An diesem Sonntag, dem 7. Juli 2024, fand in Frankreich die entscheidende zweite Runde der Parlamentswahlen statt. Verfolgen Sie die Ergebnisse in Städten und Gemeinden auf unserer interaktiven Karte.
Die französischen Wählerinnen und Wähler sind am Sonntag zahlreich zur zweiten Runde der Parlamentswahlen erschienen. Aus diesem Urnengang geht die linke Volksfront als Sieger hervor. Die Rechtsextremen von Marine Le Pen sind auf Platz 3 abgestürzt. Auf Platz 2 liegt das Bündnis "Ensemble", das den Präsidenten Emmanuel Macron unterstützt.
In der ersten Runde waren die Rechtsextremen stärkste politische Kraft. Doch die linke Volksfront und die zentristischen Parteien um Emmanuel Macron haben im Kampf gegen die extreme Rechte versucht, eine Brandmauer zu bilden und eigene Kandidaten zurückgezogen. In den Umfragen kam die Le-Pen-Partei zuletzt schon nicht mehr auf eine absolute Mehrheit der Abgeordneten im Parlament.
Im Verlauf der zweiten Wahlrunde geben aktualisierte Karten Einblicke in die sich verändernde politische Landschaft und zeigen die sich einzelnen Ergebnisse, sobald sie bekannt gegeben werden.
In den beiden Grafiken können Sie die Ergebnisse der zweiten und der ersten Runde vergleichen. Die rechtsextreme Le-Pen-Partei Rassemblement National erscheint dunkelblau.
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Live beendet
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Wir hoffen, Ihnen einen umfassenden und spannenden Überblick über die Wahlen in Frankreich gegeben zu haben. Bleiben Sie mit uns auf dem Laufenden für weitere Updates und Analysen.
Gute Nacht aus Berlin!
In Frankreich wird nach den Hochrechnungen nicht nur gefeiert...
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Polizisten stehen bei brennenden Fahrrädern während der Spannungen in der Nähe des Platzes der Republik nach der zweiten Runde der Parlamentswahlen, Sonntag, 7. Juli 2024, in Paris. AP Photo/Aurelien Morissard

Fahrräder brennen während der Spannungen in der Nähe des Platzes der Republik nach der zweiten Runde der Parlamentswahlen, Sonntag, 7. Juli 2024 in Paris. AP Photo/Aurelien Morissard
Sanchez:
Der spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez schrieb auf X: "In dieser Woche haben sich zwei der größten Länder Europas für denselben Weg entschieden wie Spanien vor einem Jahr: Ablehnung der extremen Rechten und festes Engagement für eine soziale Linke, die die Probleme der Menschen mit einer ernsthaften und mutigen Politik angeht.
Das Vereinigte Königreich und Frankreich haben JA zu Fortschritt und sozialem Fortschritt gesagt und NEIN zu Rückschritten bei Rechten und Freiheiten.
Mit der extremen Rechten kann man weder verhandeln noch regieren."
Esta semana, dos de los mayores países de Europa han elegido el mismo camino que eligió España hace un año: rechazo a la ultraderecha y apuesta decidida por una izquierda social que aborde los problemas de la gente con políticas serias y valientes.
— Pedro Sánchez (@sanchezcastejon) July 7, 2024
Reino Unido y Francia han…
Rentenreform auf der Agenda
Fabien Roussel, Vorsitzender der Kommunistischen Partei, die Teil der siegreichen Linkskoalition der Neuen Volksfront ist, sagte im französischen Fernsehen, er plane, "die Aufhebung des Renteneintrittsalters von 64 Jahren sofort auf die Tagesordnung zu setzen".
Die Rentenreform, mit der das gesetzliche Renteneintrittsalter um zwei Jahre nach hinten verschoben wurde, wurde erst im April 2023 verabschiedet, nachdem die Regierung von Artikel 43.9 Gebrauch gemacht hatte, der es ihr ermöglicht, ein Gesetz ohne Abstimmung durchzupeitschen.
Nous mettrons tout de suite à l'ordre du jour l'abrogation de la retraite à 64 ans. pic.twitter.com/j94czKCBD3
— Fabien Roussel (@Fabien_Roussel) July 7, 2024
Attal: "Ministerpräsident zu sein, ist die Ehre meines Lebens"
Ministerpräsident Gabriel Attal sagte in einer Rede: "Ministerpräsident zu sein, ist die Ehre meines Lebens. Das Band, das wir geknüpft haben, ist das Wertvollste, was ich besitze.
Heute Abend verfügt die politische Gruppierung, die ich in diesem Wahlkampf vertreten habe, nicht über eine Mehrheit.
Getreu der republikanischen Tradition und im Einklang mit meinen Grundsätzen werde ich morgen früh dem Präsidenten der Republik meinen Rücktritt einreichen."
Être Premier ministre est l'honneur de ma vie.
— Gabriel Attal (@GabrielAttal) July 7, 2024
Le lien que nous avons tissé est ce que j'ai de plus précieux.
Ce soir, la formation politique que j'ai représentée dans cette campagne ne dispose pas d'une majorité.
Fidèle à la tradition républicaine et conformément à mes… pic.twitter.com/DgcbNKoTLE
Hochrechnungen haben sich leicht geändert
Laut Ipsos bleibt jedoch alles beim Alten. Die Linke Volksfront liegt weiterhin mit voraussichtlich 177 bis 192 Sitzen vorn, gefolgt von der Koalition Ensemble mit 152 bis 158 Sitzen und dem Rassemblement National mit 138 bis 145 Sitzen.
Erleichterung und Freude in Deutschland über Ausgang der französischen Parlamentswahlen
Während sich die meisten wichtigen Politiker bis zum Vorliegen der offiziellen Ergebnisse zurückhalten, hat das Scheitern einer möglichen rechtsgerichteten Regierung, die sich in den Exit Polls abzeichnet, zu ersten Reaktionen im europäischen Nachbarland geführt.
Erleichterung in Deutschland über Ausgang der Frankreichwahlen
Während sich die meisten wichtigen Politiker bis zum Vorliegen der offiziellen Ergebnisse zurückhalten, hat das Scheitern einer möglichen rechtsgerichteten Reg…
Ergebnisse der 2. Runde der Wahlen in Frankreich: Live-Karte - wie jeder Wahlkreis abgestimmt hat
Sie können mit unserer interaktiven Live-Karte auf dem Laufenden bleiben, wer wo gewonnen hat.
Ergebnisse der Wahlen in Frankreich: Live-Karte der Wahlkreise
An diesem Sonntag, dem 7. Juli 2024, findet in Frankreich die entscheidende zweite Runde der Parlamentswahlen statt. Verfolgen Sie die Ergebnisse in Städten un…
Politische Geschäftsführerin der Grünen: "Das macht Mut und ist wichtig für die europäische Zusammenarbeit"
Emily Büning, politische Geschäftsführerin der Grünen, schrieb in einem Beitrag auf X:
"Vive la France! Große Freude! Nach UK setzen nun auch die Menschen in Frankreich ein deutliches Zeichen: nicht nur gegen Rechtsextreme, sondern für progressive demokratische Bündnisse. Das macht Mut und ist wichtig für die europäische Zusammenarbeit."
Vive la #France! 🇫🇷 Große Freude! Nach UK setzen nun auch die Menschen in #Frankreich ein deutliches Zeichen: nicht nur gegen Rechtsextreme, sondern für progressive demokratische Bündnisse. Das macht Mut und ist wichtig für die europäische Zusammenarbeit.
— emily büning (@emilybuening) July 7, 2024
Gemischte Reaktionen in Frankreich: Spannungen und Feiern
Demonstranten zünden Rauchfackeln, als sie auf die voraussichtlichen Ergebnisse der zweiten Runde der Parlamentswahlen reagieren, Sonntag, 7. Juli 2024 in Nantes, Westfrankreich.
Während einige Menschen in Paris feiern, demonstrieren andere in Lyon und Nantes gegen die Ergebnisse von heute Abend.

7. Juli 2024 in Nantes, Westfrankreich. AP Photo/Jeremias Gonzalez
Reaktion aus den USA: Bernie Sanders gratuliert der Linken Volksfront
Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders schrieb in einem Beitrag auf X, dass es eine einfache Tatsache gäbe. "Wenn Politiker sich auf die Seite der arbeitenden Familien stellen, werden die arbeitenden Familien zu Ihnen stehen.
Wie sich herausstellt, sind die Senkung des Rentenalters und die Erhöhung des Mindestlohns sehr beliebt.
Glückwunsch an die französische Linke, die es mit dem Rechtsextremismus aufgenommen und gewonnen hat."
Here’s a simple fact: If politicians stand with working families, working families will stand with you.
— Bernie Sanders (@BernieSanders) July 7, 2024
As it turns out, lowering the retirement age & raising the minimum wage are very popular.
Congratulations to the French Left for taking on right-wing extremism and winning.
François Hollande schließt sich selbst als Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten aus
Der ehemalige Präsident François Hollande hat Andeutungen zurückgewiesen, dass er nach seiner Wahl in die Nationalversammlung eine Regierung bilden und Ministerpräsident werden könnte.
"Muss man nicht ein Kandidat sein, um eine Regierung zu führen, wenn man ihr angehören will? Ich bin keiner", sagte er im BFM-TV.
Er fügte hinzu, dass seine bisherigen Erfahrungen ihm bei der Stärkung der französischen Außenpolitik nützlich sein könnten, "um sicherzustellen, dass die Interessen Frankreichs gewahrt werden", sagte er gegenüber France 2.
Wahlbeteiligung: 67.10 Prozent
Laut dem französischen Innenministerium lag die heutige Wahlbeteiligung bei 67.10 Prozent.
Jean-Luc Mélenchon: "Die Kraft, alles zu ändern!"
Die Linke Volksfront ist bereit zu regieren", sagt der siegreiche Mélenchon.
"Die Niederlage des Präsidenten der Republik und seiner Koalition ist eindeutig bestätigt", sagte Jean-Luc Mélenchon. "Der Präsident muss sich dieser Niederlage beugen und sie eingestehen, ohne zu versuchen, sie mit irgendwelchen Mitteln zu vermeiden."
La force de tout changer !#ElectionsLegislatives2024 #VictoireNFP pic.twitter.com/BmYqmuN0ft
— Jean-Luc Mélenchon (@JLMelenchon) July 7, 2024
Tondelier: "Heute Abend hat die soziale Gerechtigkeit gewonnen"
Marine Tondelier, Generalsekretärin der französischen Europe Écologie Les Verts (EÉLV), schrieb in einem Beitrag auf X:
"Heute Abend hat die soziale Gerechtigkeit gewonnen.
Heute Abend hat die Umweltgerechtigkeit gesiegt.
Heute Abend hat das Volk gewonnen.
Und es hat gerade erst begonnen!"
Ce soir, la justice sociale a gagné.
— Marine Tondelier (@marinetondelier) July 7, 2024
Ce soir, la justice environnementale a gagné.
Ce soir, le peuple a gagné.
Et ça ne fait que commencer !#VictoireNFP #ElectionsLegislatives2024 pic.twitter.com/3OwoRTdFTG
Ipsos Prognose: Linke Volksfront könnte zwischen 171 und 187 Sitze erreichen
Um 21:28 Uhr veröffentlichten Ipsos im Auftrag von France Télévisions, Radio France, France24/RFI und der LCP Nationalversammlung eine nationale Sitzprognose:
Die Linke Volksfront könnte zwischen 171 und 187 Sitze erreichen. Innerhalb der NFP prognostiziert man für La France Insoumise 69 bis 75 Sitze, für die Sozialistische Partei 59 bis 65 Sitze, für die Umweltpartei EELV 32 bis 36 Sitze und für die Kommunistische Partei 11 Sitze.
Das Bündnis Ensemble wird auf 152 bis 163 Sitze prognostiziert, darunter für Renaissance 96 bis 102 Sitze, für MoDem 32 bis 35 Sitze und für Horizons 24 bis 26 Sitze.
Der Rassemblement National und seine Verbündeten könnten zwischen 134 und 152 Sitze erhalten. Dabei werden für den RN selbst 120 bis 134 Sitze erwartet und für die von RN unterstützten LR 14 bis 18 Sitze.
Die Les Républicains und andere rechte Parteien könnten 63 bis 68 Sitze gewinnen.
Diverse linke Parteien außerhalb der NFP könnten 14 bis 16 Sitze erringen, während die UDI und andere Zentrumsparteien auf 7 bis 8 Sitze kommen könnten. Andere Parteien, darunter Regionalisten, Rechte und Sonstige, werden auf 9 bis 10 Sitze geschätzt.
Marine Le Pen: "Unser Sieg ist nur aufgeschoben"
Marine Le Pen urteilte am Sonntag nach der zweiten Runde der Parlamentswahlen, die ihre Partei auf den dritten Platz brachte, dass der Sieg des Rassemblement National "nur aufgeschoben" sei. "Die Flut steigt.
Sie ist dieses Mal nicht hoch genug gestiegen, aber sie steigt weiter und deshalb ist unser Sieg nur aufgeschoben", sagte sie auf TF1 und fügte hinzu: "Ich habe zu viel Erfahrung, um von einem Ergebnis enttäuscht zu sein, bei dem wir unsere Abgeordnetenzahl verdoppeln."

Marine Le Pen nach der zweiten Runde der Parlamentswahlen am Sonntag, den 7. Juli 2024 in der Wahlnacht-Zentrale ihrer Partei in Paris. AP Foto/Louise Delmotte
Tusk: "In Warschau reicht es zum Glücklichsein"
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk schrieb in einem Beitrag auf X: "In Paris Begeisterung, in Moskau Enttäuschung, in Kiew Erleichterung. In Warschau reicht es zum Glücklichsein."
In Paris enthusiasm, in Moscow disappointment, in Kyiv relief. Enough to be happy in Warsaw.
— Donald Tusk (@donaldtusk) July 7, 2024
Attal kündigt Rücktritt an
Der französische Ministerpräsident Gabriel Attal bedanke sich bei allen, die dabei geholfen haben, die Wahlen zu organisieren. Er fügte hinzu, dass er die Neuwahlen nicht entschieden habe, aber gekämpft habe.
Attal sagte, er habe sowohl vor der extremen Rechten, als auch der extremen Linken gewarnt. Die Franzosen seien extrem mit der Republik und ihren Werten verbunden und er werde sich damit abfinden, dass Frankreich in drei politische Gruppierungen aufgeteilt sei. Es gebe nicht, die Franzosen, die richtig und die, die falsch wählen – manche Menschen hätten es schwerer als andere.
Es gelte, zuerst an die Franzosen zu denken und die Einheit des Landes zu garantieren, sagte er und fügte hinzu, dass er auf die neuen Abgeordneten zählen werde und sich nicht den Extremen unterwerfen werde.
Er werde seine Amt vor den Olympischen Spielen sein Amt, solange es nötig sei, fortsetzen, wird aber morgen seinen Rücktritt beim Präsidenten einreichen.
Attal sagte, er werde immer auf "der Höhe der Franzosen sein und die Größe Frankreichs zu zeigen. Nichts widerstehe dem französischen Volk."
Attal bestätigte zudem einer Expertin zufolge das erste Mal, dass er gegen die Neuwahlen war.
Le Pens Schwester wird von der Kandidatin der Linken Volksfront besiegt
Marie-Caroline Le Pen (RN) wurde von Élise Leboucher (LFI-NFP) besiegt, die mit 101 Stimmen Vorsprung gewinnt.
Marie-Caroline Le Pen, die Schwester von Marine Le Pen, verliert somit knapp in ihrem Wahlkreis.

Die Vorsitzende der rechtsextremen Nationalen Partei Marine Le Pen, links, und ihre Schwester Marie-Caroline Le Pen sprechen mit Journalisten nach einer Pressekonferenz, 11. März 2020. Foto: Michel Spingler
Ehemaliger Präsident François Hollande in die Nationalversammlung gewählt
Der ehemalige französische Präsident François Hollande wurde als Abgeordneter für den Wahlkreis Corrèze in die Nationalversammlung gewählt. Den Hochrechnungen zufolge erhielt er 43,29 Prozent der Stimmen, vor dem Kandidaten des Rassemblement National mit 31,43 Prozent und dem Kandidaten der Republikaner mit 25,28 Prozent.

Foto: Caroline Blumberg
Die ehemalige Ministerpräsidentin Elisabeth Borne wurde in ihrem Wahlkreis Calvados im Nordwesten wiedergewählt. Sie erhielt 56,37 Prozent der Stimmen.
Wer ist Frankreichs Linke Volksfront?
Die Koalition, Linke Volksfront (Nouveau Front Populaire) besteht aus verschiedenen Parteien und Spitzenkandidaten:
- Grüne – Marine Tondelier: Sie setzt sich stark gegen den RN und für einen "republikanischen Front" ein.
- La France Insoumise (LFI) – Jean-Luc Mélenchon: Gründer von LFI und prominente linke Stimme. Trotz Kritik bleibt Mélenchon ein einflussreicher Akteur.
- Sozialistische Partei – Olivier Faure: Faure hat eine lange politische Karriere und war der Erste, der die NFP in den TV-Debatten vertrat.
- Kommunisten – Fabien Roussel: Roussel verlor seinen Sitz an einen RN-Kandidaten, bleibt aber ein bedeutender Vertreter der Kommunisten.
Jules Kounde: "Die Erleichterung ist genauso groß wie die Sorge der letzten Wochen"
Der französische Profifußballer Jules Kounde drückte seine Erleichterung über die Hochrechnungen in einem Beitrag auf X aus:
"Die Erleichterung ist genauso groß wie die Sorge der letzten Wochen, sie ist immens.
Ich gratuliere allen Franzosen, die sich dafür eingesetzt haben, dass dieses schöne Land, Frankreich, nicht von der extremen Rechten regiert wird. 🙏🏾🇫🇷"
Le soulagement est à la hauteur de l’inquiétude de ces dernières semaines, il est immense.
— Jules Kounde (@jkeey4) July 7, 2024
Félicitations à tous les Français qui se sont mobilisés pour que ce beau pays qu’est la France ne se retrouve pas gouverné par l’extrême droite. 🙏🏾🇫🇷
Wer wird der nächste Ministerpräsident?
Angesichts der Ergebnisse scheint es wahrscheinlich, dass der Macron-Politiker Gabriel Attal sein Amt als Ministerpräsident verlieren wird. Wer ihn ersetzen wird, ist bislang allerdings noch unklar.
Die französische Verfassung erlaubt eine "Kohabitation" mit einem Präsidenten und einem Ministerpräsidenten aus verschiedenen Parteien. Dies war zuletzt von 1997 bis 2002 der Fall, als der Sozialist Lionel Jospin neben dem Mitte-Rechts-Präsidenten Jacques Chirac regierte.
Es ist jedoch ein Novum, dass keine Partei eine Mehrheit gewinnt, ohne dass es eine offensichtliche Regierungskoalition gibt. Frankreich könnte sich nun in einer ungewohnten Sackgasse befinden.
Frankreich hat ein zweistufiges Wahlsystem. Nur diejenigen, die bei der Wahl am 30. Juni ausreichend gut abgeschnitten haben, kommen in die heutige Stichwahl.
Rund 215 erfolgreiche Kandidaten sind jedoch im Laufe der Woche zurückgetreten, da die "Republikanische Front" versucht hat, eine Spaltung der rechtsextremen Wählerschaft in den Wahlkreisen zu vermeiden, in denen drei oder mehr Kandidaten angetreten sind.
Wie könnte das nächste Parlament aussehen?
Die mögliche Zusammensetzung des Parlaments. Nach der Ipsos-Hochrechnung sieht die Sitzverteilung in der Nationalversammlung folgendermaßen aus.

Emmanuel Macron will die "Strukturierung" der neuen Nationalversammlung abwarten, um "die notwendigen Entscheidungen zu treffen", kündigte der Elysée Medienangaben zufolge an.
Jubel bei den Grünen
@laubchad von Euronews ist in der Parteizentrale der Grünen in Paris. Die Menge ist bei der Bekanntgabe des Wahlergebnisses um 20 Uhr in Jubel und Freudentränen ausgebrochen.
Rechtsextremer Bardella spricht von "Koalition der Unehre"
Der Parteichef des rechtsextremen Rassemblement National erinnert an seinen Wahlsieg bei den Europawahlen und wirft der linken Volksfront vor, diese sei eine Koalition der "Unehre".
Die Menschen in Frankreich würden in die Arme der extremen Linken getrieben.
Millonen Franzosen seien an diesem Abend frustriert, weil ihre politischen Ideen nicht umgesetzt würden.
Doch die Abgeordneten um Marine Le Pen würden weiter für den Wechsel kämpfen genauso wie er selbst im Europaparlament.
Aufatmen auch in Deutschland
Das Wahlergebnis aus Frankreich ist eine Riesenüberraschung und eine sehr schöne. Platz 1 für das neue Linksbündnis, Platz 2 für Macrons Partei, Le Pens Rassemblement National nur auf Platz 3, weit entfernt von der absoluten Mehrheit. Puh.
— Markus Feldenkirchen (@MFeldenkirchen) July 7, 2024
Neue Volksfront wird laut Ipsos zwischen 172 und 192 der 577 Sitze in der Nationalversammlung erringen
Das Linksbündnis "Neue Volksfront" hat bei den französischen Parlamentswahlen den ersten Platz errungen, aber die für die Kontrolle der Nationalversammlung erforderliche Mehrheit der Abgeordneten verfehlt, wie aus einer Umfrage hervorgeht.
Die Hochrechnungen von Ipsos bedeuten einen Rückschlag für die rechtsextreme Nationale Sammlungsbewegung (RN), die ihre Hoffnungen auf eine absolute Mehrheit durch taktisches Abstimmen und den strategischen Rückzug von Kandidaten zunichtegemacht sah.
Die Neue Volksfront, eine aus der Not gebildete Koalition aus Sozialisten, Kommunisten, Grünen und der linken Partei "France Unbowed", wird laut Ipsos zwischen 172 und 192 der 577 Sitze in der Nationalversammlung erringen.
Dahinter folgt die Ensemble-Koalition von Präsident Emmanuel Macron, der Ipsos 150–170 Sitze hochrechnet. Dies ist ein deutlicher Rückgang gegenüber den 245 Sitzen, die sie bei den letzten Wahlen 2022 errungen hat.
Obwohl sie in der ersten Runde am 30. Juni in den Umfragen vorne lag, wird Marine Le Pens Rassemblement National mit 132–152 Sitzen voraussichtlich den dritten Platz belegen, was die Hoffnungen auf die Einsetzung von Jordan Bardella als Ministerpräsident zunichtemachen würde.
Die heutige Umfrage war die zweite Runde der von Macron am 9. Juni ausgerufenen vorgezogenen Neuwahlen, nachdem er bei der Wahl der Mitglieder des Europäischen Parlaments eine Niederlage einstecken musste.
Das Ensemble, das früher unter dem Namen "En Marche "bekannt war, wurde größtenteils um die Präsidentschaft Macrons herum gebildet, der in den letzten Jahren seiner zweiten und letzten Amtszeit immer unbeliebter geworden ist.
Von seinem Niedergang hat vor allem der Rassemblement National profitiert, eine alteingesessene rechtsextreme Partei, die noch 2007 keine Sitze im Parlament hatte.
IPSOS: Ergebnisse der Exit Polls
Neue Volksfront: 172–192 Sitze
Ensemble: 150–170 Sitze
Nationale Versammlung: 132–152 Sitze
Ein Hoffnungsschimmer in Frankreich! Erste Hochrechnung:
— Peter Jelinek (@Peter_Jelinek) July 7, 2024
👉🏼 Links-grüne Nouveau Front Pop: 172-192 Sitze
👉🏼 Ensemble (Macron): 150-170 Sitze
👉🏼 RN et alliés (Rechtsextreme): 132-152 Sitze
Wohl auch extrem hohe Wahlbeteiligung. Ein guter Tag, wenn auch politisch ein Erdbeben. pic.twitter.com/jUcJFWZ8qR
Raphaël Glucksmann dankt Wählerinnen und Wählern der Linken
Der Spitzenkandidat der Sozialisten Raphaël Glucksmann dankt den Wählerinnen und Wähler im Fernsehsender F2, die in der zweiten Runde die Linke gewählt haben. Niemand habe die absolute Mehrheit. Das Parlament werde das Herz der Demokratie, deshalb sei ein Politikwechsel notwendig. Es brauche jetzt ein verantwortungsbewusstes Verhalten.
Mélenchon fordert Ablösung des Ministerpräsidenten
In einer kämpferischen Rede fordert Linken-Chef Jean-Luc Mélenchon die Ablösung des Ministerpräsidenten und das Amt des Regierungschefs für die Linke Volksfront. Die Linke habe das Land gerettet, erklärt der Chef der "France Insoumise".
Es stellt sich allerdings die Frage, welche Politiker oder welche Politikerin der Volksfront Ministerpräsident oder Ministerpräsidentin werden soll.
Linke Koalition gewinnt Parlamentswahl
Laut ersten Hochrechnungen liegt die linke Volksfront im zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen knapp vor dem Präsidentschaftslager. Die Rechtsextremen sind auf Platz 3 abgestürzt.
Um 20 Uhr, gemäß den ersten Hochrechnungen des Ipsos-Instituts mit der Talan-Gruppe für France Télévisions, Radio France, France24/RFI und LCP-Assemblée nationale, liegt die linke Koalition Neue Volksfront im zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen mit zwischen 172 und 192 Sitzen vorne.
Das Präsidentschaftslager, vereint unter dem Banner Ensemble, soll zwischen 150 und 170 Sitze gewinnen.
Der Rassemblement National und seine Verbündeten würden 132 bis 152 Sitze erhalten.
Die Partei Les Républicains würde ihrerseits zwischen 57 und 67 Sitze gewinnen.
Wahllokale schließen
Die meisten Wahllokale haben bereits um 18 Uhr geschlossen. In den Großstädten waren mehrere noch bis 20 Uhr geöffnet.
Die ersten Ergebnisse und Sitzprognosen werden um 20 Uhr bekannt gegeben.
Polizei vor der französischen Nationalversammlung
Vor dem Gebäude der französischen Nationalversammlung in Paris haben sich Polizeifahrzeuge versammelt, da die zweite Wahlrunde in die Endphase geht.
Politiker haben vor möglicher Gewalt gewarnt, sobald die Ergebnisse bekannt sind, und die Bürger aufgefordert, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Nach Angaben des Elysée-Palastes wird heute Abend keine Rede von Emmanuel Macron erwartet
Der Staatschef wird um 18.30 Uhr im Präsidentenpalast mit den Vorsitzenden der Parteien des Präsidentenlagers zusammentreffen. Gegenüber Le Monde erklärte der Elysée-Palast, dass "zum jetzigen Zeitpunkt" keine Rede von Emmanuel Macron für den heutigen Abend geplant sei.
Wie wird sich diese Wahl auf Frankreichs Wirtschaft auswirken?
Regierungswechsel erschüttern oft die Wirtschaft eines Landes, zum Guten oder zum Schlechten.
Eine Mehrheit für Marine Le Pens Nationale Rallye und ihre Verbündeten würde es ihnen natürlich ermöglichen, ihre radikale politische Agenda durchzusetzen, aber Experten sagen voraus, dass die Marktdynamik und die EU-Vorschriften ein Worst-Case-Szenario wahrscheinlich verhindern würden.
Da jedoch ein ungültiges Parlament derzeit am wahrscheinlichsten ist, wird jede Wirtschaftspolitik durch die politische Blockade weiter behindert, so die Analysten.
Sie sagen, dass dies Frankreich zumindest helfen würde, eine "Finanzkrise à la Liz Truss in Großbritannien" zu vermeiden.
Wann werden wir die Ergebnisse erfahren?
Die Wahllokale haben landesweit um 8.00 Uhr Ortszeit geöffnet und schließen um 18.00 Uhr in den Kleinstädten und Gemeinden und um 20.00 Uhr in den Großstädten.
Die Meinungsforschenden geben erste landesweite Hochrechnungen heraus, die auf den ersten Teilergebnissen der Wahllokale kurz nach deren Schließung basieren und um 20 Uhr veröffentlicht werden. Diese Exit Polls sind im Allgemeinen zuverlässig.
Die Auszählung der Stimmen erfolgt schnell, und das Ergebnis könnte bereits am Sonntagabend oder spätestens in den frühen Morgenstunden des Montags feststehen.
Keine Party für Macrons Koalition?
Weniger als zwei Stunden vor der Veröffentlichung der Exit Polls ist immer noch unklar, ob die zentristische Ensemble-Koalition von Präsident Emmanuel Macron eine Wahlnacht abhalten wird.
Sie hat den Journalisten noch nicht mitgeteilt, ob Ministerpräsident Gabriel Attal sprechen wird und wenn ja, von wo aus.
Im Gegensatz zur rechtsextremen Rassemblement National, der in den Umfragen führend ist und mehreren linken Parteien, die mitgeteilt haben, wer aus ihrem Lager sprechen wird und vor allem, von wo aus.
Am vergangenen Sonntag wurde drei Stunden vor der Veröffentlichung der Wahlergebnisse bekannt gegeben, dass Attal vom Sitz seiner Partei im Zentrum von Paris aus sprechen würde. Am Ende hielt er seine Rede jedoch in der offiziellen Residenz des Ministerpräsidenten, ohne dass Militante oder Beamte in Sicht waren.
Die am Freitag veröffentlichten Umfragen gehen davon aus, dass das Ensemble den dritten Platz hinter der RN und der linken Koalition der Neuen Volksfront erreichen wird. Eine Umfrage von Toluna Harris für RTL, M6 und Challenges sagt voraus, dass das Ensemble nur zwischen 115 und 145 Sitze erhalten wird (gegenüber 245 Sitzen vor der Auflösung).
Das Ensemble wird daher eine Koalition mit anderen Kräften eingehen müssen, wenn es in der Regierung bleiben will.
Was geschah im ersten Wahlgang?
Im ersten Wahlgang, der am 30. Juni stattfand, überschritt keine Partei die Schwelle von 289 Sitzen für einen eindeutigen Sieg.
Der rechtsextreme Rassemblement National (RN) erhielt etwas mehr als 33,1 % der abgegebenen Stimmen und lag damit etwa drei Prozentpunkte hinter den Prognosen der Meinungsumfragen zurück.
Macrons Koalition "Ensemble" (Zusammen) erreichte knapp 21 Prozent der Stimmen und lag damit unter dem Ergebnis der Parlamentswahlen von 2022.
Die linke Volksfront lag vor der Macron-Partei.
Die Neue Volksfront – ein Bündnis aus der Sozialistischen Partei, den Grünen und Jean-Luc Mélenchons La France Insoumise – die nach der Ausrufung der Wahlen gebildet wurde, erreichte 28 Prozent – eine leichte Verbesserung gegenüber den 25,7 Prozent, die die NUPES, eine vorherige Koalition, 2022 erreichte.
Wahlen in Frankreich: Das müssen Sie wissen, um alles zu verstehen
In Frankreich haben die Wählerinnen und Wähler am Sonntag ihre Stimme in der zweiten Runde der Parlamentswahlen abgegeben, die als entscheidend gilt, weil ein…
Le Pen: "Franzosen sind es leid, belehrt zu werden"
In einem Interview mit Christiane Amanpour von CNN sagte Le Pen, dass die Franzosen es leid seien, von Fußballern oder anderen Promis "belehrt" zu werden.
Gegenüber Christiane Amanpour sagte sie, dass sie "kein großer Fußballfan ist", aber dass seine [Mbappé] Intervention "in unserem Land nicht mehr gut ankommt".
Wer könnte seinen oder ihren Sitz verlieren?
Heute Abend werden wir nach einigen bekannten Gesichtern Ausschau halten, die aus der Nationalversammlung verdrängt werden könnten, darunter möglicherweise die ehemalige Ministerpräsidentin Elisabeth Borne von Präsident Macrons Partei der Renaissance.
Borne lag in der ersten Runde der Wahl letzte Woche acht Punkte hinter ihrem RN-Rivalen Nicolas Calbrix, der 28,93 Prozent der Stimmen erhielt.
Der Rückzug des linken Kandidaten Noé Gauchard von France Unbowed könnte ihr helfen, obwohl nicht sicher ist, dass Gauchards Anhänger sich hinter Borne scharen werden.
Dies gilt insbesondere angesichts der Rolle, die die ehemalige Ministerpräsidentin bei der Reform des französischen Rentensystems gespielt hat, ein Schritt, der ihr ein gespaltenes Erbe hinterlässt.
A voté ! 🗳️✅ pic.twitter.com/x6F9JOaSar
— Élisabeth BORNE (@Elisabeth_Borne) July 7, 2024
Französischer Profifußballer Mbappé: "Wir können unser Land nicht in den Händen dieser Leute lassen"
Der französische Profifußballer Kylian Mbappé hat die Franzosen und Französinnen aufgefordert, gegen die Rechtsextremen zu wählen. "Wir können unser Land nicht in den Händen dieser Leute lassen", sagte er. "Wir haben die Ergebnisse [der ersten Runde der Wahl] gesehen und sie sind katastrophal."
Mbappé und die französische Nationalmannschaft werden am 9. Juli im Halbfinale gegen Spanien antreten, nachdem sie gegen Portugal vergangenen Freitag gewonnen haben.

Foto: Martin Meissner
Gewalt gegen Politiker und Politikerinnen
Die vier Wochen des Wahlkampfs waren von Gewalt gegen Politiker und ihre Teams geprägt.
Innenminister Gérald Darmanin sagte am Freitagmorgen im französischen Fernsehen, dass "51 Kandidaten, Stellvertreter oder Aktivisten während des Wahlkampfs körperlich angegriffen wurden". Inzwischen wurden jedoch weitere Angriffe gemeldet.
Zu den Angegriffenen gehörten die RN-Kandidatin in Savoyen, Marie Dauchy, die ihren Wahlkampf zwischen den beiden Wahlgängen unterbrechen musste, und die Regierungssprecherin Prisca Thevenot, die beim Verteilen von Flugblättern angegriffen wurde. Zwei ihrer Mitarbeiter wurden verwundet.
Bardella hat fast zwei Millionen Follower auf TikTok
Ihr Parteichef, der auf TikTok mehr als eine Million Follower hat, erweist sich als wichtiger Trumpf, um ein jüngeres Publikum für die Partei zu gewinnen. Allerdings hat Jordan Bardella vor einiger Zeit entschieden, keine Selfies mehr zu veröffentlichen und sein Privatleben nicht publik zu machen.
Als Spitzenkandidat des Rassemblement National bei der Europawahl hat sich Jordan Bardella dafür eingesetzt, die Freizügigkeit von Geflüchteten durch nationale Grenzkontrollen einzuschränken und die Regeln im Kampf gegen den Klimawandel zu lockern.
Die Partei will nicht mehr aus der EU und dem Euro austreten, sondern zielt darauf ab, die Europäische Union von innen heraus zu schwächen.
Im Bestreben, eine bedeutende Position in Europa einzunehmen, haben sich Le Pen und Bardella von der Partei "Alternative für Deutschland" (AfD) distanziert. Le Pen hat erklärt, dass sie nach einer Reihe von Kontroversen nicht mehr mit der Fraktion im Europäischen Parlament zusammenarbeiten wird.
Bardellas antwortet oft nicht auf Fragen von Journalistinnen und Journalisten, sondern verbreitet eher seine sorgfältig ausgearbeitete Erzählung. Diese soll das Image des RN verbessern, einer Partei, die einst von Jean-Marie Le Pen von einem Schloss in einem wohlhabenden Vorort westlich von Paris aus gesteuert wurde. Dort ist auch Marine Le Pen aufgewachsen, obwohl sie sich seit Jahren volksnah gibt.
TikTok - Make Your Day
TikTok PWA
Wer ist Jordan Bardella?
Der 28-jährige Wahlsieger der Le-Pen-Partei in Frankreich, Jordan Bardella, begeistert die Anhänger und Anhängerinnen der Rechtsextremen. Sein Biograf berichtet. Wofür steht der Rechtsaußen-Politiker, der Marine Le Pen helfen soll, die Partei salonfähig zu machen?
Bei einigen Anhängerinnen und Anhängern der rechtsextremen Le-Pen-Partei gilt er als der "ideale Schwiegersohn" und zuletzt hat Jordan Bardella auch in der Klatschpresse Schlagzeilen gemacht. 2022 hatte Bardella – auf Wunsch von Marine Le Pen – die Parteiführung des Rassemblement National (RN) übernommen.
Nach den Parlamentswahlen möchte Marine Le Pen ihn zum Ministerpräsidenten machen. Als Spitzenkandidat bei den Europawahlen in Frankreich hatte Bardella fast 30 Prozent der Stimmen und damit doppelt so viele wie die liberale Partei von Präsident Emmanuel Macron.

Foto: Aurelien Morissard
Mit 17 Jahren Einstieg in der Politik
Der 1995 in einem Pariser Vorort geborene Sohn einer Familie mit italienischen Wurzeln hat eine steile politische Karriere gemacht. Nach den gewalttätigen Unruhen in den französischen Vorstädten im Jahr 2005 trat Einzelkind Jordan Bardella im Alter von 17 Jahren in die rechtsextreme Partei von Marine Le Pen ein, die damals noch "Front National" hieß.
Aufgewachsen ist der Sohn einer Familie italienischer Einwanderer in einem Pariser Vorort. Nach eigener Darstellung in bescheidenen Verhältnissen umgeben von Drogen und radikalem Islamismus. Seine alleinerziehende Mutter habe ihn vor dem Abrutschen bewahrt.
Der wohlhabende Vater wurde aus der Erzählung gestrichen
Sein relativ wohlhabender Vater wurde aus Bardellas Geschichten gestrichen, sagt Investigativjournalist Pierre-Stéphane Fort. Er verfasste eine kritische, nicht autorisierte Biografie des jungen Politikers. Im Gespräche mit Euronews sagt er: "Jordan Bardella besuchte katholische Privatschulen. Als Teenager nahm ihn sein Vater mit auf eine lange Reise in die USA. Mit 19 bekam er zum Führerschein vom Vater ein kleines hübsches Auto geschenkt. Mit 20 spendierte ihm der Vater eine Wohnung in einem wohlhabenden Pariser Vorort im Val d' Oise. Aber all dies passte nicht in die politische Geschichtenerzählung, zum politischen Ziel, also wurde es aus seiner Geschichte gestrichen. Übrig blieb nur die Seite seiner Mutter, die zum Teil übertrieben ist."
Bardella brach sein Geografiestudium ab, um nur noch Politik zu machen. Zunächst agierte er auf regionaler Ebene, dann wurde Bardella Sprecher und stellvertretender Parteivorsitzender, bevor er im Alter von nur 23 Jahren schon 2019 die Liste der Le-Pen-Partei bei den Europawahlen anführte.
Im November 2022 wurde der ambitionierte junge Mann zum Nachfolger von Marine Le Pen als Vorsitzender der rechtsextremen Partei gewählt, 2023 dann zum zweiten Mal zum Spitzenkandidaten des "Rassemblement National" für die Europawahl gekürt.
Wie sehen die Wahlzettel der Franzosen aus?
Bei französischen Wahlen werden keine Kreuzchen gemacht. Die Wahlberechtigten nehmen die Zettel aller Kandidatinnen und Kandidaten mit in die Wahlkabine und legen dann nur den Zettel der Person, die sie wählen wollen, in den Umschlag.
Doch auch vor Ort haben das nicht alle verstanden. In einem Wahlkreis in Tours fragten Leute nach dem rechtsextremen Kandidaten, der es aber nicht in die zweite Runde geschafft hatte. Für diese qualifiziert haben sich nur Kandidaten und Kandidatinnen, die in der ersten Runde mehr als 12,5 % erreicht haben. Auf dem Land hat die rechtsextreme Partei RN mehr Anhänger und Anhängerinnen als in den Städten.
Jeder der 577 Wahlkreise schickt eine oder einen Abgeordneten in die Nationalversammlung in Paris.
Ce matin je suis allée voter. Devant moi, deux personnes s’offusquent « mais il y a plus que deux candidats ? Il manque les bulletins d’un candidat. » et ils demandent à parler à quelqu’un.
— Elisa Gatay-Hauet (@elisahauet) July 7, 2024
Et oui, à Tours on a déjà mis le RN dehors. Faites pareil 🙏🙏#ElectionsLegislatives2024 pic.twitter.com/saW0EEJl7B
Was erhofft sich Macron von der vorgezogenen Wahl?
Der französische Präsident rief Anfang Juni nach der Niederlage bei den Europawahlen zur Auflösung des Parlaments auf. Ein politischer Analyst sagte Euronews, dies sei nur ein "Vorwand" für die vorgezogenen Wahlen gewesen.
"Nichts hat den Präsidenten gezwungen, eine vorgezogene Wahl auszurufen", sagte Delphine Dulong, Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Paris I, Panthéon-Sorbonne. Dulong fügte hinzu, Macron wisse, dass er dies in einem "gefährlichen, riskanten Kontext" tue, mit einer Wählerschaft, die zunehmend polarisiert sei.

Foto: Mohammed Badra
Dass der Urnengang kurz vor den Olympischen Spielen stattfindet und zu sozialen Unruhen in Frankreich führen könnte, sei "nicht sehr verantwortungsbewusst vom Präsidenten der Republik", fügte sie hinzu.
"Ehrlich gesagt, habe ich alle Szenarien durchgespielt, und für mich hat die Entscheidung etwas Absurdes an sich. Ich bin keine Psychologin, aber meiner Meinung nach hat das mehr mit Psychologie als mit politischer Analyse zu tun", sagte sie.
Ich bin keine Psychologin, aber meiner Meinung nach hat das mehr mit Psychologie als mit politischer Analyse zu tun.
Dulong bietet die Erklärung an, dass Macron dachte, er könne seinen "Aufstieg aus dem Nichts" bei den Wahlen 2017 wiederholen, oder dass er geglaubt haben könnte, dass ein Premierminister aus einer Oppositionspartei ihm helfen würde, "sein Image zu erneuern".
Welche Stichwahlen sollte man beobachten?
Einige Schlüsselfiguren der Präsidentschaftskoalition hoffen, ihre Sitze zu behalten, darunter Ministerpräsident Gabriel Attal, die ehemalige Ministerpräsidentin Elisabeth Borne, Gleichstellungsministerin Aurore Bergé und Stanislas Guerini, Minister für öffentliche Aufgaben.
Der ehemalige französische Präsident François Hollande hofft, Abgeordneter in Corrèze im Südwesten Frankreichs zu werden.Hollande steht am Sonntag in einer Stichwahl zwischen einem rechtsextremen und einem rechtsgerichteten Kandidaten.
Der bekannte Abgeordnete, ein ehemaliger Journalist, der Dokumentarfilme über die Arbeiterklasse gedreht hat, hat erklärt, er werde seine linke Partei La France Insoumise (LFI) verlassen, da deren Vorsitzender Jean-Luc Mélenchon zu einer Belastung geworden sei.
Ruffin wurde in der ersten Runde Zweiter hinter einem rechtsextremen Kandidaten des Rassemblement National.
A voté ! 🇫🇷🗳️ pic.twitter.com/k98aae1Bso
— Gabriel Attal (@GabrielAttal) July 7, 2024
Neonazistischer Kanal DAF ruft wohl zu Demonstrationen auf
Der Journalist Ricardo Parreira hat in einem Beitrag auf X eine Warnung gepostet. Er schrieb: "Auf dem neonazistischen Kanal DAF werden erneut Listen der Demonstrationen, die heute Abend stattfinden, mit gewalttätigen Anweisungen für Razzien geteilt."
Laut Parreiras Beitrag wurde in den Kanälen zu Demonstrationen aufgerufen. Sie teilten Treffpunkte und Uhrzeiten in ganz Frankreich. Sie forderten ihre Anhänger auf, ihre Handys Zuhause zulassen, maskiert zu kommen und mit "Tränengas und Teleskopschlagstöcken" bewaffnet zu sein.
Die Politikerin Marine Tondelier schrieb in einem Beitrag auf X, dass sie wegen heute Abend besorgt sei. "Lassen Sie uns aufeinander achten. Überall. Die ganze Zeit über. Unsere Solidarität muss uneingeschränkt sein mit denjenigen, gegen die sich diese extrem gewalttätigen Drohungen richten, ganz explizit."
🚨 ATTENTION 🚨
— Ricardo Parreira (@ParreirRicardo) July 7, 2024
Sur le canal néonazi DAF, à nouveau des listes des manifs qui auront lieu ce soir sont partagées avec des consignes violentes pour mener des ratonnades.
Faites attention à vous.#legislatives2024 #ElectionsLegislatives2024 pic.twitter.com/6tfEkO87q1
Wahlbeteiligung bis 17 Uhr: 59, 71 Prozent
Am 6. Juli haben die Wähler in Saint-Pierre-et-Miquelon, Guadeloupe, Martinique, Guyana, Saint-Martin, Saint-Barthélemy, Französisch-Polynesien und in Botschaften und Konsulaten in der Amerika- und Karibik ihre Stimmen abgegeben. An diesem Sonntag, dem 7. Juli, wählen die Wähler in Frankreich, auf Réunion, Mayotte, Neukaledonien und in Botschaften und Konsulaten außerhalb Amerika- und der Karibik.
Wahlbeteiligung bis 17 Uhr
Die Wahlbeteiligung bei den Parlamentswahlen um 17 Uhr beträgt 59,71 Prozent, so das französische Innenministerium. Im Jahr 2022 lag die Wahlbeteiligung zur gleichen Zeit bei 38,11 Prozent.
#Législatives2024 I Taux de participation à 17h en France : 59,71%.
— Ministère de l'Intérieur et des Outre-mer (@Interieur_Gouv) July 7, 2024
🗳️ En 2022, à la même heure, le taux de participation était de 38,11%.
Pour en savoir plus ⤵️https://t.co/GqjfrdjbVs pic.twitter.com/DAjGoG7PNh
Wahl findet zum ersten Mal in den Sommerferien statt
Zum allerersten Mal findet in Frankreich eine Wahl im Juli – und damit in den Sommerferien, die im ganzen Land am Samstag begonnen haben – statt. Der Wahlforscher unterstreicht, dass nur 1968 am 30. Juni abgestimmt wurde. Viele in Frankreich waren auch überrascht darüber, dass Emmanuel Macron vor den Olympischen Spielen Neuwahlen anberaumt.
Pour la première fois sous la Ve République, un scrutin majeur est organisé en juillet. Auparavant, le scrutin le plus tardif avait eu lieu un 30 juin. Il s'agissait du second tour des élections législatives de 1968, consécutives elles aussi à une dissolution. #legislatives2024
— Frédéric Micheau (@FMicheau) July 7, 2024
Britische Band Massive Attack: "Nein zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nein zur Rassemblement National"
Das britische Kollektiv Massive Attack hat sich gegen Le Pens-Partei positioniert. In einem Beitrag auf X schreibt das Kollektiv: "Nein zu Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Nein zur Rassemblement National. Solidarität mit der gesamten Menschheit. Vive la France."
Per Emoji forderten sie ihre französischen Fans auf, wählen zu gehen.
Non au racisme et à la xénophobie. Non au Rassemblement National. Solidarité avec toute l'humanité. Vive la France.
— Massive Attack (@MassiveAttackUK) July 7, 2024
🗳️ < pic.twitter.com/uBWUpHuCPo
Barrikaden auch in Lyon
Auch in Lyon kann man bereits Barrikaden vor den Geschäften sehen. Die Geschäfte seien offen, bereiten sich aber auf mögliche Unruhen nach dem Wahlergebnis vor. 
Barrikaden in Paris
Unsere Korrespondentin @SKhatsenkova in Paris berichtet, dass "beeindruckende Bilder von der heute für den Autoverkehr gesperrten Champs-Élysées zu sehen sind, wo mehrere Geschäfte Barrikaden errichtet haben, da sie nach den Ergebnissen von heute Abend Unruhen befürchten".
Emmanuel Macron hat gewählt
Der französische Präsident Emmanuel Macron hat ein Video auf X veröffentlicht, in dem er seine Stimme für die Parlamentswahlen abgibt.
A voté. pic.twitter.com/UR625RHqXH
— Emmanuel Macron (@EmmanuelMacron) July 7, 2024
Worum geht es bei der heutigen Wahl?
In Frankreich gibt es 577 Wahlkreise und damit ebenso viele Sitze in der Nationalversammlung.
Aber nicht alle 49,5 Millionen französischen Wählerinnen und Wähler müssen heute zur Wahl gehen. 76 Abgeordnete haben bereits im ersten Wahlgang über 50 Prozent der Stimmen erhalten und wurden somit ins Parlament gewählt.
Darunter sind:
- 39 von der rechtsextremen Rassemblement National und ihren Verbündeten (von den Republikanern und der Reconquête). Dazu gehört auch Marine Le Pen, die ehemalige Vorsitzende dieser Partei und Vorsitzende ihrer Fraktion in der Nationalversammlung;
- 32 von der Neuen Volksfront. Die Sozialisten und die Grünen erhielten jeweils fünf Abgeordnete, während die Kommunistische Partei zwei Sitze errang;
- zwei Abgeordnete kommen aus der zentristischen Koalition Ensemble von Präsident Emmanuel Macron;
- die Republikaner, die sich weigerten, ein Bündnis mit der extremen Rechten einzugehen, erhielten einen Sitz;
- und zwei Sitze gingen an zwei weitere rechte Abgeordnete.
Wahlen in Frankreich: Herzlich willkommen zu unserem Live-Blog
Vielen Dank, dass Sie unsere Live-Berichterstattung zur mit Spannung erwarteten zweiten Runde der französischen Parlamentswahlen 2024 verfolgen.
Zusammen mit unseren Kollegen in Paris, Lyon und unseren anderen Büros in ganz Europa halten wir Sie über alle Ergebnisse und Neuigkeiten auf dem Laufenden, sobald sie eintreffen.