Im Fall der drei Kinder, die mit ihren Eltern in Italien im Wald lebten und nicht in die Schule gingen, hatten die Behörden ein Gutachten angefordert. Darin fordern die Experten jetzt, dass die drei Kinder in ihre Familie zurückkehren dürfen.
Im Streit zwischen den italienischen Sozialdiensten und der Familie Trevallion, die als "Familie im Wald" international Aufsehen erregte, gibt es eine neue Entscheidung.
In einem siebenseitigen Gutachten halten es die Experten der lokalen Gesundheitsbehörde von Lanciano-Vasto-Chieti für "unabdingbar, eine stabile affektive Gewohnheit zu fördern und wiederherzustellen". Die "Kontinuität der familiären Bindungen" müsse für die drei Kinder garantiert werden.
Das Gutachten, das von dem psychiatrischen Team der Gesundheitsbehörde erstellt wurde und das die Kinder kennengelernt hat, betont die Dringlichkeit der Rückkehr der Kinder in ihre Familie.
Gleichzeitig wird eingeräumt, dass es notwendig sei, die Eltern zu überwachen **, "**um mit der Familie die Erziehungsziele und die Anpassung an die Gemeinschaft der Gleichaltrigen sowie die Entscheidungen für das Wohlergehen der Minderjährigen zu teilen".
Die 45-jährige Catherine Birmingham, die aus Australien stammt, und der 51-jährige Brite Nathan Trevallion haben drei Kinder: Zwillinge im Alter von sechs Jahren und eine ältere Tochter, die acht Jahre alt ist. Die Familie, die in einem Haus im Wald in Palmoli in der Provinz Chieti lebt, wurde im Oktober 2024 bei den Sozialdiensten gemeldet, nachdem sie wegen einer Pilzvergiftung ins Krankenhaus mussten.
Nach dem Einschreiten der Behörden beurteilten die Sozialdienste die Umgebung als ungeeignet für die Kinder, die in einem Heim untergebracht wurden.
Experten sehen "besorgte", aber fähige Mutter
Im Gespräch mit ihrer Mutter Catherine wurde laut Experten deutlich, dass die Kinder traumatisiert sind, weil sie nicht bei ihren Eltern schlafen können. Sie wachen mitten in der Nacht mit Albträumen auf.
"Wir wollten ihnen immer ein Leben fernab von den Problemen der Welt bieten", erklärt die Mutter.
Im Gutachten geht es auch um Thema Bildung, das für die Justiz angesichts der Lerndefizite der Kinder und des Mangels an sozialen Beziehungen eine zentrale Rolle spielt.
"Es gibt viele Tausende Menschen, denen es genauso geht. Wir wollen keine Bildungschancen verweigern, sondern das Lernen mit direkten Erfahrungen in der Natur beginnen", argumentiert Catherine Birmingham, "Kinder bekommen auch mehr Lust am Lernen, weil Strafen und Zurechtweisungen das Selbstwertgefühl senken.
Die Mutter der drei Kinder befürwortete die Einführung eines Lehrers in die Erziehung ihrer Kinder, aber mit der richtigen Art und Weise und zum richtigen Zeitpunkt : "Wenn man das Kind zum Lernen aus eigenem Antrieb ermutigt, entwickelt es Kreativität".
Das Team der lokalen Gesundheitsexperten bewertete diese Erziehungsmethode als positiv.
"Die Kinder reagieren angemessen in den emotionalen und relationalen Bereichen. Die Interaktion mit den Eltern ist gut, und sie stellen für sie eine gültige emotionale Referenz dar. Im Großen und Ganzen waren die Kinder zuversichtlich, trotz Episoden von Aggression und Misstrauen, die unweigerlich mit den aufgetretenen Ereignissen und den Bewertungsumständen zusammenhängen", heißt es in dem Bericht.
Catherine Birmingham ist "eine verzweifelte und besorgte Mutter, aber was ihre elterlichen Pflichten betrifft, durchaus fähig", erklärt der Neuropsychiater Tonino Cantelmi, der als Sachverständiger für das anglo-australische Ehepaar auftrat. Er betont die Notwendigkeit, die Familie so schnell wie möglich wieder zusammenzuführen.
Alle sollten mit dem gleichen Ziel vor Augen arbeiten, fordert Cantelmi.
Sozialdienst: "Die Mutter hält sich nicht an die Regeln"
Das neue Dokument der örtlichen Gesundheitsbehörde könnte die Meinung der Beschäftigten des Sozialamtes in Frage stellen, die die Mutter als "unwillig und unnachgiebig" beschrieben hatten, "wenn es darum geht, Regeln und Erziehungsgrundsätze zu teilen, die von ihren eigenen abweichen".
Die Kinder gingen nicht in die Schule und lebten in einem Haus im Wald - ohne Strom und fließendes Wasser.
Alles liegt nun in den Händen der Anwälte der Familie Trevallion, Marco Femminella und Danila Solinas, und des Jugendgerichts von L'Aquila, wo eine andere leitende Richterin mit dem Fall betraut werden sollte.
Der Oberste Rat der Magistratur hat Nicoletta Orlando, eine ehemalige Abgeordnete der linken Partei Pci-Pds, zur neuen Präsidentin ernannt. Sie übernimmt die Leitung von Cecilia Angrisano, deren Amtszeit abgelaufen ist.
Angrisano hatte die Anordnung unterzeichnet, mit den Eltern das Sorgerecht entzogen und die Überstellung der drei Kinder in die Einrichtung in Vasto angeordnet wurde. Die Ernennung ihrer Nachfolgerin muss noch offiziell bestätigt werden.