Laut einer neuen Studie wird sich die Tendenz, dass es mehr Jungen und Männer als Mädchen und Frauen gibt, in den kommenden Jahren verschärfen. Doch das Forscherteam aus Rostock hat Tipps, was getan werden muss, um diese Herausforderung zu bewältigen.
Generell gibt es in Deutschland mehr Frauen als Männer - vor allem weil Frauen eine höhere Lebenserwartung haben. Allerdings sind unter jüngeren Leuten inzwischen Männer in der Überzahl - und das könnte einige Probleme mit sich bringen.
Eine in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock geht davon aus, dass sich die Tendenz zu mehr Jungen und Männern in den kommenden Jahren immer weiter verstärken wird.
Das Team um Henrik-Alexander Schubert schreibt: "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Fertilität infolge der Vermännlichung der Bevölkerung zunehmen und dass diese Veränderungen sowohl Herausforderungen als auch Chancen mit sich bringen werden."
Ein sich verringernder Geschlechtsunterschied bei der Sterblichkeit könnte zu einer weiteren Vermännlichung der Bevölkerung im reproduktiven Alter beitragen, schreiben die Forschenden. Nur in den Regionen Afrikas südlich der Sahara sterben vor allem durch Kriege weiterhin mehr Männer.
Die Herausforderung weltweit sind vor allem Männer, die keine Partnerin finden und kinderlos bleiben. Das Forschungsteam warnt: "Werden die Bedürfnisse dieser Männer nicht berücksichtigt, besteht die Gefahr einer kulturellen Gegenreaktion gegen die Gleichstellung der Geschlechter und gesellschaftlicher Konflikte."
Das Problem "toxische Männlichkeit"
Ein Beispiel für die "kulturelle Gegenreaktion" ist die sogenannte "toxische Männlichkeit". Einer der bekanntesten Vertreter dieser Bewegung ist der Influencer und Ex-Kickboxer Andrew Tate, der in Rumänien vor Gericht steht. Auch in Florida wird gegen Tate ermittelt.
Verstärkt wird der Frauenhass durch Künstliche Intelligenz und die sozialen Medien, in denen auch sogenannte Deepfake-Rache-Pornos verbreitet werden.
Was bedeutet "Gender Disappointment"?
Die Angst davor, dass sich ein Junge zu einem Problemkind entwickeln könnte, führt offenbar dazu, dass sich mehr und mehr junge Paare eher ein Mädchen als einen Buben wünschen. Forschende bezeichnen dieses Phänomen als "Gender Disapppointment". Vor allem in Internet-Foren tauschen sich werdende Eltern darüber aus, dass sie lieber ein Mädchen hätten.
Einer von der Süddeutschen Zeitung zitierten Studie zufolge bekommen vor allem in Tschechien, Litauen und Ungarn die Eltern, die als erstes Kind ein Mädchen haben, häufig kein zweites Kind mehr. Ist der Erstgeborene ein Junge, dann gibt es in den Familien deutlich häufiger weiteren Nachwuchs.
Generell versuchen viele Regierungen in Europa die jungen Leute dazu zu animieren, wieder mehr Kinder zu bekommen, denn die Geburtenrate ist zuletzt immer weiter zurückgegangen.