David Mouriquand von Euronews Culture hat sich den Dokumentarfilm "Melania" über Melania Trump angeschaut, damit Sie das nicht tun müssen. Darum werden Sie bitter enttäuscht.
"Melania", der neue Dokumentarfilm über die US-First Lady Melania Trump des Hollywood-Außenseiters Brett Ratner läuft nun in den Kinos. Amazon hat für den Film rund 40 Millionen Dollar ausgegeben - wobei 28 Millionen Dollar direkt in die maßgeschneiderten Taschen von Frau Trump geflossen sind.
Der Film begleitet die erschreckend emotionslose First Lady der USA in den drei Wochen vor der zweiten Amtseinführung Trumps und will einen seltenen und ungefilterten Insiderzugang zu einer undurchschaubaren Figur bieten.
"Alle wollen es wissen", sind Melanias erste Worte. Die Erwartung: dass wir tatsächlich etwas über das ehemalige Model aus Slowenien erfahren, das schließlich den einwanderungsfeindlichsten Präsidenten der USA heiratete.
Doch der Zuschauer wird bitter entteuscht. Denn statt eines kleinen Einblicks in das vermeintliche Rätsel, das sich hinter teuren Designerhüten verbirgt, oder zumindest ein wenig Information über die wahre Dynamik ihrer Ehe, bekommen wir nur eine ewig finstere Gestalt zu sehen.
Monoton vorgetragene Aphorismen statt Authenzität
Sie wählt goldene Eier mit Kaviar für das Einweihungsdinner aus. Sie wählt mit Modedesignern "richtig scharfe" Outfits aus. Sie beglückt uns mit faden Zitaten, die sich anhören, als wären sie von einer KI vorgetragen worden, die ihre Seelenlosigkeit beweisen will - monoton vorgetragene Aphorismen wie "wir sind alle durch dieselbe Menschlichkeit verbunden" und "schätze deine Familie und deine Lieben".
Ach ja, wir erfahren, dass ihr Lieblingssänger Michael Jackson ist. Das war's.
Der einzige menschliche Moment in diesem selbstbeweihräuchernden Porträt der Privilegien, das nicht daran interessiert ist, irgendetwas "echtes" hinter der Oberfläche zu zeigen, ist Melanias Mitteilung, dass sie immer noch um ihre "geliebte Mutter" Amalija Knavs trauert, die im Januar 2024 starb.
Es ist ein potenziell interessanter Einblick, der für etwas Tiefe hätte sorgen können, aber statt Menschlichkeit zu vermitteln, unterstreicht das persönliche Detail nur einen grausamen Mangel an Empathie. Das erleben wir, als Melania bei der Beerdigung von Präsident Jimmy Carter nicht das kleinste bisschen Mitgefühl aufbringen kann. Sie denkt weder an den kürzlich verstorbenen Menschen noch an die Trauer seiner Angehörigen; sie kümmert sich nur um ihre Erzählung.
Im Kontrast zu Melanias Mangel an Persönlichkeit und ihrer Leblosigkeit erscheint ihr Mann, Präsident Donald Trump, fast schon charismatisch. Trump taucht gelegentlich im Film auf, und wirkt er wie ein frischer Wind.
Doch selbst dieser überraschende Nebeneffekt wird dadurch untergraben, dass Donald das Publikum daran erinnert, dass Empathie nicht seine Stärke ist. Er sagt nur herzlos: "Die hatte es schwer", als er sich auf den Tod der Mutter seiner Frau bezieht. Nun - jeder Topf findet einen Deckel.
Viele waren schnell dabei, Melania als ein verachtenswertes Stück Propaganda zu bezeichnen, noch bevor sie den Film auch nur gesehen hatten. Das ist es nicht. Propaganda hat einen Sinn. Gewaltige Hasswerkzeuge wie Triumph des Willens und Birth of a Nation hatten einen bösen Zweck.
Melania bleibt nur ein inszeniertes Puffstück - ein zynischer Versuch von Jeff Bezos, sich bei Trump einzuschmeicheln, und ein antidokumentarischer Kassenschlager, inszeniert von Leuten, denen es nur um Geld und die Förderung leerer Mythologien geht, die dazu dienen, die Marke Trump zu nähren. Und wenn der Film mit einer verdächtig langen Liste von Frau Trumps angeblichen Errungenschaften als First Lady endet (von denen wir nichts zu sehen bekommen), werden Sie zu gelangweilt sein, um es zu bemerken - geschweige denn, um für die Sache von Trump zu demonstrieren.
Was also ist Melania? Letztlich ist es ein seichtes, 104 Minuten langes Eitelkeitsprojekt.
Die Veröffentlichung von Melania kommt zu einer Zeit, in der die Handlungen der Trump-Administration dazu geführt haben, dass unschuldige Menschen erschossen wurden, was in ganz Amerika Angst, Wut und Trauer ausgelöst hat. Die Bilder von Melania Trump, die teure Outfits aussucht, "Weisheiten" über die gemeinsame Menschlichkeit ausspricht und das Publikum auffordert, mit ihrem eigenen Kummer mitzufühlen, kommen im Kontext der Tragödie nicht so gut an.
Und falls Sie noch einen weiteren Grund brauchen, um Melania zu meiden: Der Film kommt ausgerechnet dann in die Kinos, als sein Regisseur Brett Ratner, der 2017 bereits von mehreren Frauen der sexuellen Nötigung beschuldigt wurde, auf Bildern neben dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu sehen ist - eine junge Frau umarmend.
Melania ist jetzt in ausgewählten Kinos zu sehen und wird in den kommenden Wochen auch als Stream verfügbar sein.