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Timmermans: "Wir müssen unsere Werte stärker verteidigen"

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Von Stefan Grobe  & Méabh Mc Mahon
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Timmermans: "Wir müssen unsere Werte stärker verteidigen"
Copyright  Vincent Degroote, Euronews

In einem exklusiven Interview mit Euronews hat der erste Vizepräsident der Europäischen Kommission ein sofortiges Ende des „verabscheuungswürdigen Verhaltens von Wladimir Putin und seiner Truppen“ gefordert. Er sagte, die EU stehe bereit, um den Ukrainern humanitäre Hilfe anzubieten, einschließlich eines Fonds von 1,2 Milliarden Dollar, und es sei höchste Zeit für die EU, sich von ihrer Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen.

Euronews: Wir wollen nun wissen, wie die Europäische Kommission auf die anhaltende russische Invasion in der Ukraine reagiert. Dazu ein Gespräch mit Vizepräsident Frans Timmermans.

Frans Timmermans: In den letzten 30 Jahren war Europa nie in der Lage, eine kohärente und umfassende Strategie gegenüber Russland zu entwickeln, und die Russen haben damit herumgespielt. Sie wissen, hier Freunde zu finden und dort Feinde zu hegen. Nur weil sie uns nicht beherrschen können. Dafür sind sie zu schwach, sie versuchen uns zu stören. Das tun sie seit Jahren. Und solange wir diese Störung akzeptieren, solange Sie wissen, solange die europäischen Regierungschefs mitten in einer Krise nach Moskau fahren, um einfach ein Gasgeschäft für sich selbst abzuschließen, solange das passiert, werden die Russen lachen und werden versuchen, einen Europäer gegen den anderen auszuspielen.

Euronews: Glauben Sie, dass Europa, dass die EU-Mitgliedstaaten sich dessen bewusst sind, was Sie da sagen? Was hätten sie in den letzten Jahren besser machen können?

Timmermans: Nun, ich denke, zu oft haben wir gedacht, dass unsere Werte so selbstverständlich sind. Sie würden sich auch selbst ausführen - aber sie sind es nicht und sie werden angegriffen. Das ist ein langfristiges Projekt von Wladimir Putin. Das macht er seit Jahrzehnten. Er hat die extremen Rechten in Europa finanziert. Er versucht, die Presse zu beeinflussen. Er tut alles, um unsere Demokratie und unsere Lebensweise zu untergraben. Und ich hoffe, dass jetzt, wo jeder in Europa sieht, wozu das führt, dass niemand mehr naiv ist, dass wir aufhören, sein Verhalten irgendwie wegzuerklären. Wir wissen, dass wir auf einer ideologischen Ebene angegriffen werden, die vergleichbar ist mit dem Kalten Krieg und dass wir uns so viel stärker verteidigen müssen.

Euronews: Der ukrainische Präsident Selenskyj hat gesagt, sein Land sei im Stich gelassen worden. Was ist Ihre Botschaft an ihn?

Timmermans: Nun, wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich genauso empfinden. Ich muss seinen Mut wirklich bewundern. Atemlos habe ich seine Rede verfolgt, die er auf Russisch vor der russischen Bevölkerung hielt. Für mich war sie eine der beeindruckendsten Reden, die ich je gesehen habe.

Das Gespräch führte Méabh Mc Mahon.