sie seit der Antike gesehen", so INRAP-Präsident Dominique Garcia.

Colonna sagte, dass es dem Team gelungen sei, die Grabstätte auf das zweite Jahrhundert nach Christus zu datieren, und zwar aufgrund einer Münze, die in dem Mund eines der Skelette gefunden worden sei.

Thomas Samson / AFP
Eines der Skelette, die in der antiken Nekropole gefunden wurden.Thomas Samson / AFP

Rituale, Riten und Opfergaben

Bei den Überresten der 50 Männer, Frauen und Kinder handelt es sich vermutlich um Parisier, ein gallisches Volk, das in Lutetia lebte, als das Fischerdorf vom Römischen Reich kontrolliert wurde. Der heutige Name der Stadt ist auf diese frühen Bewohner:innen zurückzuführen.

Ihre Skelette waren in Holzsärgen begraben, die Archäolog:innen nur anhand der Metallnägel identifizieren konnten. Mehr als die Hälfte der Leichen wurde mit Beigaben bestattet, darunter Krüge und Becher aus Keramik.

Manchmal wurde eine Münze in den Sarg oder sogar in den Mund eines Toten gelegt, um den sicheren Weg der Seele in die Unterwelt zu garantieren. Dabei handelt es sich um den sogenannten Charonspfennig, benannt nach dem Fährmann des Hades, der in der griechischen Mythologie die Seelen der Toten über den Fluss Styx brachte.

Die französischen Archäolog:innen fanden auch persönliche Gegenstände wie Schmuck, Haarnadeln, Gürtel und Schuhe in den Gräbern. Die Leichen wurden vollständig bekleidet begraben. Neben einigen lagen mehrere Paar Schuhe, die die Wissenschaftler:innen anhand der winzigen Nägel identifizieren konnten, mit denen die Sohlen befestigt waren.

Laut Colonna wurden die Schuhe "entweder zu den Füßen der Toten oder neben sie gestellt, wie eine Opfergabe".

"Wir haben ein Grab mit fünf Paar Schuhen", fügte sie hinzu. "Wenn sie flach hingelegt wurden, können wir anhand der Nägel noch die Form des Schuhs erkennen und sogar seine Größe schätzen."

Die Archäolog:innen fanden außerdem ein vollständiges Schweine-Skelett und das eines weiteren kleinen Tiers in einer Grube. Sie waren vermutlich eine Opfergabe für die Götter.

Thomas Sanson / AFP
Die Archäolog:innen bei der Arbeit an der Nekropole unter Paris.Thomas Sanson / AFP

Eine umfassende Analyse beginnt

Anders als bei der letzten Ausgrabung der Nekropole Saint-Jacques im 19. Jahrhundert hat das Team dieses Mal sämtliche Fundstücke von der Stätte entfernt und plant, sie alle zu analysieren.

"Dies wird es uns ermöglichen, das Leben der Parisier durch ihre Bestattungsriten und ihren Gesundheitszustand zu verstehen, indem wir ihre DNA untersuchen", so Colonna.

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Unter anderem wollen die Wissenschaftler:innen klären, wie sich die Nekropole im Laufe der Jahre entwickelte und vergrößerte und wie sie organisiert war. Außerdem wollen sie die Keramikgefäße analysieren, um herauszufinden, was sich in ihnen befand - zum Beispiel Honig, Öl oder Lebensmittel.

Garcia sagte, der Fund sei aufregend, weil die antike Geschichte von Paris "im Allgemeinen nicht gut bekannt" sei. Die entdeckten Gräber öffnen daher "ein Fenster in die Welt des Paris der Antike".

Nach Angaben des INRAP ist davon auszugehen, dass sich die Nekropole noch weiter über den Süden von Paris erstreckt. Doch diese antiken Geheimnisse werden vorerst begraben bleiben, da neue Ausgrabungen nur stattfinden können, wenn Bauprojekte die Stätten zu beschädigen drohen.

Weitere Quellen • Le Monde

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