Die Motivation hinter solchen Fälschungen reicht von der Jagd nach Klicks und Werbeeinnahmen bis zur gezielten Instrumentalisierung durch russische Propaganda.
Während Landwirte in ganz Europa gegen das Mercosur-Freihandelsabkommen mit Südamerika protestieren, tauchen in den sozialen Medien zunehmend KI-generierte Videos auf, die angeblich Bauern zeigen.
Einige dieser Clips sind als KI-Inhalte gekennzeichnet, andere tragen das Wasserzeichen von Sora, dem KI-Bild- und Videogenerator von OpenAI. Diese Hinweise gehen jedoch häufig verloren, wenn die Videos von anderen Accounts weiterverbreitet werden.
Bei genauerer Betrachtung lassen sich in vielen Fällen eindeutige Anzeichen künstlicher Intelligenz erkennen. In einem Video etwa sind die Polizeischilder inkonsistent: Der Buchstabe „e“ im Wort „Polizei“ erscheint in unterschiedlichen Schriftarten und Größen.
Mehrere Videos imitieren gezielt französische Landwirte, die nicht nur gegen Mercosur protestieren, sondern auch ihren Ärger über Keulungsmaßnahmen äußern. Diese Maßnahmen sollen die Ausbreitung der Lumpy-Skin-Krankheit in Rinderherden eindämmen.
Die Clips arbeiten häufig mit emotional aufgeladenen Aussagen. In einem Video regt sich ein Landwirt über die Keulung von Hunderten Kühen im französischen Département Ariège auf. Zwar wirkt die Geschichte auf den ersten Blick glaubwürdig – im Dezember kam es dort tatsächlich zu einer Keulung, bei der die Polizei eingreifen musste, nachdem Landwirte versucht hatten, sie zu verhindern. Doch auch hier verraten Details den KI-Ursprung: Während der Mann spricht, verwandelt sich im Hintergrund das Hinterteil einer Kuh plötzlich in ihren Kopf.
In einem anderen Fall hält ein Bauer eine herzzerreißende Rede – allerdings weint er Tränen aus Blut, die zudem nicht einmal über sein Gesicht laufen.
Klicks für Geld
Die Motivation hinter solchen gefälschten Inhalten ist meist simpel: Reichweite. Gehen die Videos viral, lassen sich die Klicks monetarisieren.
Darüber hinaus wurden die Proteste europäischer Landwirte auch gezielt in russischen Propagandakampagnen instrumentalisiert. Anfang 2024 verbreitete sich ein manipuliertes Euronews-Video, das das Branding und die visuelle Identität des Senders imitierte. Es zeigte angeblich französische Landwirte, die aus Protest Gülle vor der ukrainischen Botschaft ausbrachten – nachdem sie einen Brief des ukrainischen Botschafters erhalten hätten, der sie zur Beendigung ihrer Proteste aufforderte.
Tatsächlich stammten die Aufnahmen jedoch nicht von der ukrainischen Botschaft, sondern vom Sitz des Regionalrats Bourgogne-Franche-Comté in Dijon, wo Landwirte tatsächlich Dünger ausbrachten. Auch das angebliche Schreiben des Botschafters war gefälscht.
Diese Aktionen waren Teil eines gezielten Versuchs pro-russischer Akteure, die Ukraine zu diskreditieren – vor dem Hintergrund realer Sorgen europäischer Landwirte über die zunehmende Öffnung der Märkte für außereuropäische Importe.