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Hinter den Kulissen: 'Champion' über tragischen Boxer Emile Griffith fesselt New Yorker Met

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Hinter den Kulissen: 'Champion' über tragischen Boxer Emile Griffith fesselt New Yorker Met
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Von Katharina Rabillon
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Musica begibt sich hinter die Kulissen der Metropolitan Opera in New York und trifft die Menschen, die die Neuinszenierung der zeitgenössischen Oper "Champion" möglich gemacht haben.

Die Inszenierung einer Oper ist eine große Herausforderung, Hunderte Menschen sind daran beteiligt, bis ein Meisterwerk zur Premiere fertig ist. Musica begibt sich hinter die Kulissen der Metropolitan Opera in New York und trifft die Menschen, die die Neuinszenierung der zeitgenössischen Oper "Champion" möglich gemacht haben. 

Der neue "Champion" der Metropolitan Opera

Es ist die wahre und tragische Geschichte eines großartigen Boxers, der in den 50er-Jahren nach New York kam: Emile Griffith. Der Mann von der Karibik-Insel Saint Thomas hütet ein Geheimnis: Er führt ein Doppelleben und ist bisexuell.

Sein Gegner Benny “Kid” Paret findet das heraus und flüstert ihm vor einem Kampf 1962 homophobe Sprüche ins Ohr. Im Ring entfacht sich eine der größten Tragödien der Sportgeschichte. Emile Griffith schlägt Paret ins Koma. Zehn Tage später stirbt Paret und Griffith wird den Rest seines Lebens von Schuldgefühlen geplagt. 

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Die Szene des Kampfes zwischen Emile Griffith und seinem Gegner Benny “Kid” Paret.Euronews

Die Geschichte inspirierte den Komponisten Terence Blanchard zu der Oper „Champion“.  Eine Zeile habe ihn besonders berührt. "Ich habe den Mann getötet und die Welt hat mir vergeben. Aber ich habe einen Mann geliebt und die Welt will mich töten." 

In diesem Satz liegt die ganze Tragik und mache die Geschichte so traurig. 

Die Musik

Der sechsmalige Grammy-Preisträger und Jazztrompeter Terence Blanchard komponierte das Meisterwerk. Er gehört zu den wichtigsten Stimmen der zeitgenössischen amerikanischen Musik und schreibt auch die Musik für Kult-Filmemacher Spike Lee.

"Im Kern geht es für mich um zwei Dinge, um Erlösung und Vergebung - sich selbst zu vergeben", beschreibt Blanchard den Inhalt des Werks.

„In diesem Stück hören Sie viele verschiedene Dinge. Wir nennen es 'Oper in Jazz', weil ich viele Jazz-Elemente einsetze, aber wir haben auch Calypso und Samba-Rhythmen. Wir haben Street Beats. Wenn ich ein zeitgenössischer Komponist sein will, dann soll das alles eine mögliche DNA für eine Komposition sein - alles aus den verschiedenen Kulturen rund um die Welt.“

Die Produktion und die Bühne

Die Oper zeigt den Weltlergewichts-Champion Emile Griffith durch Rückblenden in verschiedenen Phasen seines Lebens. Wenn der Regisseur und die Bühnenbildner zusammenkommen, müssen sie entscheiden, wie die Welt aussehen soll, die sie erschaffen wollen.

Bühnendriektor James Robinson erklärt, weshalb die Stücke heute zunehmend mehr Szenen haben. "Ich glaube, dass neue Opern und Komponisten, die eine Oper komponieren wollen, heutzutage mehr vom Film als vom Theater beeinflusst sind. Es ist also sehr selten, dass man eine neue Oper macht, die nicht mindestens 20 Szenen hat." 

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Die Oper hat ein komplexes Bühnenbild mit vielen Szenen.Euronews

Um ihre Ideen vom Bühnenbild visuell darzustellen, nutzen sie ein Modell, eine Art Puppenhaus. Das hilft dem Team wichtige Entscheidungen über die Bühne und das Licht zu treffen. "So ist es am einfachsten herauszufinden, wie es aussehen soll. Bei so einer Produktion muss man damit beginnen, wie sich ein Set bewegt", erklärt Bühnenbildner Allan Moyer. 

Das sei keine Oper, bei der man einfach den Vorhang herunterlassen und ihn wieder heraufziehen würde, wenn die nächste Szene anfängt, sagt Bühnendriektor James Robinson. "Es geht einfach immer weiter. Wir müssen also all diese Übergänge sehr, sehr sorgfältig ausarbeiten."

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Hinter der Bühne der Metropolitan Opera während der Proben für "Champion".Euronews

Das Bühnenbild wird in der Kulissenwerkstatt und Schreinerei gebaut. Die Metropolitan Opera hat ihre eigene riesige Werkstatt, in der ein Team von Handwerkern alles selbst gestaltet, vom Tischlern bis hin zum Schweißen und Malen.

In dieser Produktion ist der handgemalte Bühnenvorhang ein besonderer Blickfang. "Das ist eine große Bühne. Wir arbeiten für eine große Fläche. Wir sind geübt darin, groß zu arbeiten. Man muss im Hinterkopf behalten, dass man aus der Ferne Farbwert, Textur, Glanz, Temperatur, all das ein wenig aufdrehen muss", so Bühnenbildner Robert Moody. 

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In der Produktion von "Champion" ist der handgemalte Bühnenvorhang ein besonderer Blickfang.Euronews

Die Kostüme

Die Figuren visuell zum Leben zu erwecken - das ist eine wichtige Aufgabe für den Kostümbildner. An der Met arbeiten in jeder Saison mehr als hundert Schneider und Maskenbildner an Tausenden Kostümen und Perücken. Der preisgekrönte Kostümbildner Montana Levi Blanco hat ein Jahr vor Beginn der Proben mit seiner Arbeit an "Champion" begonnen - von den Kostümentwürfen über die Auswahl der Stoffe bis hin zur Zusammenarbeit mit den Schneidern.

"Was Sie hier sehen, ist unsere Arbeitswand. Ich glaube, es sind über 400 Kostüme. Das ist wirklich hilfreich für uns bei diesen Szenen mit vielen, vielen Leuten. Es hilf uns, alle als ein Kollektiv zu sehen", so Montana Levi Blanco.

"Das wirklich Schöne an Champion ist, dass es sich um ein Erinnerungsstück handelt. Und so werden wir in diese sehr realen und lebendigen Erinnerungen aus Emiles Leben zurückgeworfen. Eine der ersten Szenen ist ein Karneval auf den Jungferninseln in den späten Vierzigern".

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In "Champion" sind über 400 Kostüme zu sehen.Euronews

Der zweite Raum ist eine Kabarett-Bar aus den 50er Jahren namens "Hagan's Hole". "Und der dritte wirklich interessante Raum ist eine Art männlich dominierter, maskuliner Fitnessraum", so Montana Levi Blanco.

"Ich denke, das ist das Besondere an Champion, dass es eine Verschmelzung all dieser Welten ist, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat. Champion erlaubt uns, das auf der Bühne auf eine wirklich schöne und fesselnde Weise zu präsentieren."

Die Metropolitan Opera hat eine gute Beziehung zu Juwelieren antiker Schmuckstücke. "Deshalb können wir Vintage-Sachen verwenden, wo man wohl normalerweise nicht an Vintage Stücke herankommen würde."

Opfer und Vorurteile

Manche Rollen erfordern große Opfer. Der Bassbariton Ryan Speedo Green, der die Titel-Rolle des Emile Griffith verkörpert, hat 40 Kilogramm abgenommen, um in Topform zu kommen. Die schlagkräftige Geschichte des Boxchampions ist Teil einer Initiative der Met, neue Werke zu präsentieren und damit auch ein neues Publikum zu erreichen.

"Wenn man ein modernes, neues Werk macht, dann gibt es so viel, was man in einer noch nie dagewesenen Weise präsentieren kann. Wir haben riesige Tanznummern in diesem Stück, mehr als wahrscheinlich in jeder anderen Oper, die die Met seit langer Zeit gemacht hat."

"In meiner bisherigen Karriere musste ich Vorurteile überwinden. Ich komme aus einer Wohnwagensiedlung in Virginia und das ich heute hier singe, bedeutet etwas. Mit Champion kann ich 'Vorurteile' der Operngänger und Opernfans abbauen, was Oper auch sein kann", so Ryan Speedo Green.

"Das ist nicht einfach nur eine Oper", meint Sopransängerin Latonia Moore. "Es ist so viel dabei, es gibt Tanz, es gibt eine Parade auf der Bühne, Stelzenläufer. Es ist toll, das zu sehen und zu hören." 

Regisseur Terence Blanchard sagt, er sei sehr stolz darauf, dass er den Menschen etwas bieten könne, das ihnen die Augen für diese Kunstform öffne "und ihnen ermöglicht, mehr nachzuforschen und selbst mehr Erfahrungen zu machen."

In Runde 2 der nächsten Folge von Musica, verfolgen wir die spannenden Proben bis hin zur Premiere.

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