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Je mehr AfD-Wähler, desto höher die Corona-Infektionszahlen - Studie

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Von Alexandra Leistner
Viele Menschen in Deutschland sind mit der Corona-Politik unzufrieden, dazu gehören Querdenker und AfD-Anhänger, viele von ihnen sind gegen die Covid-19-Impfung.
Viele Menschen in Deutschland sind mit der Corona-Politik unzufrieden, dazu gehören Querdenker und AfD-Anhänger, viele von ihnen sind gegen die Covid-19-Impfung.   -   Copyright  Markus Schreiber/AP

Als in Idar-Oberstein ein Tankstellenkassierer im Streit um das Tragen einer Maske erschossen wurde, warfen Politiker:innen von SPD und FDP der AfD vor, mitverantwortlich zu sein für die Radikalisierung der sogenannten "Querdenker", die gegen die Corona-Politik in Deutschland demonstrieren.

In sozialen Netzwerken unterstützte der Täter von Idar-Oberstein die AfD. Und sowohl bei der AfD als auch unter Querdenkern gibt es einen hohen Anteil von Impfgegnern.

Eine Studie mehrerer Wissenschaftler:innen belegt jetzt den Zusammenhang zwischen Wahlergebnissen der AfD und dem Anstieg der Corona-Infektionszahlen.

Die Experten des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) unter Mitarbeit eines Epidemiologen vom Helmholtz Zentrum München untersuchten den "Einfluss der regionalen politischen Raumkultur auf die Unterschiede in den Corona-Inzidenzverläufen in den beiden ersten Expansionsphasen der Pandemie (Frühjahr 2020 und Herbst/Winter 2020)".

Dabei kamen die Forscher:innen zu dem Schluss, dass "die AfD-Zweitstimmenanteile der Bundestagswahl 2017 relativ hohe, statistisch signifikante Effekte auf die Anstiege der Infektionszahlen" in sowohl der ersten als auch der zweiten Infektionswelle hatten.

Wahlergebnis aus 2017 schlägt sich in Corona-Wellen 2020 nieder

In AfD-Hochburgen stiegen die Corona-Zahlen also schneller als in den Kreisen, in denen die Partei wenig Unterstützer hat. Das gilt sowohl für Ost- als auch für Westdeutschland.

"Ein Anstieg des AfD-Wahlergebnisses um einen Prozentpunkt erhöht die durchschnittliche Infektionshöhe in der Anstiegsphase der ersten Welle um 2,2 Prozentpunkte", erklärte der Soziologe Christoph Richter vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena.

(...) die Annahme (ist) naheliegend, dass auch in der aktuellen vierten Welle und bei der mangelnden Impfbereitschaft rechte Einstellungen als Verstärker der Pandemie wirken könnten.
Matthias Quent
Co-Autor der Studie

"Damit liegt statistisch die Infektionshöhe in einem Kreis mit 20 % AfD-Zweitstimmenanteil ca. 22 Prozentpunkte über einem Kreis mit einem Stimmenanteil von lediglich 10 %", so Richter.

Die Forscher:innen prüften auch, ob es ähnliche Zusammenhänge mit anderen im Bundestag vertretenen Parteien gibt, vergleichbare Effekte gebe es aber nicht. Auch 48 weitere Faktoren wie Altersstruktur, Mobilität oder wirtschaftliche Situation konnten als Grund für die gefundenen Zusammenhänge ausgeschlossen nach Überprüfung werden.

Allerdings haben auch andere rechtsextreme Kleinstparteien sowie der Anteil der Nichtwähler:innen in einem Kreis Einfluss auf die Inzidenzentwicklungen der Corona-Pandemie in Deutschland, wie aus der Analyse der Zweitstimmenanteile der Bundestagswahlen 2005 und 2013.

"Unsere Studie untersucht die ersten zwei Wellen, aber ausgehend von diesen Ergebnissen ist die Annahme naheliegend, dass auch in der aktuellen vierten Welle und bei der mangelnden Impfbereitschaft rechte Einstellungen als Verstärker der Pandemie wirken könnten", sagte Matthias Quent, Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft und Professor an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Je rechter eine Region, desto mehr Corona-Ansteckungen

Die Studie fand zudem heraus, dass vor allem Regionen, in denen radikal rechte Parteien "schon seit Längerem auf eine höhere Normalisierung und Verbreitung radikal rechter bzw. antidemokratischer Einstellungen hinweisen" und wo viele Menschen nicht wählen gehen, weil das Vertrauen in demokratische Insitutionen fehlt, besonders hohe Covid-19-Inzidenzen auftraten.

Für Mitautor Axel Salheiser vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft, bedeutet dies: „Besonders in den Regionen, in denen die demokratische Partizipationsbereitschaft niedrig und der Zuspruch zu Parteien der radikalen Rechten hoch ist, müssen bestehende zivilgesellschaftliche Strukturen noch stärker gefördert, ausgebaut und langfristig abgesichert werden und verstärkt für Vertrauen und für Impfungen geworben werden“.

_Die Studie ist im Rahmen des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ) unter Zusammenarbeit eines Epidemiologen vom Helmholtz Zentrum München entstanden. Die Autoren der Studie sind Christoph Richter, Axel Salheiser und Matthias Quent (FGZ-Teilinstitut Jena/Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft), Maximilian Wächter und Jost Reinicke (FGZ-Teilinstitut Bielefeld/Universität Bielefeld/Fakultät für Soziologie) sowie Matthias Wjst (Helmholtz Zentrum München). _