Bergführer am Ätna haben erstmals seit Jahrzehnten die Arbeit niedergelegt. Sie wehren sich gegen neue Sicherheitsregeln, die nächtliche Touren und den Zugang zur Lava stark einschränken. Die Protestierenden hoffen auf einen Kompromiss mit den Behörden.
Bergführer in Sizilien haben mit einem Streik gegen neue Sicherheitsmaßnahmen am Ätna protestiert. Es ist der erste Arbeitsausstand dieser Art seit Jahrzehnten. Sie kritisieren, dass die Behörden ungerechtfertigte Beschränkungen für Wanderungen auf den aktiven Vulkan verhängt haben, der Touristen seit Weihnachten mit spektakulären Eruptionen und Lavaströmen in Atem hält.
Die neuen Regeln wurden nach einer jüngsten Ausbruchswelle beschlossen. Sie sehen unter anderem vor, dass Ausflüge nur noch bis zur Dämmerung erlaubt sind und Gruppen mindestens 200 Meter Abstand zu den Lavaströmen halten müssen. Zudem wird eine Obergrenze von zehn Personen pro Gruppe deutlich strenger kontrolliert, teilweise sogar mit Drohnen. Die Bergführer beklagen, diese Maßnahmen würden ihren Beruf „praktisch entwerten“, weil ihre Expertise und Verantwortung kaum noch gefragt sei und viele Touren gar nicht mehr stattfinden könnten.
Ein lokaler Leiter des sizilianischen Verbandes der Berg- und Vulkanführer sagt, die friedliche Demonstration solle die Behörden dazu bewegen, ernsthafte Gespräche über Standards und Regeln zu führen, die die Sicherheit der Wanderer tatsächlich gewährleisten – und zugleich regulierte Touren auch in Phasen intensiver vulkanischer Aktivität ermöglichen. Ziel sei ein Kompromiss, der sowohl Besucher schützt als auch den Guides eine verlässliche Perspektive bietet.
Vulkanologen geben erste Entwarnung
Nach einem aktuellen Bericht des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie bleibt der Ätna zwar weiterhin aktiv, doch die Lavaströme haben sich verlangsamt, kühlen ab und kommen auf halber Strecke zum Stillstand, statt bis zum Fuß des Berges vorzudringen. Fachleute sprechen von einer anhaltenden, aber relativ stabilen Phase, in der das Naturschauspiel gut zu beobachten ist – solange strenge Sicherheitsregeln gelten.
Siziliens berühmter Vulkan zieht jedes Jahr rund anderthalb Millionen Besucher an, viele von ihnen steigen mit Bergführern bis nahe an den Gipfel. Im vergangenen Juni kam es zu einem heftigen Ausbruch des Ätna, der Touristen zur Evakuierung zwang. Der Vulkan schleuderte dabei eine mehrere Kilometer hohe Wolke aus heißen Gasen, Asche und Gesteinsbrocken in den Himmel. In den vergangenen Wochen blieb es dagegen bei langsamen Lavaströmen ohne vergleichbare explosive Ereignisse – sehr zum Frust der Guides, die nun um ihre Existenz kämpfen, während enttäuschte Urlauber am Fuße des Ätna stehen bleiben müssen.