Dieser Inhalt ist in Ihrer Region nicht verfügbar

Brexit-Befürworter in Großbritannien sterben häufiger an Covid-19 -- Studie

Access to the comments Kommentare
Von Euronews
In vielen Ländern gibt es Impfgegner. In Großbritannien sind viele Impfgegner auch Brexit-Befürworter, wie Forscher jetzt herausfanden.
In vielen Ländern gibt es Impfgegner. In Großbritannien sind viele Impfgegner auch Brexit-Befürworter, wie Forscher jetzt herausfanden.   -   Copyright  Matt Dunham/AP

Einem neuen Bericht zufolge sterben in Regionen Großbritanniens, die beim Referendum 2016 für den Brexit gestimmt haben, besonders viele Menschen an COVID-19.

Laut einer Studie von Ludovic Phalippou von der Universität Oxford und Betty H.T. Wu von der Universität Glasgow gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen den britischen Regionen, die für den Brexit gestimmt haben, und denen mit der höchsten Rate an COVID-19-Todesfällen.

So haben die Bezirke Boston, Great Yarmouth, South Holland und Hartlepool die vierthöchste Zahl an Todesfällen durch das Virus im Vereinigten Königreich - und gleichzeitig den größten Anteil an Ja-Stimmen für den Brexit: Alle vier Bezirke hatten 2016 mit mehr als 75 % für den Austritt aus der EU gestimmt. Im Gegensatz dazu stimmten die 20 Bezirke mit den niedrigsten Sterberaten alle deutlich für den Verbleib in der Europäischen Union.

Die Ergebnisse deuteten darauf hin, dass dieselben Menschen, die sich von den Argumenten für den Brexit beeinflussen ließen - durch ein Misstrauen gegenüber den politischen und finanziellen Eliten und populistische Rhetorik, die über soziale Medien verbreitet wurde, geprägt - auch diejenigen sind, die Corona-Impfungen und Maßnahmen wie Lockdowns und Masken ablehnen.

"Es gibt eine Gruppe von Menschen in der Bevölkerung, die einfach jeden offiziellen Ratschlag, jeden Mainstream-Tipp, jeden Expertenratschlag ablehnt", sagte Phalippou gegenüber Euronews.

"Für die Forscher stellt sich dann die Frage, wie man diese Menschen erreichen kann? In welchen Gebieten gibt es mehr von diesen Menschen?"

Phalippou und Wu sagten, dass das Ergebnis "sehr wichtige Konsequenzen für die Politik" haben sollte und stellten Initiativen wie die Impfpflicht, die kürzlich in Österreich eingeführt wurde, in Frage.

Viele derjenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, misstrauen bereits sowohl den Pharmaunternehmen als auch den Politiker:innen - und das nicht ganz ohne Grund, so Phalippou.

"Es gibt tatsächlich umfangreiche wissenschaftliche Literatur, die zeigt, wie korrupt der Prozess der Zulassung von Medikamenten ist. An einigen dieser Überzeugungen ist also etwas Wahres dran", sagte er.

"Wir müssen sie ernst nehmen, wir müssen verstehen, was sie sagen, wie sie sich fühlen, und wie wir ihnen und ihrer Denkweise entgegentreten können."

Jonathan Berman, Autor des Buches "Anti-vaxxers: How to Challenge a Misinformed Movement", erklärte gegenüber Euronews, dass der Zusammenhang einen gewissen Sinn ergebe und sich in anderen Regionen der Welt widerspiegele, in denen populistische Bewegungen Erfolg haben.

In Deutschland belegte eine Studie, dass AfD-Wähler:innen, die oft das politische System kritisieren, sich häufiger mit dem Coronavirus infizieren, als Wähler:innen anderer Parteien.

Kürzlich durchgeführte Untersuchungen in den USA haben eine ähnliche Überschneidung zwischen Donald Trump-Wähler:innen und COVID-19-Toten festgestellt.

"Der Brexit war ein ganz anderes Votum als Trump, aber der rote Faden, den ich zwischen den beiden sehe, ist, dass beide Kampagnen populistische Ziele verfolgten, die sich per Definition als normale Menschen gegen die Elite richteten", sagte Berman.

Die Impfgegner:innen-Bewegung habe diejenigen angesprochen, die für populistische Ideen empfänglich seien und den Eliten misstrauten, und Politiker wie Trump hätten daraus Kapital geschlagen.

"Epidemiologen, Gesundheitsämter und Virologen werden als Elite dargestellt", sagte er.

Osteuropa

Andere weisen darauf hin, dass es zwar einen Zusammenhang zwischen den Brexit-Wählern und den Regionen gibt, die am stärksten unter COVID-19 leiden, es sei aber vereinfacht, eine direkte Verbindung zwischen den Befürwortern des EU-Austritts und der Impfstoffskepsis zu ziehen. Etwa weil selbst in den Gebieten mit den höchsten COVID-19-Todesraten die Impfraten bei über 60 % liegen, weit höher als anderswo in Europa.

In Boston and Skegness zum Beispiel, wo nur 18,9 % der Einwohner 2016 für den Verbleib in der EU gestimmt haben und wo die Sterberate pro tausend Einwohner mit 3,1 doppelt so hoch ist wie in den Bezirken, die mehrheitlich für den Verbleib gestimmt haben, sind inzwischen mehr als 66 % der Menschen doppelt geimpft.

Matt Warman, der konservative Abgeordnete für Boston and Skegness, erklärte gegenüber Euronews, dass die hohe Zahl der Todesfälle in seinem Bezirk wahrscheinlich auf eine Reihe von Faktoren zurückzuführen sei, darunter die relativ große Zahl älterer Menschen, die generell anfälliger für das Virus sind.

Was die Korrelation zwischen den Gebieten, die für den Brexit gestimmt haben, und den Todesfällen betrifft, so könnte dies einen weiteren Grund geben.

"In den Gebieten, die 2016 für den Brexit gestimmt haben, leben tendenziell viele Menschen, die in Osteuropa geboren wurden, und wir wissen, dass es in der osteuropäischen Gemeinschaft in Großbritannien Probleme mit den Impfraten gibt", sagte Warman, der seit 2015 Abgeordneter ist, gegenüber Euronews.

Dieses Problem werde durch Fehlinformationen verschärft, die im Internet verbreitet würden und oft aus den Heimatländern dieser Menschen stammten, wo die Impfraten weitaus niedriger seien als in Großbritannien und die Anti-Vax-Stimmung weitaus stärker verbreitet sei.

"Social-Media-Unternehmen setzen sich nicht ausreichend gegen Fehlinformationen in anderen Sprachen in Großbritannien ein", sagte er.

Die oben genannte britische Studie finden Sie hier.